Wir sind gefangen, trotzdem -Freut Euch!

Liebe Gemeinde,
der heutige Sonntag hat die Bezeichnung: Lätare, zu Deutsch: Freut euch! Worüber können wir uns freuen? Zum Beispiel darüber, dass die Bäume und Sträucher wieder anfangen auszutreiben und es endlich wieder Frühling wird. Oder vielleicht kommt Freude darüber auf, dass es abends länger hell bleibt und wir mehr Zeit haben, gemeinsames unternehmen.

Lätare, freut euch! Einige von Ihnen denken vielleicht: „So gern ich möchte, es fällt mir schwer mich zu freuen. Mein Partner hat sich von mir getrennt, beruflich geht es bei mir drunter und drüber, mit den Nachbarn liege ich im Clinch und meine Gesundheit ist auch angeschlagen. Wenn ich die Zeitung aufschlage oder den Fernseher anmache, lese oder höre ich nur von Elend und Brutalität in den Völkern, Selbstmordattentätern, Naturkatastrophen wie Erd- oder Seebeben. Nein, ich kann mich nicht mehr freuen.“ Und nun, liebe Gemeinde, worüber können wir uns noch freuen?

Lätare, freut euch! Freuen sie sich darüber, dass Sie heute Morgen im Gottesdienst sein können und die frohe Botschaft hören dürfen, auch wenn sie innerlich angespannt, verkrampft und gefangen sind. Verkrampft, von den Schwierigkeiten im Zusammenleben mit ihrem Nächsten. Gefangen, weil in der heutigen Zeit, vernünftige Lebensperspektiven schwer erkennbar sind. Freuen sie sich trotzdem, den auf die positive Grundstimmung kommt es an.

Dem Apostel Paulus erging es viel schlechter als uns. Er war auch gefangen, denn er saß im Gefängnis. Wo er inhaftiert war, in Rom oder in Ephesus, ist unbestimmt. Trotz allem, von dort schrieb er einen Brief an die Gemeinde in Philippi.

Predigttext vorlesen aus dem Perikopenbuch: Philipper 1, 15-21

Ein Gefängnisseelsorger erzählte mir von einem alleinstehenden, wohnungslosen Mann den er im Gefängnis besuchte. Er wurde für vier Wochen wegen einer Geldstrafe, die unbezahlt blieb, inhaftiert. Der Seelsorger erzählte, dass ihm das Gesicht des Mannes unvergessen bleibt. Dieser Mann, der sonst vor Fröhlichkeit strahlte, machte einen tief traurigen Eindruck auf ihn. Das Gefängnis hatte ihn negativ verändert.

Das ganze Gegenteil ist Paulus. Im Gefängnis, der Willkür und Brutalität der damaligen Zeit ausgeliefert, macht er einen fröhlichen Eindruck. In dem Predigttext ist doch tatsächlich von Freude die Rede. Ist Paulus verrückt geworden?

Lätare, freut euch! Worüber freut sich Paulus? Er freut sich darüber, dass Christus nach wie vor in den Gemeinden verkündigt wird. Er freut sich darüber, dass es Christen gibt, die seine Arbeit fortsetzen. Die Hauptsache ist, dass Christus auf jede erdenkliche Weise verkündet wird. Sei es auch aus Neid oder Streitsucht, Hauptsache es wird von ihm gesprochen. Wie es auch ausgeht: „Die Zukunft heißt Christus“. Darüber freut sich Paulus, darüber freue ich mich und auch künftig werden wir Grund haben, uns zu freuen.

Der Apostel Paulus hat einen Glauben, der ihn im Gefängnis frei sein lässt. Gelassen setzt er sich mit der Ungewissheit seiner Zukunft auseinander. Lätare, freut euch! Freude ist der Grundton seines Briefes an die Frauen und Männer in Philippi.

Was bringt den Apostel zu einer solchen Art Glauben? Paulus schrieb: „Ich weiß, dass meine Gefangenschaft, gleichgültig, wie sie endet, zu meiner Rettung führt. Das verbürgen mir eure Gebete und Jesus Christus, der mir durch seinen Geist beisteht. Euer Gebet, liebe Gemeinde in Philippi, stärkt meinen Glauben. Der Beistand des Geistes Jesu Christi stärkt meinen Glauben.“

Naturwissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen, die erkrankt sind und für die gebetet wird, schneller gesund werden als andere. Als ich dies in der Zeitung las, habe ich mich gefreut. Unsere Fürbitte ist wirksam und wird auch in der atheistischen Welt bemerkt.

Unser Gebet, unser persönliches Sprechen mit Gott hilft auch, wenn die Erkrankten oder Beeinträchtigten nicht wissen, dass wir für sie mit Gott gesprochen haben. Und unsere Gebete, liebe Gemeinde, stärkt unseren Glauben. Ja, der Beistand des Geistes Jesu Christi stärkt unseren Glauben.

Als Gefangener, durch den Glauben innerlich frei, schreib Paulus Briefe. In seiner innerlichen Auseinandersetzung mit der Zukunft nimmt die Freude an Größe zu. Und in der Ungewissheit des bevorstehenden Gerichtsurteils werden Angst und Sterben für den Apostel das Tor zum Leben. Ich vertraue darauf, dass auch jetzt, so wie bisher, Christus an mir und durch mich groß gemacht wird, ob ich nun am Leben bleibe oder sterbe.“, sinniert Paulus.

Die Freude darüber, dass wir, seine Gemeinde, zum auferstandenen Christus gehören, überwindet bei Paulus sogar die Angst vor dem Tode. „Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.“

Sehnt sich Paulus nach dem Sterben? Plant er gar einen Selbstmord? Nein, ganz bestimmt Nein! Der Apostel sieht in dem möglichen drohenden Tod eine Weiterführung seines Tuns. Er hat eine Hoffnung, die über den Tod hinausgeht, Jesus Christus.

Unser Tod, so sieht es der Apostel, ist für uns sogar der persönliche Gewinn mit Christus Jesus vereint zu sein. Darauf kommt es also an, liebe Gemeinde, dass wir uns Jesus, dem Mittelpunkt unseres Lebens, anvertrauen.

Wir erkennen, dass wir, wenn wir sterben Christus gehören und sonst niemandem. Denn Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist es, der uns das Leben gibt, hier und in alle Ewigkeit. Lätare, freut euch!

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Prädikant Manfred Zuzak in Windesheim-Guldental.)

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