Keine Privatveranstaltung

Ich vermute gerade in dieser vorweihnachtlichen Zeit geht Ihnen öfter mal was daneben im Leben. Man will nur eben schnell die Teller in den Schrank stellen und schon fällt einer hin. Man will Plätzchen backen und wenn sie im Ofen sind, eben schnell noch saugen …… bis die Plätzchen schwarz sind.

Das ist übrigens ein running gag in der TV-Serie Lindenstraße. Jedes Jahr im Advent verbrennen Mutter Beimers Plätzchen im Ofen, weil gerade etwas wesentliches sie ablenkt. Scheint also öfter zu passieren. Ist normal.

Und ich muss gestehen: Das passiert mir öfter im leben, wenn ich angespannt bin. Dann will ich zu viele Schritte auf einmal machen und dann geht etwas kaputt. Das ist nicht schlimm, wenn es sich um Sachen handelt. Selbst wenn es der Außenspiegel meines Autos ist, der mal wieder dran glauben muss. Aber manchmal trifft es auch Menschen, die nicht wirklich gewürdigt, nicht wirklich ernst genommen werden.

Ich muss wohl noch ein wenig bei Paulus, der ja auch nicht immer ein muster in Geduld war, lernen:

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Vielleicht will er selber ja auch noch ein wenig lernen und darum fängt er mit diesem trostreichen Gedanken an, der darauf hinausläuft: Die Hoffnung ist Grund und Ziel des Glaubens. Aus der Geschichte, dass Christus uns angenommen hat, ergibt sich die Hoffnung, dass wir angenommen sind für alle Zeiten und die Kraft, dass wir Menschen annehmen können. Diese Geduld möchte er lernen. Die Geduld, die uns hilft, Menschen anzunehmen.

Nehmet einander an – das ist auf jeden Fall etwas anderes als Toleranz. Nehmet einander an, das heißt: Schaut einander an und nehmt euch wahr als Schwestern und Brüder, als Menschen, die Gottes Kinder heißen und geschaffen sind, dass sie miteinander Leben auf dieser einen Erde. Nehmet einander an und erwartet miteinander den Herrn, der kommen wird.

Mit der Bibel kann ich auf den Herrn hoffen lernen und die Menschen annehmen lernen. Ich muss allerdings auch wollen: lernen Geduld zu entwickeln. Geduld mit Gott, weil sich die Welt nicht so entwickelt, wie ich es träume, Geduld mit meinen Mitmenschen, die nicht alle mitziehen, wie ich denke, dass gut wäre. Geduld mit mir selber, weil ich auch nicht immer so toll bin, wie ich gerne wäre.

Da muss ich noch viel lernen – gerade in christlicher Gemeinde und im Advent.

Vor allem muss ich adventliche Geduld lernen. Lernen, dass es der Herr ist, der kommt und nicht ich, der dieses Kommen möglich machen muss. Bei allem Schmücken und Bemühen bleibt das Wichtige im Advent weder dass der Kranz und die Adventsmärkte anständig sein müssen noch, dass ich rechtzeitig einen Weihnachtsbaum kaufe und die Krippe aufbaue. Das Wichtige ist, dass der Herr kommt – zu mir. Und dass ich ihn einlasse. Und Geduld habe, auf ihn zu warten.

Geduld ist auch nach Paulus auch zuzulassen, dass die Gemeinde nicht voranschreitet, weil Einzelne noch nicht so weit sind, mitzugehen. Da hat jemand tolle Ideen, möchte alles verändern, alles besser machen, aber da sind Andere. Die sind nicht wo weit, hängen an Erinnerungen, an schönen Zeiten und lieben Traditionen. Sie haben auch ein Recht. Geduld ist manchmal auch, das Bessere zu lassen, weil es zu Trennungen führt, weil es Gemeinschaften zerstört.

Advent ist Zukunft – eine Zukunft, von der ich etwas Neues erwarten darf: Gott wird sein Reich bauen bei den Menschen. Er wird – mit uns – eine neue Gesellschaft formen, in der Frieden und Liebe die Leitkultur bilden und nicht mehr Macht und Geld.

Vor Allem: Advent ist nicht meine Privatveranstaltung. Advent ist öffentlich – gehört auf die Marktplätze, gehört zu den Menschen, denen immer neu gesagt werden muss, was Gustav Heinemann einmal so gesagt hat: Die Herren der Welt gehen, aber uns er Herr kommt.

Dass ich etwas von diesem Herrn, der kommt, erwarte, das darf ich erzählen, das muss ich aber auch leben. Solange keiner mir anmerkt, dass ich Hoffnungen habe jenseits von braunen Sümpfen, Finanzkrisen, Skandalen und Horrorvisionen, solange ist der Advent auch nicht Wirklichkeit in meinen Reden. Ich muss natürlich all die genannten Ängste ernst nehmen, aber ich darf darauf vertrauen, dass sie auch wieder vorbeigehen.

Und ich darf mit Geduld und Vertrauen diesen Advent gestalten und den Advent des Herrn erwarten. Und wenn dieser Advent misslingt, ist es nicht schlimm, der Advent des Herrn gelingt.

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