Gute Vorsätze fürs neue Jahr

Liebe Brüder und Schwestern,
Gnade sei mit Euch und Friede von unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

2012 –
liegt vor uns.

Gehören Sie,
gehörst Du auch zu den Menschen,
die am Beginn eines neuen Jahres gute Vorsätze fassen?

Gute Vorsätze.

Manch einer denkt:
ach das ist alles Quatsch.
Wozu Vorsätze fassen?
Die hält man ja sowieso nicht?

Da mag was dran sein,
vielen guten Vorsätzen für ein neues Jahr ergeht es so.

Der Raucher,
der im neuen Jahr die letzte Zigarettenschachtel aufraucht,
kauft manchmal doch wieder nach ein paar Tagen eine neue.

Zwei Woche wird dem Weihnachtsspeck mit Salat und Joggen zu Leibe gerückt,
doch dann wird wieder in die Süßigkeitenschublade gegriffen.

Die ersten Wochen achtet man noch darauf,
sparsamer zu leben,
doch dann fällt manch einer wieder in alte Gewohnheiten zurück.

Und was das Religiöse betrifft:
da ist es oft ähnlich:

Manch einer nimmt sich vor,
wieder öfter Gottesdienst zu feiern
oder sich auch mal im Gemeindeleben zu engagieren,
doch nach einigen Wochen wird das Ausschlafen am Wochenende doch wieder wichtiger
und der Antrieb,
sich mal im Pfarramt zu melden
und zu fragen,
ob man sich nicht vielleicht irgendwo mit einbringen kann,
lässt nach.

Macht es also keinen Sinn,
gute Vorsätze fürs neue Jahr zu fassen?

Aber was wäre ein Anfang,
wenn man sich nichts vornimmt?
Wenn man sich keine Ziele steckt?
Keine Träume hat?
Sich nicht ausmalt,
wie es sein könnte?

Braucht nicht jeder etwas,
auf das er zusteuert,
das er anstrebt?
Und sei es ein Ideal,
das in weiter Ferne liegt?

Wenn man sich allein etwas vornimmt,
ist es oft nicht einfach,
dem Weg dorthin zu folgen.
Manches geht in der Gemeinschaft besser.

Wenn alle in der Familie beginnen,
auf ihre Ernährung zu achten,
wenn der Partner auch mit dem Rauchen aufhört
oder man zusammen mit anderen zum Sport geht
oder sich zusammen mit Freunden oder Nachbarn sonntags zur Kirche aufmacht,
geht alles leichter.

Gute Vorsätze.

Doch vielleicht sind das gar nicht die Dinge,
die Ihnen, die Euch fürs neue Jahr wichtig sind.

Für alle,
die sich gern ein Ziel für dieses Jahr setzen möchten,
aber nicht wissen welches,
oder die noch Lust haben,
einen weiteren guten Vorsatz zu fassen,
habe ich einen Vorschlag.

Wie wäre es mit diesem:

Ich nehme mir vor,
im neuen Jahr mehr von Gott,
meinem Glauben an ihn
und meinen Erfahrungen mit ihm zu erzählen?

Warum sollte ich mir gerade das vornehmen?
fragt sich jetzt vielleicht der eine oder andere?

Tut es gut,
ein Christ zu sein?
Zu wissen:
Gott liebt mich,
gibt mir Kraft für mein Leben.
Hilft mir,
wenn ich nicht weiter weiß,
wenn ich traurig bin?

Ist es Ihnen oder Dir wichtig,
nach christlichen Werten zu leben,
liebevoll mit anderen und anderem umzugehen?

Ist es wichtig,
zu versuchen,
nicht durchs Leben zu gehen ohne Rücksicht auf Verluste,
sondern zu schlichten,
wo Streit aufkommt
und zu versuchen,
zu vergeben,
wo Unrecht geschieht,
und sich von oben die Kraft schenken zu lassen,
die Hand zur Versöhnung auszustrecken
anstatt nur mit den Schultern zu zucken,
sich umzudrehen und wegzugehen?

Spielt es für Sie, für Dich eine Rolle,
dass das Leben einen Sinn hat,
und dass dieser Sinn über den Tod hinausreicht,
das Leben nicht einfach nur ein Zufall ist
und mit dem Sterben alles aus ist?

Wenn Ihnen,
wenn Dir etwas davon wichtig ist,
eine Rolle spielt,
weil Sie, weil Du erkannt hast,
dass es fürs Leben gut ist,
ein Christ,
ein geliebtes Kind Gottes zu sein,
haben Sie,
hast Du dann nicht auch den Wunsch,
dass es anderen auch so geht?

Dass es anderen auch wichtig wird,
sich auf den Weg des Glaubens zu machen
und sich beschenken zu lassen,
gute und wichtige Erfahrungen zu machen
und eine Hoffnung im Herzen zu tragen,
die über alle Hindernisse und Abgründe,
die sich im Leben auftun,
trägt?

Wenn ja,
dann ist dieser gute Vorsatz fürs neue Jahr vielleicht gar nicht so verkehrt:
mehr von Gott,
meinem Glauben an ihn
und meinen Erfahrungen mit ihm zu erzählen.

Ja, schon,
geht dem einen oder anderen vielleicht durch den Kopf.
Aber wie?
Wie soll ich davon erzählen?

Sind dafür nicht andere besser geeignet?
Wozu haben wir eine Pfarrerin, einen Pfarrer?

Klar,
als ausgebildete Theologen sind wir Fachleute.
Wir reden in der Kirche,
im Gottesdienst,
bei den Konfirmanden,
in den Kreisen,
zu Hause bei kranken oder traurigen Menschen
und bestimmt auch bei manchem Gespräch an der Kasse im Supermarkt
oder am Gartenzaun
über unseren Glauben.

Aber wie viele Menschen erreichen wir schon?

Was ist mit denen,
die der Kirche nicht so nahe stehen?

Was ist mit den Kindern,
die nicht von ihren Eltern in die Gemeinde mitgenommen
oder in den kirchlichen Kindergarten geschickt werden?

Als Pfarrer sind wir mit vielen Menschen zusammen,
aber eben doch nicht mit allen
und auch nicht immer in Alltagssituationen,
dort,
wo der Glaube Farbe bekommt,
sich bewähren kann und soll.

Und selbst,
wenn wir es erreichen würden,
solche kirchenfernen oder -distanzierten Menschen in die Gemeinde einzuladen
und sie tatsächlich kommen würden:
Ein Pfarrer kann nicht in jedem Gottesdienst
und bei jedem Gespräch bei Adam und Eva anfangen.

Da braucht es auch andere,
andere,
die erzählen,
die fragen,
die sich auf den Weg machen,
um mit Menschen nach Gott zu suchen
und ihn zu finden.

Und das Gute ist:
Gott hat jedem in der Taufe versprochen,
bei ihm zu sein,
und ihm gesagt:
auch du kannst anderen davon etwas berichten,
es ihnen vorleben,
was Dir geschenkt ist.

In der Bibel heißt es:
wir sind alle Priester.

Leuchtet ein,
denkt sich der eine oder andere.

Alles schön und gut,
aber ich fühle mich gar nicht so redegewandt,
als dass ich es mir zutrauen würde,
mehr von Gott,
meinem Glauben an ihn
und meinen Erfahrungen mit ihm zu erzählen.

Wem es so geht,
den lege ich ans Herz,
wie es Paulus gegangen ist.

In seinem ersten Brief an die Menschen in Korinth,
im 2. Kapitel,
schreibt er Folgendes.

Ich lese aus der Neuen Genfer Übersetzung:

An diesen Grundsatz habe auch ich mich gehalten.
Als ich zu euch kam, Geschwister,
um euch das Geheimnis zu verkünden,
das Gott uns enthüllt hat,
versuchte ich nicht,
euch mit geschliffener Rhetorik
und scharfsinnigen Argumenten zu beeindrucken.

Nein,
ich hatte mir vorgenommen,
eure Aufmerksamkeit einzig und allein auf Jesus Christus zu lenken –
auf Jesus Christus, den Gekreuzigten.

Außerdem fühlte ich mich schwach;
ich war ängstlich
und sehr unsicher,
als ich zu euch sprach.

Was meine Verkündigung kennzeichnete,
waren nicht Überredungskunst und kluge Worte;
es war das machtvolle Wirken von Gottes Geist.

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen,
sondern auf Gottes Kraft.

Und doch ist unsere Botschaft eine Botschaft voller Weisheit.
Verstanden wird diese Weisheit allerdings nur von denen,
die der Glaube an Christus zu geistlich reifen Menschen gemacht hat.

Denn sie hat nichts zu tun mit der Weisheit dieser Welt
und mit der Klugheit ihrer Herrscher,
deren Macht schon bald vergeht.

Nein,
was wir verkünden,
ist Gottes Weisheit.

Wir verkünden ein Geheimnis:
den Plan,
den Gott schon vor der Erschaffung der Welt gefasst hat
und nach dem er uns Anteil an seiner Herrlichkeit geben will.

Dieser Plan ist bisher verborgen gewesen.

Keiner von den Machthabern dieser Welt hat etwas von dem Plan gewusst;
keiner von ihnen hat Gottes Weisheit erkannt.
Sonst hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht kreuzigen lassen.

Es heißt ja in der Schrift:
»Kein Auge hat je gesehen,
kein Ohr hat je gehört,
und kein Mensch konnte sich jemals auch nur vorstellen,
was Gott für die bereithält,
die ihn lieben.«

Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch seinen Geist enthüllt –
durch den Geist,
der alles erforscht,
auch die verborgensten Gedanken Gottes.

Auch Paulus war,
wenn er zu Menschen gesprochen hat,
nicht der Redegewandteste.

Auch er fühlte sich,
wenn er anderen von Gott,
seinem Glauben an ihn
und seinen Erfahrungen mit ihm erzählte,
ängstlich und unsicher,
fühlte sich schwach.

Und doch redete er,
legte Zeugnis ab,
wie es in der Kirchensprache heißt.

Wie er das konnte?

Er konnte es,
weil der Heilige Geist ihm dabei half.

Der Heilige Geist ließ ihn das große Geheimnis Gott verstehen.

Der Heilige Geist gab ihm die Kraft,
davon zu reden.

Und wir?
Uns ist der Heilige Geist auch geschenkt worden,
in unserer Taufe schon.

Und Jesus hat uns versprochen,
dass der Heilige Geist bei uns sein wird,
wo auch immer wir es wagen,
von Gott,
unserem Glauben an ihn
und unseren Erfahrungen mit ihm zu erzählen.

Mag der Bote auch noch so unsicher sein,
mögen ihm auch vielleicht nicht die rhetorisch raffiniertesten Kniffe einfallen,
die Botschaft setzt sich durch,
kommt bei den Menschen an,
dank des Heiligen Geistes.

Doch es braucht Boten,
Menschen,
die den guten Vorsatz fassen,
von Gott,
ihrem Glauben an ihn
und ihren Erfahrungen mit ihm zu erzählen.

Vielleicht ist es einer von Euch, von Ihnen,
die sich trauen,
diesem guten Vorsatz im neuen Jahr zu folgen.

Gottes Heiliger Geist gebe sein Kraft dazu.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

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