Wunder dauern etwas länger?

Liebe Gemeinde,
„Unmögliches wird sofort erledigt – Wunder dauern etwas länger.“ Dieser Spruch hängt an manchen Arbeitsplätzen, und jeder von uns hat ihn wohl schon einmal gehört: Wunder dauern etwas länger.
Wenn ich in einem Geschäft diesen Spruch sehe, dann denke ich unwillkürlich: „Hier arbeiten engagierte Menschen. Sie versuchen das Unmögliche wahr zu machen.“
Eigentlich ist es ja Nonsens. Denn Unmögliches kann nicht geschehen, und an Wunder glaubt in unserer aufgeklärten Welt auch niemand mehr. Und die Sprüche sind auch mehr aus Jux und Tollerei aufgehängt.

Wunder dauern etwas länger: Die biblische Hanna hat die Erfüllung dieses Spruch am eigenen Leib erlebt. Lange Jahre war sie schon mit ihrem Mann Elkana verheiratet. Aber Nachwuchs wollte und wollte sich nicht einstellen. Ganz schlimm für eine Frau der damaligen Zeit. Denn daran war in der patriarchalischen Gesellschaft immer die Frau schuld. Nicht nur, dass Hanna selbst darunter gelitten hat, auch die Nachbarn werden geredet haben: „Es ist eine Strafe Gottes, dass Hanna unfruchtbar ist!“ So haben die Menschen damals gelästert und auf Hanna herabgesehen. Denn sie selber hatten ja Kinder! Und wenn es ganz schlimm kam, dann wurden solche Frauen ohne Kinder von ihren Männern verstoßen.
Hanna hatte da noch Glück im Unglück. Denn Elkana hielt zu ihr. Er liebte seine Frau, er achtete sie und er schätzte sie hoch, obwohl sie keine Kinder bekam. Er sagte zu ihr: „Hanna, warum weinst du? Und warum isst du nicht? Und warum ist dein Herz betrübt? Bin ich dir nicht mehr wert als 10 Söhne?“
So tröstete er Hanna und drückte ihr seine Liebe aus. Insofern ging es Hanna noch gut. Doch trotzdem schmerzte es sie, dass sie keine Kinder bekam.
Elkana und Hanna waren fromm. Jedes Jahr zogen sie zum Heiligtum in Silo und beteten da zu Gott und opferten ihm. Sie dankten für das vergangene Jahr und für alles, was der Herr ihnen Gutes hatte geschehen lassen. Und sie baten zugleich für das kommende Jahr, dass Gott sie beschützen und begleiten möge. Und natürlich, Hanna betete auch für einen Sohn.
Ihr Mann Elkana hatte noch eine weitere Frau, Peninna, und die hatte viele Kinder. Sie und ihre Kinder machten sich immer lustig über Hanna. Ich höre sie rufen: „Unfruchtbare Hanna! Hanna ist unfruchtbar!“ Und Hanna ist todtraurig, wenn sie das hört.

Wieder einmal ist die Familie in Silo am Heiligtum. Diesmal betet Hanna nicht nur um einen Sohn, nein, sie legt ein Gelübde vor Gott ab. Sie sagt: „Wenn Du, Gott, mir einen Sohn schenkst, dann will ich ihn dir weihen. Er soll allezeit seines Lebens dem Herrn gehören.“
Wunder dauern etwas länger: In Hannas Fall genau 9 Monate. Dann gebiert die unfruchtbare Hanna einen Sohn. Sie nennt ihn Samuel, was übersetzt bedeutet: „Von Gott erbeten“. Und als der Junge alt genug ist, bringt sie ihn nach Silo, um ihn dem Herrn zu weihen. Sie gibt ihn also sozusagen dem dortigen Priester in die Lehre, und aus Samuel wird ein großer Priester und Prophet. Und Hanna singt dieses Lied, das wir gehört haben, singt voller Freude für Gott. Sie singt davon, dass unser ganzes Leben von Gott abhängt. Er tötet und macht lebendig, er macht arm und macht reich, er erniedrigt und erhöht. Ja, es stimmt: Hanna war tot und arm und niedrig, weil sie keine Kinder hatte. Doch Gott machte sie lebendig und reich und erhöhte sie, sodass sie Nachwuchs bekommen konnte.

Wunder dauern etwas länger. Auch damals zur Zeit Jesu. Die Jünger waren hoffnungslos. Denn Jesus war von Pontius Pilatus, von den Römer und den Hohepriestern gekreuzigt worden. Da war kein Platz mehr für Wunder, kein Platz mehr für Hoffnung. Nur noch für Trauer, wie damals bei Hanna. Doch sie erlebten ihr Wunder: Denn der Tod war besiegt, Christus von den Toten auferstanden. Das Unmögliche ist wahr geworden, das Undenkbare zur Gewissheit: Jesus lebt.
Drei Jüngerinnen waren die ersten, die die frohe Botschaft erfuhren. Schnell liefen sie zu den Jüngern, um ihnen davon zu erzählen. Dann sahen die den lebendigen Jesus, und immer mehr Menschen sahen und erkannten ihn. So viele waren es und glaubten an ihn, dass Paulus später denjenigen, die daran zweifelten, schreiben konnte: „Fragt doch die, die ihn gesehen haben. Sie leben noch!“

Wunder dauern etwas länger. Viele Menschen, auch hier im reichen und aufgeklärten Deutschland und Europa, hoffen auf ein Wunder. Der eine will wieder gesund werden, der andere endlich nicht mehr jeden Cent umdrehen müssen. Der nächste hofft, dass er seinen Arbeitsplatz behalten möge, und wieder ein anderer, dass seine Rente reichen möge. Christen hoffen, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Dass es das noch nicht gewesen ist. Sie hoffen auf ein Leben bei Gott. Aber kann dieses Wunder geschehen? Schließlich habe ich doch so viele Fehler gemacht. Wird mir Gott vergeben? Das wäre doch ein Wunder!
Genau das feiern wir heute: Das Wunder, dass uns unsere Sündern vergeben werden. Denn mit Tod und Auferstehung Christi, mit Karfreitag und Ostern wird dieses Wunder wahr. Wie auf einen Sündenbock wurden unsere Sünden auf Jesus Christus geladen. Er hat für uns am Kreuz gebüßt.
So dürfen wir wieder Hoffnung haben: Hoffnung darauf, dass das Wunder unserer Auferstehung zu Gott wahr werden möge – wie Christus auferstanden ist.
„Unmögliches wird sofort erledigt – Wunder dauern etwas länger.“ Bei Gott gilt das nicht. Seit Ostern wissen wir das. Und können in das Lied Hannas mit einstimmen über das Wunder der Auferstehung Christi und das Wunder der Gnade Gottes uns gegenüber und mit ihr zum Lobe Gottes singen:

Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.

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