Respekt vor Gott

Predigt von Pfarrerin Elke Burkholz, Messel
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
liebe Gemeinde,
ich hoffe sie haben die ersten Weihnachtsfeiertage gut überstanden. Heute am zweiten Feiertag ist der Lärm verebbt. Die Musik bringt uns zum träumen. Und wir können dem Geheimnis von Weihnachten in Ruhe nachspüren. Den heutigen Predigttext kann man als eine Auslegung des Lieds der Engel über den Felder von Bethlehem verstehen. Die Engel haben gesungen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Ich lese
Offb 7,9-12.(13-17)
9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen,
10 und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!
11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an
12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen?
14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind’s, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht bim Blut des Lammes.
15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen.
16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze;
17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Diese Vision des Sehers Johannes ist die Hoffnung eines Verfolgten. Johannes sitzt auf Patmos, der Gefängnisinsel für Schwerverbrecher im Mittelmeer. Die Insel ist baumlos und die heiße Sonne scheint gnadenlos auf die Gefangenen herab. Es gibt nicht genug Wasser und auch nicht genug zu essen. Und die Gefangenen sehnen sich nach zu Hause. Das Gegenbild dazu malt Johannes in den letzten beiden Versen des Predigttextes:
16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze;
17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Diese Vision ist aber nicht nur die Hoffnung eines Gefangenen. Sie ist die Hoffnung der ganzen verfolgten Kirche geworden: Die Menschen in der Kirche leiden nicht nur unter großer Trübsal wie Luther übersetzt. Sie sind ständig in der Gefahr verhaftet zu werden, weil sie sich geweigert haben am Kaiserkult teilzunehmen. Und wenn sie verhaftet werden, dann werden sie im Zirkus den Löwen vorgeworfen. Sie sterben einen grausamen Tod in der Öffentlichkeit. Die Christinnen und Christen, die sich haben von der Offenbarung des Johannes trösten lassen, leben nicht nur in ständiger Todesangst. Sie leiden auch darunter, dass das, was ihnen wichtig ist, öffentlich verhöhnt und verunglimpft wird. Sie werden verspottet, weil der an den sie glauben, am Kreuz und damit in Schande gestorben ist. Dabei werden nicht nur sie lächerlich gemacht sondern auch der Gott, an den sie glauben und dem sie bis zum Tod vertrauen. Das ist eine harte Herausforderung. Und sie brauchen dringend Trost.
Den Trost finden sie in der Vision des Johannes: Himmlischer Thronsaal, Menschen aus allen Nationen und hier wird den Verfolgten die Ehre zu Teil, die sie verdienen. Und nicht nur sie werden geehrt, sondern vor allem wird endlich Gott und Jesus Christus geehrt. Hier endlich ist die Welt in Ordnung, denn hier werfen sich alle vor Gott nieder und beten ihn an. Jetzt endlich bekommt Gott die Ehre, die ihm gebührt. In dieser Szene im himmlischen Thronsaal ist undenkbar, was ihnen hier auf der Erde ständig passiert, nämlich, dass ihr Glaube verspottet wird und die Leute über ihren Gott lachen.
Liebe Gemeinde,
zum Glück leben wir in einer Weltgegend, wo Christen nicht verfolgt in und Lager gesperrt werden, weil sie sich illegal zum Gottesdienst versammeln, wie das in China schon mal passieren kann. Zum Glück leben wir nicht in einer Weltgegend wo Christinnen und Christen ihre Häuser angezündet bekommen oder sie verhaftet werden, weil ein Nachbar ihnen vorwirft, den Profeten Mohammed beleidigt zu haben, wie es in Pakistan schon mal vorkommt. Nach wie vor sind Christinnen und Christen diejenigen, die von allen Anhängern verschiedener Weltreligionen am häufigsten von Verfolgungen betroffen sind. Wir haben Glück, dass wir hier in Europa leben.
Aber so ganz zufrieden können wir auch hier nicht mit dem Respekt sein, der dem Gott, an den wir glauben, entgegengebracht wird. Ich wünsche mir mehr Respekt für den christlichen Glauben in den Medien. Und ich wünsche mir auch mehr Verehrung für Jesus Christus. Ich finde man sieht das ganz gut am Vergleich mit dem Islam. Zeitungen und Fernsehen trauen sich nämlich nicht Mohammed durch den Kakao zu ziehen. Da müssen sie nämlich Proteste und Anschläge befürchten. Das ist natürlich nicht in Ordnung. Aber wenn die Medien respektlos mit Jesus Christus umgehen müssen sie gar nichts befürchten noch nicht einmal einen öffentlichen Protest der Katholischen oder Evangelischen Kirche. Wir haben uns inzwischen an eine Menge gewöhnt. Wir finden es nicht mehr ungewöhnlich, wenn Jesus Christus karikiert und Gott öffentlich lächerlich gemacht wird. Und das geht bis tief in die christlichen Kirchen hinein. Zum Beispiel müssen 14jährige Jungs offensichtlich ausprobieren wie weit sie gehen können in ihrer Respektlosigkeit gegenüber Gott. Ich kann das ja verstehen, dass sie ihre Grenzen austesten wollen. Das ist altersangemessen. Aber es ist anstrengend und sie erlauben sich das nur, weil sie dafür Zustimmung unter Gleichaltrigen erwarten. Auch da gilt muslimische Junge Männer würden sich so etwas nie erlauben.
Insofern kann ich den Seher Johannes gut verstehen. Und ich teile seine Sehnsucht, dass Gott endlich so geehrt wird wie er es verdient. Ich sehne mich danach, dass endlich wieder etwas heilig ist in dieser Spott und Comedy und Antirespektgesellschaft. Es ist nämlich wirklich sehr schwer, sein eigenes Herz auf Gott auszurichten, wenn in der Umgebung, das an was ich glaube, und worauf ich vertraue verspottet wird. Ja ich wünsche mir mit dem Seher Johannes: Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Ja, das wünsche ich mir für unsere Gesellschaft. Aber ich wünsche es mir vor allem für mich selbst. Ich wünsche mir in einem solchen Vertrauen leben zu dürfen. Ich wünsche mir vor allem dieses Bild des Johannes als innere Wirklichkeit.
Jetzt können Sie sagen: Wünsche sind ja etwas Schönes. Aber die Wirklichkeit sieht halt anders aus. Ja unsere gesellschaftliche Wirklichkeit sieht anders aus. Aber nicht die Wirklichkeit insgesamt. Die Wirklichkeit hinter unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit sieht immer noch so aus, wie der Seher Johannes sie gesehen hat. Und wir können uns für diese Wirklichkeit öffnen und unsere innere Wirklichkeit so umgestalten lassen, wie es der Seher Johannes gesehen hat. In unserem Predigttext heißt das: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Das Lamm ist ein Bild für Jesus Christus. Und dieses Heil kann in uns wirksam sein, wenn wir uns mit dem verbinden, der unbegrenzten Respekt verdient. Wir können uns all dem Spott entziehen, wenn wir daran festhalten Gott die Ehre zu geben. Denn das allein wird unsere Zukunft retten. Und dann wird unsere Zukunft so aussehen wie es in dem Predigttext heißt: 15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen.
16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze;
17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.
Diese Hoffnung lohnt sich, auch wenn die anderen lachen. Und der Friede Gottes …

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