Gott schaut uns an mit Gnade und Liebe

Die Ostergeschichte aus dem Markusevangelium erzählt Erfahrungen der Frauen auf dem Weg zum Grabe und von Erfahrungen von Menschen, die mit niederschmetternden Erfahrungen nicht fertig werden: Wer wälzt uns den Stein vom Grabe? Wer wälzt uns den Stein weg von unserer Seele, wer macht uns frei zum Ziel zu kommen, zu unserem Herrn Jesus Christus? Ostern darf nicht zum Fest des Osterhasen werden und nicht zu einem Fest von vor 2000 Jahren. Ostern will uns anrühren bewegen – heute!

Für heute ist ein Text vorgeschlagen, der vordergründig nichts mit Ostern zu tun hat. Lange Zeit vor Christi Geburt: Hanna eine Frau, leidet unter ihrer Unfruchtbarkeit, bis sie in bereits fortgeschrittenem Alter schwanger wird und ein Kind gebiert – Samuel. Diese Situation ist vorausgesetzt, wenn ein Lied ertönt, dass dieser Hanna zugeschrieben wird. Und wenn wir hinhören, erleben wir österliche Anklänge die uns vielleicht auch helfen, wirklich Ostern in unserem Leben finden zu können. Dann erleben wir Aktualität, weil dieses Lied Reaktion auf die Lösung einer Situation ist, wie sie heute noch Menschen belastet. Diese Frau kann singen und bekennen.

[TEXT]

Diese Lied redet nicht von dem ‚lieben Gott’ der alles annimmt und irgendwie alle Wunden heilt, sondern von dem Heiligen Gott, der tötet und lebendig macht, der ins Leben ruft und dem alles Leben zugeordnet ist. Dieser Gott widerspricht den Menschen, die das Leben begrenzen wollen, die ausgrenzen wollen, die ‚in‘ und ‚out‘ definieren. Für die alles ganz einfach ist.

Solche menschlichen Grenzen durchbricht Gott, für den das Leben an Karfreitag nicht einfach endet aber auch nicht einfach nahtlos weitergeht. Davon singt Hanna: ‚Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.’ Das klingt wie im Magnificat, dem Lobgesang der Maria.

Hanna singt einen Psalm von ihrer ganz persönlichen Befreiung und stellt mich damit vor die Frage nach meiner persönlichen Befreiung, nach Ostern in meinem Leben. Sie singt von dem Gott, der die Herrschaft des Todes besiegt hat. Und das ist keine Gerede von einem Jenseits von einem außerhalb unserer irdischen Erfahrungen. Es gibt ja diesen Tod mitten im Leben, diesen Tod meiner Beziehungen, diesen Tod der mich seelisch erkalten lässt. Diesen Tod, der mein soziales Leben beendet, weil ich meine Erfahrungen nicht mehr ertragen kann oder weil ich für Andere gestorben bin.

Dagegen spricht die Kirche an Ostern: Der Herr ist auferstanden – das ist ein dogmatischer Satz der Kirche der nichts mit mir zu tun hat – oder es ein Satz für mich, mitten in meinem Leben. Ein Satz der bedeutet: da ist nicht irgendwann irgendwas geschehen, sondern da geschieht etwas für mich. Da spricht der Herr über Leben und Tod sein entscheidendes Wort – auch für mich. Da wird die Herrschaft des Todes über das Leben beendet – für mich. Da spüre ich, dass menschliches Leben nicht einfach aus Anfang und Ende besteht. Das spüre ich etwas von der Tiefe des Lebens, die Gott meint, ein Leben vor dem Tod und ein Leben nach dem Tod.

Die Herrschaft des Todes ist mehr als nur die Tatsache, dass unser irdisches Leben irgendwann zu Ende ist. Herrschaft des Todes heißt, dass es immer wieder Momente im Leben gibt, wo wir zu Tode betrübt sind, wo wir keine Zukunft, kein Licht am Ende des Tunnels mehr sehen können. So wie diese Hanna, die sieht, dass ihre Rivalin Kinder bekommt und sie nicht. Sie geht zu Gott, sie betet, sie erlebt Ostern und singt ein Lied von dem Gott, der die Freiheit hat, die Dinge anders zu sehen.

Hanna ist genauso resigniert, wie die Jüngerinnen und Jünger: man fühlt sich auf sich selbst zurückgeworfen, sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Auferstehung ist der Sieg des Lebens über den Tod (auch den mitten im Leben). Das Lied der Hanna erzählt von den Erfahrungen einer Frau, die von ihren Erfahrungen völlig überwältigt ist. Sie singt von ihrem ganz persönlichen Heil, so wie es nur Ostern werden kann, wen wir unser ganz persönliches Heil erkennen und davon singen.

Mein Herz ist fröhlich – das ist Auferstehung! Hier singt eine Frau, die die Auferstehung erfahren hat, die Nähe des Gottes, der das Leben will und der die Menschen beschenken will. Aber dieser Gott ist nicht einfach der liebe Gott, weil er auch zerstört, was dem Leben entgegen gewandt ist. Von diesem Gott zu singen, heißt auch damit zu rechnen, dass er mein Leben in Unordnung bringt, auch wenn ich das störend finde. zum Leben gehört eben auch das Störende. Vielleicht lerne ich, Gott zu sehen, gerade dort wo ich genervt werde, wo meine Ideen platzen, wo ich mich unverstanden fühle. Vielleicht spüre ich dann, dass Gott es ist, der meine Ideen stört, aber mich liebt. Als Menschen für den er lebt.

Gott meldet sich mitten in unserem Leben als der Lebendige zu Wort, als der Herr des Lebens. Ostern ist: Gott schaut uns an mit Gnade und Liebe. Er nimmt uns ernst als Menschen, die Hilfe brauchen. Er will uns aufrichten. So kann mein Herz fröhlich werden, wenn es singt 99 Christ ist erstanden.

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