Eine Predigt voller Fragen…

Liebe Gemeinde!

Heute am Volkstrauertag wird an vielen Orten der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft gedacht, aber auch der Soldaten, die in den Krisen und Kriegseinsätzen der heutigen Zeit ihr Leben lassen mussten oder traumatisiert und verstört zurückkommen. Wir erinnern in diesen Tagen an all dies, damit es nie wieder Krieg gibt oder ein Volk oder eine Volksgruppe verfolgt wird und dass wir auch weiterhin unseren Beitrag leisten, dass Menschen in Krisengebieten einigermaßen vor Gewalt geschützt werden. Wir verbinden dies mit dem Aufruf zu Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz. Nur so kann meiner Meinung nach ein Volkstrauertag begangen werden, dass wir gemeinsam nach Wegen suchen, wie wir, hier in Rengershausen / Guntershausen, in Baunatal, in Deutschland, aber auch in der ganzen Welt friedlicher miteinander umgehen können. Die Erfahrung und eben auch die Erinnerung an früheres Unrecht und erlittenes Leid, müssen dazu führen, dass wir für die Zukunft lernen, uns anders zu verhalten. Viele sehen zum Beispiel in den Einsätzen der Bundeswehr am Hindukush, aber auch in anderen Teilen der Welt so einen Beitrag zum Frieden.

„Lernen für die Zukunft“, das könnte auch eine mögliche Aussage Jesu gewesen sein, als er seinen Jüngern das am schwersten verständliche Gleichnis der ganzen Bibel erzählte. Lukas hat es in seinem Evangelium gleich nach der Geschichte vom verlorenen Sohn gestellt. Das war der, der nichts mehr mit seiner Familie zu tun haben wollte und vorher noch von seinem Vater sein Erbteil eingefordert hat. Das Geld war schnell verschleudert und er kam wieder reumütig an bei seinem Vater angekrochen, der ihn ohne mit der Wimper zu zucken, wieder freundlich aufnahm und ihm einen neuen Anfang als Sohn schenkte. Bei diesem jungen Mann hat es offensichtlich nicht funktioniert, was Jesus in der Geschichte vom ungerechten Verwalter als klug lobt, nämlich dass er sich mit Geld Freunde gemacht hat. Doch hören Sie selbst eine der skandalträchtigsten Geschichten, die Jesus überhaupt erzählt hat, aus Lukas 16,1-9:

(Text)

Liebe Gemeinde, ich weiß ja nicht wie es Ihnen jetzt mit dieser Geschichte geht, aber ich war beim ersten, zweiten und dritten Lesen etwas ratlos und bin es vielleicht immer noch. Manchmal würde ich Jesus gerne mal einen Brief schreiben und ihn fragen, was er sich bei der einen oder anderen Aussage eigentlich wirklich gedacht hat. Und genau das mache ich jetzt auch:

Lieber Jesus, diese Geschichte vom ungerechten Verwalter, der so dreist seinen Arbeitgeber betrügt und dann auch noch mit großer krimineller Energie die Schuldner zur Urkundenfälschung anstiftet verstehe ich nicht. Vor allem weil du am Ende das Verhalten des Betrügers auch noch ausdrücklich lobst. Ich musste sofort an die Banker und Wirtschaftsbosse unserer Zeit denken, die nur an sich denken, wie sie ihre Schäfchen auch angesichts der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise ins Trockene bringen. Willst du mit dieser Geschichte etwa sagen: Die haben Recht?! Das kann ich mir gar nicht vorstellen, weil du doch immer die Menschen dazu anstiften willst, füreinander da zu sein und für Gerechtigkeit einzutreten? Das klingt aber doch erst mal nur nach purem Egoismus.

Aber Moment mal, wenn ich gerade so drüber nachdenke, die Schuldner haben ja in gewisser Weise auch was davon, nämlich weniger Schulden. Wenn ich die in den Blick nehme, dann wird mir der Mann schon sympathischer. Klar, immer noch gilt das Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“ und er verschleudert hier das Geld seines Chefs, aber er macht damit ja irgendwie auch was Gutes. Das ist schon ziemlich clever. Der Mann hat nichts mehr zu verlieren und steht vor dem wirtschaftlichen Aus. Arbeitslos und mit einem zweifelhaften Ruf. Der bekommt in seinem Job keine Arbeit mehr. Was also tun? Mit den Mitteln die ihm (gerade noch) zur Verfügung stehen vorsorgen. Das hat er schnell und klug erkannt. Und wenn ich’s mir recht überlege: Er hätte ja auch Geld bei Seite schaffen können, heutzutage würde das Geld dann auf einem Nummernkonto in der Schweiz landen, aber er setzt darauf, sich mit dem Geld Freunde zu verschaffen, die ihm dann hinterher helfen. Du, Jesus, hast das so formuliert: „damit sie ihn in ihre Hütten aufnehmen.“

Wolltest du vielleicht sagen: Kümmert Euch um Freunde und Freundschaften, solange es noch geht?! Das wäre doch mal ein guter Ratschlag, vor allem für viele Männer… Wenn ihr euch schon dauernd ums Geld dreht und das als das wichtigste anseht, dann macht doch wenigstens was Gutes damit, denn das Geld geht irgendwann mal zu Ende und hat in der Ewigkeit schon gar keinen Bestand. Das letzte Hemd hat keine Taschen… Meintest du das mit: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.? Aber der Betrug will mir einfach nicht gefallen…

Ach und da fällt mir noch was ein: was sollte das denn mit den Kindern des Lichtes. In der Bibel steht: denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Wir hier sind doch auch Kinder des Lichts, also Menschen, die zu dir gehören. Sind wir nicht klug? Oder willst du, dass wir von den „Kindern der Welt“ etwas lernen, vielleicht: Der Ehrliche ist immer der Dumme. Nein, das wohl eher nicht, aber vielleicht könnten wir ja lernen, schnelle und kluge Entscheidungen zu treffen, wenn es um unsere Zukunft geht. Hmm, Zukunft, eigentlich handeln doch deine Gleichnisse immer von der Zukunft, die schon begonnen hat, du nennst das doch immer Reich Gottes. Meinst du vielleicht wir sollten so entschlossen auf das Reich Gottes zu gehen und handeln, wie es der ungerechte Verwalter getan hat? Also: Wenn wir vor dem Aus stehen durch eine Krankheit, Arbeitslosigkeit oder etwas anderes und wir keine wirkliche Perspektive mehr zu haben scheinen, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln das Richtige machen oder eben übertragen gesprochen: Deine Hand Jesus ergreifen, solange es noch geht, so wie Petrus, der fast im See ertrunken ist, hätte er nicht deine Hand zu fassen bekommen? Schnell noch sein Leben in Ordnung bringen solange es geht? Na, das würde jedenfalls in die Kirchenjahreszeit passen, wo wir doch gerade über Tod und Sterben und Hoffnung und Trost und was nach diesem Leben kommt nachdenken.

Oder wolltest du einfach nur zum Nachdenken bringen, welche Werte uns wirklich wichtig sind und was am Ende noch Bestand hat, was über den Tod hinaus wirkt? Vielleicht wolltest du ja einfach nur, dass wir uns aufregen und über all dies nachdenken. Und du wusstest ja damals auch nicht, dass eine Kommission gerade dieses Gleichnis als Predigttext für einen Sonntag ausgesucht hat, an dem wir der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken. Obwohl, auch darin steckt ja ein Gedanke an das nahe Ende und wie ich mich da richtig verhalte. Vielleicht auch der Gedanke daran, was uns Trost und Hoffnung geben kann, über die Gewalt- und Leidbestimmte Wirklichkeit hinaus.

Weißt du was Jesus, mir gefällt es viel besser, wenn du solche ermutigenden Dinge sagst, wie „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich gebe euch neue Kraft“, aber eigentlich ist es auch toll, dass du uns immer wieder Stoff zum Nachdenken gibst. Und wenn uns dieses Gleichnis vom ungerechten Verwalter darüber zum Nachdenken gebracht hat, was wir mit unserem „ungerechten Mammon“ anstellen, ob wir uns um unsere Freundschaften kümmern und wie wir dafür sorgen können, dass wir am Ende einen Platz bei dir im Reich Gottes bekommen, dann hat das Gleichnis doch seinen Zweck erfüllt.

Tschüss, dein nachdenklicher Henning Porrmann

Ps.: Natürlich weiß ich, dass ich definitiv in den Himmel komme, einfach weil ich zu dir gehöre, aber ich könnte mich ja trotzdem auch schon jetzt ein bisschen so verhalten, wie es dem Reich Gottes angemessen ist, als ob ich schon da wäre.

PPs: Und das könnte uns doch auch wieder helfen aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen und den Menschen zu mehr Frieden zu verhelfen. Amen.

h.porrmann@gmx.de

drucken