Maria und Joseph

Lukas 2 Jesu Geburt
Liebe Gemeinde,
heute am Heiligabend feiern wir das Geheimnis. Die Geburt Jesu. Gott ist Mensch geworden. Wir werden die Bedeutung dieses Geheimnis nie wirklich begreifen. Wir haben die Weihnachtsgeschichte schon viele Male gehört. Vielleicht können einige von Ihnen sie sogar auswendig. Aber sie verstehen? Das wird uns nie vollständig gelingen. Meine Töchter und ich werden heute versuchen in dieser großen Geschichte zwischen den Zeilen zu lesen. Wir tun damit etwas was nun seit zwei Jahrtausenden immer wieder getan wurde und was zu immer wieder neuen Ergebnissen und neuen Erkenntnissen geführt hat. Natürlich kann man zwischen den Zeilen noch viel mehr finden als wir heute Abend gefunden haben. Wir werden versuchen Sie in die Geschichte mitzunehmen und überlegen, was die beteiligten Personen der Weihnachtsgeschichte gedacht und gefühlt haben könnten.

Rahel: Ein Stern ist aufgegangen. Er sieht das Geschehen von oben. Er behält den Überblick. Ich spreche für den Stern:
Was für eine Zeit ist das. Der Kaiser befiehlt und die Menschen müssen gehorchen. Der Kaiser ordnet eine Volkszählung an. Der Kaiser will Steuern erheben. Er will Krieg führen. Die Macht Roms soll wachsen. Und was das für die Menschen bedeutet das ist ihm egal.
Joseph muss nach Bethlehem. Und seine hochschwangere Verlobte Maria muss mit. Was für eine Welt ist das? Voller Unrecht und Unterdrückung.

Rebekka: Ich spreche heute Abend für Joseph:
Ich muss nach Bethlehem. Schlimmer konnte es nicht kommen. Unmengen Leute strömen da hin. Jede fünfte Familie behauptet von sich von König David abzustammen. Aber bei mir stimmt es. Bethlehem ist nicht groß. Da geht das halbe Land in diesen Tagen hin. Bethlehem liegt im Süden, von Nazareth aus sind das gut 200 Kilometer. Ob ich einfach hier bleibe? Nein, ich bin stolz auf meine königliche Herkunft. Und wenn mich die Steuereintreiber erwischen sind meine Zeiten als freier Mann vorbei. Ich werde gehen.

Elke: Ich spreche heute für Maria:
Joseph will gehen. Ich fürchte mich vor dem weiten Weg. Was wenn das Kind unterwegs kommt. Es ist mein erstes Kind. Ich habe keine Ahnung, ob Geburten bei mir leicht oder schwer sind. Meine Mutter wird nicht dabei sein und auch nicht die Hebamme aus der Nachbarschaft. Aber vielleicht ist es besser, wenn ich das Kind nicht hier in Nazareth bekomme, dann erspare ich mir das Getuschel der Nachbarinnen. Und wenn ich es nicht überlebe? Nein, daran will ich nicht denken. Der Engel hat gesagt: Dieses Kind wird der Retter der Welt. Gott wird die Welt nicht ohne Rettung lassen. Und das Kind nicht ohne Mutter. Ich werde Vertrauen haben.

Rahel: Da unten gehen sie, Maria und Joseph. Sie sehen ziemlich müde und erschöpft aus. Ein glückliches Paar, das gerade ihr erstes Kind erwartet stelle ich mir anders vor. Was denkt sich Gott eigentlich dabei, dieses wichtige Kind schon vor seiner Geburt solcher Gefahr auszusetzen? Maria hat sich bereit erklärt dieses Kind zu gebären. Joseph hat sich bereit erklärt dieses Kind als sein eigenes aufzuziehen. Und dann müssen die beiden solche schreckliche Unsicherheit erleiden. Ich verstehe das nicht!

Rebekka: Maria sieht völlig fertig aus. Jetzt krümmt sie sich wieder so zusammen. Ob das schon die ersten Wehen sind? Da vorne liegt Bethlehem. Wir brauchen dringend eine Unterkunft. Und wenn sie jetzt das Kind bekommt? Ich kenne hier niemanden. Ich war noch nie bei einer Geburt dabei. Wie soll ich ihr helfen? Hilfe. Und wenn irgendetwas schief geht und sie stirbt? Nein, Gott wird doch nicht den Retter der Welt bei der Geburt sterben lassen und seine Mutter dazu. Nein, das wird nicht geschehen. Oder vielleicht hat sie mich doch betrogen. Vielleicht ist das Kind ja gar nicht von Gott, sondern von ihrem Nachbarn. Nein, das reicht jetzt. Mit diesen Gedanken habe ich mich lange genug herum gequält. Wir brauchen eine Unterkunft und zwar schnell.

Elke: Es tut so weh. Ich habe was falsches gegessen. Jetzt auch das noch. Ich muss mich ausruhen, dann wird es sicher bald besser. Joseph guckt schon so unsicher rüber. Er macht sich Sorgen, das sehe ich. Da vorne ist Bethlehem. Gleich haben wir es geschafft.

Rahel: Sie finden keinen Platz in der Herberge. Na, toll. Die Wehen haben jetzt eingesetzt. Das wird alles ganz furchtbar schief gehen. Doch da, jemand bietet ihnen einen Platz in einem Stall an. Gut, wenigstens ein Dach über dem Kopf. Vielleicht geht doch noch alles gut.

Rebekka: Gut, endlich kann Maria sich hinlegen. Die Wehen kommen schon alle 5 Minuten. Das kann nicht mehr lange dauern. Jetzt noch eine Hebamme suchen ist zu spät. Wir werden das gemeinsam durchstehen müssen. Was ist das für Blut, das ihr das Bein runter läuft. Jetzt wird es ernst.

Elke: Das Kind kommt, oh nein! Bitte Gott, es ist dein Kind, steh mir bei. Wenn ich gewusst hätte, wie das ist, hätte ich mich keinen Zentimeter vom Haus meines Vaters wegbewegt. Zu Hause, da wäre meine Mutter, und hätte gewusst, was zu tun ist. Was hat sie gesagt: Ruhig atmen und jetzt pressen.

Stern: Es geht tatsächlich gut. Das Kind ist da. Joseph hat die Nabelschnur durchgeschnitten. Die Nachgeburt ist gekommen. Maria hat das Kind mit Stroh abgerieben und in die Futterkrippe gelegt. Sie schläft jetzt. Jetzt sieht sie glücklich aus.

Rebekka: Ich kann mich an dem Kleinen gar nicht satt sehen. Wir haben ein Baby. Ich bin Vater. Na ja. Ja, Maria und ich, wir haben ein Kind. Es ist ein Junge wie der Engel gesagt hat. Eins schwör ich dir Kind, du wirst es gut bei mir haben. Ich werde auf dich aufpassen wie ich noch nie auf jemanden aufgepasst habe. Ich werde der beste Vater der Welt sein. Die Hoffnung der Welt ruht auf dir. Und ich weiß, du wirst sie nicht enttäuschen. Und ich darf die ersten Jahre deines Lebens für dich sorgen. Ich bin so stolz. Noch nie war ich glücklicher. Maria schläft. Sie ist so schön, meine Maria.

Elke: Ich habe ein Baby. Ich habe es geschafft. Danke Gott, danke, danke. Du hast uns beschützt. Du wirst uns weiterhin beschützen. Der Retter der Welt ist da, und ich habe ihn geboren. Es wird gut, es wird alles gut werden.

Rahel: Da drüben die Hirten auf dem Feld sind ganz erschrocken. Überall Engel und Gesang. Die sind ganz schön durcheinander. Jetzt haben sie es verstanden. Sie gehen zum Stall. Sie knien nieder. Sie beten das Kind an. Maria und Joseph sitzen ganz ruhig daneben. Was für eine Nacht.

Rebekka: Fürchtet euch nicht! Und Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Das sollen die Engel gesungen haben, haben die Hirten gesagt. Gott, dieses Kind ist ein Wunder. Jedes Kind ist ein Wunder. Jedes Kind bringt neue Hoffnung in die Welt. Aber Engelchöre sind schon etwas Besonderes. Aber Frieden auf Erden. Kann ich mir das wirklich vorstellen? Frieden wie die Profeten es vorhergesagt haben: Jeder wird unter seinem Feigenbaum und Weinstock sitzen und genug zu essen haben. Alle werden genug Land haben, das sie ernährt. Keine Besatzer mehr im Land. Und kein Getuschel mehr hinter meinem Rücken und Geschwätz von den Nachbarn. Frieden, Gerechtigkeit, so ein Leben kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber schön wäre es schon. Kind, du wirst eine schwere Aufgabe vor dir haben.

Elke: Wieder Engel, helles Licht, Gesang: Fürchtet euch nicht. Nein, ich will mich nicht mehr fürchten. Wie soll ich mit diesem besonderen Kind nur umgehen? Ich will mich nie mehr fürchten auch nicht vor der Aufgabe, die vor mir liegt. Es ist Gottes Kind. Gott wird dafür sorgen, dass es so aufwächst wie es richtig ist. Ich werde es nicht vollständig beschützen können. Aber ich freue mich, dass ich ja gesagt habe. Ja, ich bin glücklich, und ich fürchte mich nicht. Gott hat auf uns gesehen, nein was auch kommt ich will mich nicht mehr fürchten.

Rahel: Frieden auf Erden, niemand soll sich mehr fürchten. Und dafür soll so ein armes kleines Kind sorgen. Gottes Wege sind schon sonderbar. Aber Gottes Wege sind auch voller Liebe. Gott hilft den Menschen zum Frieden, nicht mit Macht und Gewalt, sondern indem er klein und unscheinbar und verletztlich in die Welt kommt. Und jeder kann selbst entscheiden ob er dabei mitmachen will, die Welt ein bißchen friedlicher zu gestalten. Ich glaube Gott denkt ganz groß von den Menschen. Er traut ihnen etwas zu.

Kopftuch ablegen.

Elke: Liebe Gemeinde,
wir sind ein Stück Weg mit Maria und Joseph gegangen. Am Schluss steht: Und Maria bewegte alles, was sie gehört hat, in ihrem Herzen. Machen wir mit? Frieden auf Erden und niemand soll sich mehr fürchten müssen. Ab und zu? Immer öfter?
Und der Friede …

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