Gott macht den Frieden und schenkt uns seine Liebe

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist Weihnachten – das Fest der Liebe, Geschenke, Harmonie, Freude und des Friedens, das Fest der Geburt Christi. Wir haben unseren Liebsten, Freunden und Freundinnen, vielleicht auch Fernstehenden und Bedürftigen Geschenke gemacht – aus vollem Herzen, in Liebe und Zuneigung, aus Mitleiden und sozialem Engagement.
Gleichzeitig ist auch der Heiligabend wenig anders als andere Abende: es gibt Streit, Ärger, Neid, der Alkohol fließt reichlich, das Fernsehen macht Gespräche unmöglich usw.
Und über den Familienhorizont hinaus: Krieg und Gewalt in der Welt, Flüchtlingselend und Katastrophen gehen weiter oder die Sorge um die Weltwirtschaft, Euro-Krise – als ob nichts gewesen wäre!

So zwiespältig und ambivalent ist unser Leben! So zwiespältig sind wir auch. Wir sind Töchter und Söhne Gottes, Gottes Kinder, bleiben in Gott und leben im Licht – und wir werden es erst, fallen immer wieder aus der Liebe heraus, sind lieblose, aber auch unversöhnliche und sündige, fehlerhafte Menschen.
Beides stimmt. Beides beschreibt unser menschliches Wesen.

Umso drängender stellt sich die Frage:
Kann uns etwas aus dem Zirkel der Zwiespältigkeit – wenigstens für kurze Zeit – befreien?
Zweierlei erscheint hilfreich:
Sich wirklich im Leben erfahrener Liebe zu erinnern – Geschichten aus der Kindheit und aus dem Leben als Erwachsener lassen sich hier leicht erzählen – und sich bewusst zu machen, wie bereichernd und lebensverändernd es ist, selber Liebe zu schenken, für Güte und Gerechtigkeit einzutreten.
Beides ist Zeichen und Ausdruck der Liebe Gottes, die größer ist als unser Herz, die uns trägt und am Leben erhält.
Auch dies lässt sich im Grunde nur erzählen.

Und wenn wir dem Wunder von Weihnachten innerlich folgen, wenn wir glauben und fühlen, dass Gott sich uns Menschen in Jesus Christus geschenkt hat, dann kann die Liebe Gottes zu uns kommen, dann begreifen wir vielleicht, was es bedeuten kann, Gottes Kinder zu werden und seine Liebe zu empfangen.
Und so ist und bleibt die Botschaft von Weihnachten, das Evangelium der Liebe und Gnade Gottes für uns Menschen:
Gott wird Mensch, um uns Menschen aus unserer Verfangenheit und Sünde zu erlösen.
Das Kind in der Krippe nimmt später als Erwachsener Kreuz, Leid und Tod auf sich, um uns zu erlösen.

Nochmals die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft des Evangelisten Lukas, die Verheißung der Propheten und die gesamte Botschaft des Neuen Testamentes lauten:

Frieden und Liebe sind leb- und machbar, denn Gott macht den Frieden und schenkt uns Liebe. Nicht in unserem beschränkten und nach Nützlichkeit ausgerichteten Sinn und auch nicht mit unserem Machbarkeitswahn und Machtwahn, sondern als eine Gabe, als ein Geschenk Gottes.

Gott schenkt uns seinen göttlichen Frieden. Ein Frieden im allumfassenden Sinn, Schalom im Hebräischen genannt, ein Frieden und heilvolles Verhältnis Gottes mit den MENSCHEN, der Mitmenschen untereinander und mit der ganzen Schöpfung.
In Jesus Christus ist dieser Friede erschienen. Jesus Christus ist die Erfüllung des Friedens und der göttlichen Liebe. Und Gottes Friede kommt in ganz anderer Gestalt -paradox für unseren Verstand, aber im und durch den Glauben zur tiefen inneren Wahrheit werdend- in einem anderen Gewand als unsere auf irdische Macht und Herrschaft ausgerichteten Allmachtsphantasien.
Gottes Liebe gilt für jeden von uns. Und so wie wir Menschen Liebe untereinander geben und füreinander empfinden, auch Liebe empfangen, so ist die Liebe Gottes in Jesus Christus unter uns.
Diese Gnade und Liebe Gottes sind aber nicht nur im luftleeren Raum verkündigt und als fromme Wünsche an ein paar Gläubige verheißen, sondern als Auftrag an uns weitergegeben, so wie die Hirten auf dem Felde von der heilsgeschichtlichen Tat Gottes für die Menschen weitererzählten.
In der lukanischen Weihnachtsgeschichte steht geschrieben:
"Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens !"
Und im Predigttext für heute heißt es:
Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Diese Bibelverse aus der Weihnachtsgeschichte und aus dem 1. Johannesbrief geben uns die Verheißung Gottes mit auf den Weg, dass Gott uns in dieser Zeit – und nicht nur in dieser Zeit Frieden und Heil verkündet- und er verheißt uns die Möglichkeit, Frieden, Liebe und Freude in unserem bescheiden Rahmen unter den Bedingungen der Nächstenliebe zu erfüllen.
Frieden, Liebe und harmonisches Miteinander kommen nicht von ungefähr. Ich muss mich darauf einlassen und die richtige Einstellung dazu haben. Mir muss es auch nicht immer gelingen, denn dafür bin ich zu sehr Mensch und in mir steckt die Anlage zu Unzufriedenheit, Streit und Konflikten. Die Bibel nennt das Sünde. Die Sünde steckt in mir.
Paulus schreibt dazu (Römer 7,19):
"Das Gute, das ich tun will, tue ich nicht und das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich!
Wir kennen beides:
die beste Absicht kann sich ins Gegenteil verkehren und das Schlechte und Böse beherrscht einen häufig, so dass kein Gutes daraus wird.
In diesen Momenten gibt es mehrere Möglichkeiten.
Ich kann zum Zyniker, der über alles und jeden seinen bitteren Spott ablässt oder zum bösen Menschen werden oder kann in mich gehen und meinen Nächsten, den ich liebe um Verzeihung bitten, ihm sogar vergeben, denn Gott hat mir in meinem Glauben an Jesus Christus seine Gnade und Vergebung zu gesprochen. Liebe und Vergebung ist die Antwort Gottes auf meine menschliche Schuld.
Und das ist es, was Gott uns in dieser Zeit verkündet.
Er verkündet uns die Gotteskindschaft und seine Liebe zu seinen Kindern, er verheißt uns ihn eines Tages von Angesicht zu Angesicht zu sehen.
Er verheißt uns, unsere Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit zu stillen. Er schenkt uns die Gotteskindschaft, indem er uns liebt wie ein Vater seine Kinder.
Er verkündet uns in und durch seinen Sohn Jesus Christus, dass wir nicht alleine sind, auch wenn wir einsam sind.
Er verkündet in dieser Zeit, dass wir keine Angst haben müssen, auch wenn uns die Sorgen drücken, weil er nicht nach menschlichen Maßstäben rechnet.
Seine frohe und befreiende Botschaft ist: habt keine Angst, sondern freut euch, denn ich bin bei euch in guten und in schlechten Tagen.
Und im Glauben wird diese Liebe offenbar. Im Glauben zeigt sie sich. Im Glauben wird die göttliche Liebe ganz handgreif-lach und konkret.

Und wie erfahrene Liebe Menschen verändert, davon können wir doch alle unsere kleinen Geschichten erzählen:
aus dem Leben der Familie oder in der Ehe oder auch durch die Freundschaft am Arbeitsplatz oder durch die Hilfe in der Not oder das richtige Wort zu richtigen Zeit.
Viel Liebe können wir Menschen im Laufe eines Lebens erfahren und aus Gutem wird auch wieder häufig Gutes, so wie gute Bäume gute Früchte hervorbringen. Liebe bringt wieder neue Liebe hervor. Das ist fast schon eine Tatsache. Und auch die Sehnsucht nach erfüllter Liebe, die scheinbar an uns vorübergeht wird durch Gott gestillt. Nicht in unserem weltlichen Sinne, aber mit Gottes Gnade und Liebe.
Gott kennt jeden von uns wie sein eigenes Kind und so wie Kinder die Fürsorge und Liebe der Eltern benötigen, so schenkt Gott uns auch diese Fürsorge. Die Freiheit der Kinder besteht darin manchmal zu glauben, sie bräuchten ihre Eltern nicht mehr. Und manchmal einen Irrweg oder Holzweg einzuschlagen. Aber dennoch können Kinder zu ihren Eltern zurückkehren und werden trotz manches Irrwegs wieder aufgenommen. Kinder bleiben immer die Kinder ihrer Eltern. Sie werden geliebt.
Um wie viel mehr muss und größer man sich Gottes Liebe vorstellen, und erst seine Gnade.
Das meint alles: Gotteskindschaft. Und Gottes Kinder werden dereinst Gott schauen von Angesicht zu Angesicht. Das ist unsere Verheißung.

Liebe Schwestern und Brüder von dieser frohen Botschaft und Liebe, die ausgegangen ist vor ca. 2000 Jahren und die jedes Jahr Milliarden Menschen immer wieder auf der ganzen Welt ergreift, wollen wir uns anstecken lassen und sie weiter verkünden, denn diese Botschaft tut uns gut. Sie ist ein großer Beitrag zum inneren und äußerem Frieden, denn die Liebe Gottes ist in Jesus Christus erschienen.

Ich wünsche Ihnen allen fröhliche und gesegnete Weihnachten.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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