Einfach wieder Kind sein

Liebe Gemeinde!


Weihnachten ist die Geschichte von der Geburt eines Kindes. Natürlich eines besonderen Kindes: Wir feiern die Geburt des Gottes Sohnes Jesus Christus. Gottes Sohn kommt genauso auf die Welt wie jeder Mensch. Er fängt klein und hilflos an, angewiesen auf seine Eltern Maria und Josef. Gottes Sohn hat gelebt wie wir, hat erlebt wie Eltern fürsorglich und verantwortungsvoll sind, aber auch wie sie Fehler machen, ihr Kind falsch einschätzen oder völlig missverstehen. Wie sie seine Entscheidungen nicht nachvollziehen können und ganz andere Pläne für sein Leben haben. Er musste seinen eigenen Wege gehen, sich von den Eltern lösen um dann nach Gottes willen zu leben. Und doch wissen wir bis heute wer seine Eltern waren.

Kinder bleiben Kinder und Eltern bleiben Eltern, egal was geschieht.

Bei vielen steigen an Weihnachten Kindheitserinnerungen auf: das Elternhaus, die Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten; das Plätzchen backen, vielleicht erinnert man sich an bestimmte familiäre Sitten; wann wer besucht wurde, was das übliche Weihnachtsessen war, an die Räume die dazugehörten und wo der Weihnachtsbaum stand. Gehörte der Kirchgang dazu?

Ich weiß noch wie das Wohnzimmer meiner Oma aussah, wenn sich dort zum Kaffe getroffen wurde. Und ihre Plätzchen schmecken immer ganz anders als die von meiner Mutter.

Jede Familie hat ihre eigene Art Weihnachten zu feiern. Die einen erinnern sich gern, die anderen haben sich vielleicht auch nicht wohl gefühlt.

Aber erinnern sie sich noch an die Geschenke von damals? Also ehrlich gesagt fällt mir dazu fast nichts mehr ein. Aber die Menschen, die Räume und die Stimmung, das ist mir viel gegenwärtiger.

Vielleicht liegt es daran, dass Geschenke so die Eigenart haben schnell uninteressant zu werden. Zumindest bei meiner Generation trifft das schon zu. Sehnlichst gewünscht, toll beim auspacken und eine Weile spannend, aber dann irgendwann: unwichtig. Aber die Menschen, die Beziehungen und Gefühle, die bleiben und prägen. Weihnachten wird eben doch nicht unter dem Baum mit den Geschenken entschieden, wie die Werbung eines Elektronikfachmarktes behauptet hat. Jedenfalls nicht durch den Inhalt der Päckchen, sondern viel mehr durch diejenigen Menschen, die die Päckchen gepackt haben und die nun da sind und sich kümmern oder interessieren.

Und man kann machen, was man will, man bleibt immer Kind – Kind seiner Eltern so lange diese leben. Auch dann wenn man selbst schon längst erwachsen ist und eigene Kinder hat.

Genauso bleibt man auch Kind Gottes, von der Taufe an – ein Leben lang und sogar darüber hinaus. Obwohl längst erwachsen, bleiben wir auf ihn und seine Unterstützung angewiesen.

Und wie Kinder sehen wir das manchmal nicht ein, wollen alles allein schaffen und meinen keine Hilfe zu brauchen. Oft nehmen wir auch alles, was er schenkt und halten es für selbstverständlich: Leben, Gesundheit, Hab und Gut, Sicherheit und Frieden. Aber spätestens wenn es schwer wird im Leben, es uns schlecht geht – dann ist die Frage da: Wo ist Gott warum lässt er zu, dass mir das passiert.

Gott lässt sich das alles gefallen, wie ein guter geduldiger Vater. Er glaubt daran, dass aus uns doch noch etwas Rechtes wird. Er traut uns mehr zu als wir das oft selbst tun. Aber er steht nie da mit erhobenem Zeigefinger und kommentiert: Das habe ich doch gleich gewusst, das nichts wird.

Sondern er ist derjenige, die die Kraft gibt wieder von vorn anzufangen, nach einer Niederlage sich wieder aufzuraffen, nach einem Verlust weiterleben zu können. Er ist derjenige, der zu uns hält wenn alle uns im Stich lassen und der selbst dann noch bleibt, wenn wir ihn gar nicht sehen wollen.

Und er geht sogar noch weiter: Er ist nicht nachtragend oder beleidigt. Er hält uns die alten Geschichten nicht ewig vor! Im Gegenteil: Bei ihm dürfen wir ganz neu anfangen, wenn wir das wollen. Jesus wird von seinen Jüngern einmal gefragt: Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, 7x? Jesus antwortet: 70x 7x

Das hat es in sich! Vergeben ist gar nicht so leicht und aufeinander zu gehen auch nicht. Und dann 7x 70 x! Und warum? Weil Gott das für jeden von uns auch zu tun bereit ist! Es geht nicht immer nur die Vergebung Gottes anzunehmen und selbst hart zu bleiben: Vergebt wie euch vergeben ist! Und vergib uns unsere Schuld , beten wir und fügen hinzu: wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Da steckt es schon drin: Gottes Kinder können anders sein. Gottes Kinder können auch mal über den eigenen Schatten springen. Nicht weil Gott es befiehlt, sondern einfach aus der Dankbarkeit dafür, selbst so gnädig behandelt zu werden. Aus der Erfahrung heraus, dass es diese Möglichkeit gibt: Neu anfangen, hinter sich lassen, was war und neu anfangen. Wer einmal gemerkt hat: Ich bin auch nicht perfekt, ich mache Fehler, verletze andere und trotzdem gehöre ich weiter dazu, werde angenommen trotz meiner Fehler und darf es neu versuchen, auch wenn ich nicht perfekt bin. Wer das erlebt hat und zugibt kann auch mit anderen gnädiger umgehen.

Ob wir unsere Mitmenschen auch mit den Augen Gottes sehen können?

Jesus kam auf die Welt um Versöhnung und Vergebung zu bringen: die Bibel nennt das Heil und Erlösung. Frieden auf Erden kann es nur werden, wenn wir Menschen uns auf den Weg Gottes einlassen. ER gibt klare Regeln, aber er kann auch damit umgehen, dass wir es nicht schaffen ganz danach zu leben.

Trotzdem bleiben wir seine geliebten Kinder. Komme, was da wolle. Vielleicht sind oft einfach zu erwachsen zu wenig Kind. Vielleicht sollten wir einfach Gottes Hand ergreifen und uns auch mal von ihm führen lassen. Auch mal darauf vertrauen, dass er weiß, was gut für uns ist. Das heißt ja nicht, dass man nicht mehr selbst denkt oder keine eigene Meinung mehr haben dürfte. Aber wie ein Kind geborgen, sicher und frei sein – das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk – so wieder Kind sein zu dürfen. Gott bietet uns das an. Darum ist Jesus Christus als Mensch unter Menschen geboren. Darum ist er selbst Kind geworden um uns dieses Geschenk zu bringen. Wir müssen es nur noch annehmen und auspacken. Und dann einfach wieder Kind sein!

Amen.

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