Entschlossen handeln

Liebe Gemeinde,

manchmal haben wir einen klammheimlichen Respekt vor Betrügern. Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt der legendären Verfilmung des „Englischen Postraubs“ (8. August 1963). Die Jüngeren unter uns lassen sich von „Oceans Eleven“ begeistern.

Und Jesus? Was ist, wenn Jesus uns einen Betrüger hinstellt mit den Worten: „Der hat doch klug gehandelt. Also, was wollt ihr? Macht es auch so.“
Gibt es in der ganzen Bibel nicht? Doch, gibt es:

(Text)

Nirgends findet man in den biblischen Schriften einen Hinweis darauf, dass Jesus gelacht habe. Wenn ich mir aber vorstelle, wie er diese Geschichte erzählt hat, dann sehe ich ihn förmlich vor mir mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Meister, gib noch eine Erklärung“, könnte der besorgte Petrus ihm zugeraunt haben. „Lass nur, Kephas,“ mag die Antwort gewesen sein, „nun müssen sie nachdenken. Aber sie werden schon verstehen.“

Wir halten uns nicht mit Nebensächlichkeiten auf, verzichten also auf gespielte Empörung wegen des Betrüger-Lobs. Das ist doch klar: Unehrliche Verwaltung und das Verschleudern fremder Gelder bekommen keine göttliche Sanktionierung. Berlusconi wird nicht heilig gesprochen und die griechische Regierung nicht ins Recht gesetzt.

Wir verzichten auch darauf, in jedem der Bilder dieser Geschichte einen verborgenen, theologischen Sinn zu finden. Für die Fachleute gesagt: Wir interpretieren nicht im Stil der Allegorie. Interessant ist ja nur die Pointe.

Schaut euch die Kinder der Welt an, wie sie entschlossen handeln können, wenn es darum geht, Zukunft zu sichern. Nein, wir wollen keine moralischen Einwände erheben: „Der unehrliche Verwalter denkt ja nur an sich selbst“. Er denkt gar nicht. Er ist eine erfundene Figur in einer netten, pointierten Story. Die Figur in dieser Geschichte handelt entschlossen, schnell, zügig und klug.

Und dann schaut auf euch, beendet Jesus seine Erzählung, ihr lieben „Kinder des Lichts.“

Dieser Aufforderung kommen wir nach und stellen uns der Frage: Wie ernst nehmen wir es mit unserer Zukunftsfürsorge? Wie dick ist der Ordner mit all den Versicherungen daheim? Wie hoch die monatliche Belastung für Krankenkasse, Unfallversicherung, Hausrat etc. Wie hoch sind die Erträge, die man dank früher Vorsorge nun hat?

Wir sind doch schnell darauf ansprechbar, wenn jemand uns geschickt eine „Versorgungslücke“ drohend in die Zukunft malt.

Nein, jetzt kommt nicht die predigtübliche Ermahnung: „Sichert eure Zukunft nicht mit Geld. Sichert sie mit Gott.“

Jesus lobt den Verwalter ausdrücklich. Er lobt das entschlossene Handeln um Willen der Zukunft.

Schaut, sagt er damit, als „Kinder der Welt“ könnt ihr energisch und zielgerichtet handeln. Das ist eine Gabe, die Jesus provokant darstellt, indem der Held seiner Geschichte sich bis an die Grenzen des Legalen wagt und wohl auch darüber hinausgeht. Wobei es durchaus so sein könnte, dass die auf uns so unlauter wirkenden Rabatte damals zulässig waren, weil der Verwalter den Schulden-Nachlass aus seiner Provision gewährt haben könnte. Aber auch das ist nebensächlich.

Jetzt im November kommen wieder all diese Tage der Trauer und des Todes. Volkstrauertag heute, Buß+ Bettag am Mittwoch, Ewigkeitssonntag in einer Woche. All diesen Tagen sind bibische Texte zugeordnet, die auf das Ende schauen, auf Lebensende, Ende dieser Zeit, Ende dieser Welt. Allen Texten sind zwei Aussagen gemeinsam: Sie reden von der Angst, die jedem Ende innewohnt und sie reden zugleich von der Hoffnung, bildlich gesprochen, von der Wiederkunft Christi.

Diese geglaubte, gehoffte und dem Glauben in seinen guten Stunden gewisse Zukunft ist das Thema der November-Predigten. Es ist auch unser Thema.

Schaut, sagt Jesus, schaut die Welt an, schaut euch an, wie entschlossen ihr handeln könnt. In euch wohnt Stärke und Kraft, Zukunft zu bewältigen, euch an Zukunft auszurichten. Diese Kraft ist sicherlich unterschiedlich ausgeprägt, aber sie ist da. Denkt an den Verwalter, von dem ich erzählt habe.

Dann fährt Jesus fort: „Ich nenne euch Kinder des Lichts“. Was für ein schöner Titel in der novembergrauen Zeit. Jesus lobt ja nicht Daseinsfürsorge als weltliche Tugend allein. Daran erinnert er und darin fragt er zugleich: Wie entschlossen seid ihr, wenn es um unsere, um meine Zukunft, um Gottes Zukunft geht? Er fragt es nicht anklagend, er fragt es, um die Kinder des Lichts an die ihnen gegebene Glaubenskraft in den Novembertagen des Lebens zu erinnern.

Wie könnte es werden, wenn wir im Glauben genauso entschlossen bleiben, wie sonst auch?

Wir könnten ja die Geschichte verändern und sie so erzählen.

Der Herr der Welt hatte viele Verwalter. Sie wurden aber bei ihm beschuldigt. Sie teilten nichts, hieß es, sie geben keinem etwas. Sie ließen die Welt im Dunkeln.

Der Herr befahl sie herbei und sprach: Tragt mir eure Bücher vor und gebt Rechenschaft. Es schaut nicht gut aus für. Ich werde euch wohl entlassen.

Da sprachen sie untereinander: Was sollen wir bloß tun? Er wird uns das Licht nehmen. Im Finstern wollen wir nicht leben. An Sterne zu glauben ist uns zu dumm. Auch würden wir uns schämen, seine Kirche zu verlassen um an düsteren Orten um ein bisschen Aberglauben zu betteln.

Wir wissen aber, was zu tun ist, damit uns das Leben und das Licht bleibt.

Und so riefen sie die Menschen, einen jeden für sich und fragten den ersten:

Wie finster ist dein Leben? Und der antworte: Eine große Schuld drückt mich nieder. Einen Tag voll Licht hätte ich gerne. Das mag mir genügen. Und da schrieben die Verwalter des Herrn über seine Zukunft: Deine Schuld ist dir vergeben. Für immer.

Dann fragten sie den zweiten: Was fehlt dir in deinem Leben? Und der antwortete: Es ist keine Liebe in meinem Leben. Gebt mir eine Woche davon und ich bin glücklich. Sie nahmen ihn auf in die Gemeinde und schrieben in sein Herz: Gott ist die Liebe, du bleibst in ihm und er in dir.

Und so könnten wir die Geschichte noch weiter erzählen, wie den Trauernden Trost und den Kranken Hoffnung gegeben wird und den Reichen ein Herz, bereit zu teilen.

Enden würde unsere Geschichte so: Da lobte der Herr die Kinder des Lichts, weil sie klug handeln, denn sie verteilten die Gaben des Herrn und erkannten darin, dass es mehr wurden. Seht, die Kinder des Lichts sind klüger als die Kinder dieser Welt, denn im November glauben sie den kommenden Frühling.

So hätte Jesus ja auch erzählen können. Und wir? Hätten wir uns über eine solche Geschichte aufgeregt? Nein, wir hätten uns wohl auf den frommen Bauch geschlagen und uns am unverdienten Lob erfreut.

Handelt entschlossen. Das ist eine Gabe, die uns Menschen gegeben ist. Handelt entschlossen für diese Welt, nicht gegen sie. Jede der bewegenden Themen unserer Tage schreit doch danach, wie sehr es der Menschen bedarf, die für die Welt handeln und nicht gegen sie. Wie sehr es der Menschen bedarf, die Zusammenhänge erkennen und sich am Ganzen ausrichten und nicht nur an den individuellen, oft sehr kurzfristigen Vorteilen.

Ihr seid doch keine Posträuber, die sich bereichern an dem, was ihnen nicht gehört. Ihr seid „Jesus twelve“, begabt dazu, mit Ausdauer und List, mit Einsatz euerer ganzen Kraft und all eures Glaubens Kinder des Lichts zu werden, zu bleiben und zu sein.

Man wird übel von euch sprechen, euch für Spinner halten. Man wird euch als weltfremde, alte Menschen, Naivlinge u. dgl. mehr verspotten, die nichts vom Leben verstünden. Handelt entschlossen, obgleich man euch verachtet, denn ihr dient der Wahrheit. Handelt in Liebe.

Wie sagte jemand: „Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern das Durchhalten“.

Die Welt hat Angst. Ihr aber habt das Leben. Davon redet, dafür begeistert. Gebt, was ihr empfangen habt. Teilt und ihr werdet reich.

Mancher hat klammheimlichen Respekt vor euch, ihr Kinder des Lichts.

Amen

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