Der Herr Präsident und sein Ruhm und der Ruhm des Herrn

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit euch allen!
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Vergänglich ist der Welten Ruhm!
Wie es um die Weisheit, Macht und den Ruhm in dieser Welt bestellt ist, dies können wir zurzeit par exellance an der Person unseres Bundespräsidenten Christian Wulff sehen. Und damit wären wir schon mitten im Predigtthema des heutigen Sonntags.

-Predigttext:

Ein Ministerpräsident lässt sich scheiden und braucht wie so viele Menschen Geld, denn er heiratet eine neue gutaussehende Frau und zeigt sich gerne in aller Öffentlichkeit mit ihr. Die Presse von Bunte bis Bild ist ganz angetan von dieser neuen Romanze und huldigt ihm auf seinem neuen Lebensweg. Rote Teppiche und Partys und reiche Freunde treten ins Leben des einstmals blassen und biederen Ministerpräsidenten. Schließlich wird er aufgrund des vorzeitigen Rücktritts des Bundespräsidenten Horst Köhler zum neuen Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung gewählt. Die vorläufige Krönung einer politischen Karriere.
Soweit so gut. Doch im Laufe der Zeit kommt heraus, dass der Präsident ein neues Haus und dessen Kauf mit dem Geld einer reichen Freundin finanziert und dann von seinen Hannover Connections einen sehr attraktiven Ablösekredit für „gehobene Kunden“ aus Baden Württemberg bekommt.
Zwischenzeitlich kommt dies alles raus, was noch nicht zwangsläufig in den Sumpf der Korruption gehört. Aber dennoch entsteht der Eindruck des „Geschmäckle“.
Bild veröffentlichte die Details über das Darlehen für die Hausfinanzierung und der sog. „kleine Mann“ bekommt den nicht unbedingt falschen Eindruck, dass die „da Oben“ andere Gesetze und Regeln haben ( Wer hätte nicht gerne so einen günstigen Kredit?!) oder wie der Nordhesse derb, aber durchaus richtig sagt: „Da bekommt die fette Sau noch den dicken Arsch mit Fett oder Schmalz eingeschmiert!!“
So scheint dies zu sein mit den Reichen, Schönen und Mächtigen, aber auch mit den Weisen und Starken.
Wer viel hat, der bekommt noch mehr! Günstige Kredite für gehobene Kunden.
Aber: auch mehr Ärger und Ansehensverlust mehren sich – mit oder ohne drohendem Verhinderungstelefonat.
Die Fallhöhe ist beträchtlich.
Amt und Person, Auftrag und Mensch, der den politischen Auftrag zu erfüllen haben, müssen schon übereinstimmen und nicht den Eindruck hinterlassen, dass einer nicht zu seinen Fehlern steht oder sich durch sein Amt Vorteile schafft, die er sonst nie gehabt hätte. Macht kann korrumpieren, aber Macht wird in der Demokratie nur auf Zeit verliehen.
Oder anders und ganz profan: Der Ruhm der Welt vergeht, auch der eigene Ruhm, falscher Stolz und Hochmut haben eine hohe Fallhöhe und der Aufschlag auf der Erde tut häufig sehr weh und hinterlässt Wunden.
Nicht viele sind berufen solch ein Amt korrekt und dann auserwählt für die Menschen förderlich auszuüben. Hauskauf und Kredite unter Freunden hin oder her.

Dieser selbstverliebten und nach vergänglichem irdischen Ruhm strebenden politischen und religiösen Klasse und Kaste im damaligen aufstrebenden Korinth hält der Apostel gnadenlos Gottes Berufungs- und Auserwählungspraxis vor.
Nicht der Selbstverliebte und Hochmütige oder der Eingebildete und Weise wird von Gott berufen oder auserwählt, sondern das Schwache, Minderwertige und Benachteiligte wird von Gott ins und ans Licht geholt.
Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig (2.Korinther 12,9)

Vermeintlich Törichtes wird im Gegensatz mächtig und weise.
Kleines wir groß.
Geringes und Verachtetes erlangt Schönheit und Ansehen vor Gott.

Das ist die Umwertung aller menschlichen Werte und Regeln.
Und schon damals bekam der Apostel dafür Verachtung und Hohn.

Doch jetzt anders und im Sinne des Paulus:

Die Grundlage eines Lebens, das vor Gott bestehen wird, kann nur sein, was Gott in Jesus Christus schenkt.
„In Christus sein“ heißt, auf eigene Weisheit, Gerechtigkeit und Vervollkommnung oder Erlösung zu verzichten und das, was Gott durch Christi Tod und Auferstehen bewirkt hat, als neuen „Lebensraum“ anzunehmen.
Nur dessen, was Gott in Christus getan hat, kann man sich rühmen, d.h. den Grund und Inhalt darin sehen.
Also: wer sich rühme oder für stolz halte, der rühme sich des Herrn und sei stolz auf Gottes Werk in und an uns.

Wie sieht dieser Lebensraum Gottes, wie sieht das Leben mit
Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung aus?

Denn auch wir modernen Christen des 21. Jahrhundert leben in diesem Lebensraum. Wir leben in der Spannung und mit dem Widerspruch, dass diese Welt noch nicht erlöst ist, auch wenn wir schon im Glauben hier und jetzt das Reich Gottes, das Himmelreich mit und in den Augen des Glaubens sehen.

Und so bedeutet dieses Leben in diesem LEBENSRAUM genannt: Himmelreich oder der Gebetsruf „Vater unser im Himmel" bzw. das Bekenntnis „aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten", immer mehr als eine Bestimmung des geografischen Raums über uns oder ein gequältes Hinaufschauen in die Wolken, um dann festzustellen, dass dort nur Atmosphäre ist.
Wer hingegen Gott in seinem Leben Raum gibt, ob als Kind oder Erwachsener, der tritt ein in eine Dimension der Wirklichkeit, die sich jenseits von Naturwissenschaft, Zweifel, Agnostizismus und angestrengtem Atheismus befindet.
Dem oder der tut sich wirklich der Himmel auf. Der Himmel des Glaubens an Jesus Christus. Eine Welt der unendlichen Möglichkeiten des Reiches Gottes, das überall sein kann und will und das auch mitten unter uns am heutigen Tag seinen religiösen und räumlichen Himmel über uns aufspannt.
(Das verschafft mir die Möglichkeit im Glauben vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang Gott für seine wunderschöne Natur zu danken und mich als Geschöpf zu empfinden, das unter Gottes großem Himmel lebt.

Wer an den Himmel und seinen Lebensraum glaubt und nicht nur über die astronomische Bestirnung über uns, der weiß, dass der Glaube an Jesus, den Christus, himmlische Perspektiven bietet. Nicht nur für ein Jenseits oder dem vielleicht weltabgewandten Leben in einem religiösen Himmel, sondern im Hier und Jetzt auf Erden.
Hier und jetzt auf dieser Welt, um das Antlitz dieser Welt im Sinne Jesu etwas freundlicher werden zu lassen.
Als Rum für Gott und jenseits der menschlichen Weisheit und Selbstüberschätzung.

Idealtypisch wäre dies der bereitete Himmel auf Erden und Lebensraum Gottes. Und das bedeutet konkret. Wir haben von Jesus, dem Christus und Gottes Sohn die Bergpredigt bekommen, wir sollen unsere Feinde lieben und an der Schaffung einer friedlichen Welt und der Bewahrung der Schöpfung und der Schaffung von gerechten Verhältnissen mitarbeiten. Wer an den Himmel glaubt, der weiß auch, dass wir hier auf Erden leben, Verantwortung tragen und uns für irdische Gerechtigkeit einsetzen

Vielleicht mit Worten von Roger Schutz, dem verstorbenen Vorsteher und Abt der Kommunität Taize:

Mache deine Wohnräume zu einem Ort, an dem andere immer willkommen sind.
Du hast Nachbarn im Treppenhaus, im Wohnviertel. Nimm dir Zeit, immer wieder auf sie zuzugehen und mit ihnen Verbindungen zu knüpfen. Du wirst dabei oft auf große Einsamkeit stoßen und feststellen, dass die Grenze der Ungerechtigkeit nicht nur zwischen Kontinenten, sondern nur einige hundert Meter von deiner Wohnung entfernt verläuft.
Lade andere zum Essen ein.
Das Fest wird eher bei einem einfachen als bei einem übertriebenen Mahl entstehen …
Das Gleichnis des Miteinander-Teilens bezieht sich auch auf deine Arbeit.
Setze deine Kräfte dafür ein, dass für alle eine Angleichung der Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen erreicht werden …
Das Miteinander teilen schließt die ganze Menschheitsfamilie ein.
Es ist unerlässlich, gemeinsam zu kämpfen, um die Güter der Erde neu aufzuteilen.
Maßstab sind die tatsächlichen Bedürfnisse aller Menschen bis hin zu den Allergeringsten, und nicht die Befriedigung der Bedürfnisse der westlich orientierten Menschen.
Es gibt nur eine Menschheitsfamilie.
Kein Volk, kein einziger Mensch ist davon ausgeschlossen.

Die letzten Sätze von dem verstorbenen Prior aus Taize beschreiben ganz elementar und eindrücklich, wie ein Leben unter irdischen und weltlichen Bedingungen eine himmlische Note bekommen kann. Wie aus vermeintlich einfachen Lebensregeln und ethischen Anweisungen ein Stück Himmel auf die Erde kommt.

Und wer mit dem Herzen weit und klar in den religiösen Himmel blickt, der weiß tief in sich drinnen bestimmt der Glaube an Jesus Christus den eigenen Horizont der Möglichkeiten.

Wer in dem von Gott geschenkten Himmel lebt und diesen als sein Lebensraum ansieht, der weiß, dass Jesus Christus lebt, hilft, tröstet, rettet, stärkt, begleitet, hält, vergibt, liebt, trägt, barmherzig ist und erlöst..
Wer an diesen Jesus Christus glaubt, für den existiert er nicht nur symbolisch, sondern ganz real, mächtig und rühmenswert.
Denn: „Wer sich rühme, der rühme sich dieses Herrn.“
Amen.

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