Hauptsache, Christus wird verkündigt

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Die Jahreslosung 2012 kennen wir vielleicht schon auswendig, aber haben wir sie wirklich verinnerlicht? Bewegt sie uns?

Wenn wir tiefer bohren werden wir feststellen, dass das Evangelium nicht immer so eindeutig ist und schon gar nicht immer auf unserer Seite steht. Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth und versucht den Menschen dort das Besondere am christlichen Leben zu erklären. Hintergrund ist, dass es Streit in der Gemeinde gab und dieser Streit hing wie so oft im Leben eben auch an Personen.

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Dreh- und Angelpunkt christlichen Glaubens sind das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz und der Auferstandene. Alle drei Bilder von Jesus Christus gehören zusammen und sind nicht zu trennen. Der ‚gesunde Menschenverstand‘ hätte ganz gerne dieses niedliche Kind in der Krippe, dass so eine behagliche Stimmung verbreitet oder den Auferstandenen, dessen Licht alles überstrahlt.

Aber so wenig wie es unsere Jahreslosung ohne die Gnade gibt (Lass dir an meiner Gnade genügen ……), so wenig gibt es das Kind in der Krippe, den Wunderheiler und Menschenversteher Jesus ohne das Kreuz. Wer wirklich verstehen will, was in der Krippe geschehen ist, der muss ans Kreuz schauen und kann dort erkennen, wie viel wir diesem Gott wert sind, dass er nicht in der Distanz verharrt, sondern sich mitten unter die Menschen begibt in diese Welt voller Elend und Gewalt. Dass ist unmenschlich, wenn Gott sich nicht heraushält und die Menschen mal machen lässt, sondern sich engagiert, damit das Heil zu den Menschen kommt.

Und wenn ich dieses Wunder verstehe, verstehe ich vielleicht auch, dass meine Probleme, meine Konflikte nicht der Mittelpunkt der Welt sind, auch die Eurokrise und die atomare Bedrohung durch Fukushima oder den Iran sind es nicht. Der Mittelpunkt der Welt liegt in Krippe und Kreuz.

Natürlich wird es weiter Katastrophe und Streit geben. Natürlich werde ich auch in Zukunft Neid empfinden und unter dem Neid Anderer leiden. Aber vielleicht spüre ich in Zukunft; dass ich nicht alleine bin, sondern dass mit mir der Herr geht, dem ich so unendlich viel wert bin. Und das hilft mir vielleicht zu einer neuen Einstellung.

Bei Paulus ist das so. Er nimmt die Anfeindungen wahr, er erkennt nie und er ist gekränkt, weil seine Anstrengungen nicht gewürdigt werden und andere sich zu Stars aufschwingen. Das tut weh und das spricht er deutlich aus.

Aber er spricht auch das Wichtigere deutlich aus: Egal, wer, Hauptsache, dass Christus verkündigt wird, dass Gemeinde gelebt wird. Wichtig bleibt, dass alle zusammen mit ihren Möglichkeiten versuchen zu erkennen, wer der Herr in ihrem Leben ist. Und das ist schwierig, weil es einen nicht zu unterschätzenden Gegner gibt, den hochgelobten ‚gesunden Menschenverstand‘.

Dem gilt eigentlich sein Schreiben in diesem Abschnitt. Dieser Verstand, der nur glaubt, was er sieht, für den alles Wesentliche auch wissenschaftlich belegt sein muss.

Ich kann das gut verstehen – und finde es manchmal sehr gut, wenn man nicht alles glaubt, was einem erzählt wird. Manch peinlicher Klatsch könnte uns da erspart bleiben. Da lohnt es sich immer, nachzufragen. Es lohnt sich im Leben immer nachzufragen, aber es lohnt sich nicht immer, alles verstehen zu wollen. Das heißt ja nicht, dass man seinen analytischen Verstand an der Garderobe abgeben muss. Aber es heißt, dass ich akzeptieren muss, wenn nicht alle Dinge sich meinem Verstand erschließen. Ich glaube ja auch leichtfertig, dass Stahl fliegen oder schwimmen kann, wenn nur die richtigen Ingenieure die Pläne gemacht haben und alles überwachen.

Die Weisheit Gottes ist mit dem menschlichen Verstand und der menschlichen Logik nicht zu erfassen. Es ist überhaupt nicht vorstellbar, was Gott bewogen haben könnte, Mensch zu werden – und dann nicht mal am Königspalast, sondern im Stall in der Krippe in der Provinz, in dem Kaff Bethlehem.

Es gibt ja gute Weisheiten. Paulus meint mit Weisheit alles, was durch Verstand zu erfassen ist – aber genau diesem entzieht sich die Botschaft vom Kreuz, aber nicht so dass man seinen Verstand am Eingang abgeben müsste. Aber man muss Kreuz und Auferstehung akzeptieren als Denkvoraussetzung, so wie ich in der Mathematik Voraussetzungen akzeptieren muss.

Dass Gott Mensch wird ist schon die erste Torheit, dass er nicht auf einem Thron bleibt und es sich gut gehen lässt, sondern derart engagiert für die Menschen ist, das ist eine Torheit und ein Wunder. Dieses Wunder lässt sich nur im Glauben erfassen und nur im Glauben weiter erzählen. Und wer dieses Wunder für sich annimmt kann entdecken, dass da Großartiges passiert ist, das unser Leben verändert.

Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, können wir durchatmen, können wir unser Leben gestalten aus einem tiefen Vertrauen heraus. Egal was passiert, wir sind nicht allein, wir sind geborgen in Gottes Hand. Er ist für uns da, auch wenn wir den Eindruck haben, dass keiner mehr mit uns ist. Er leitet uns und führt uns. Ihm dürfen wir vertrauen.

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