Ein neuer Glaube

Liebe Schwestern und lieber Brüder in Christus!

Ein verzweifelter Vater kommt zu Jesus und erzählte ihm von seinem Sohn, der von einem bösen Geist besessen war. Der Vater gibt mit knappen Worten einem erschütternden Bericht über den schlimmen Krankheitszustand seines Kindes, der auf eine eigenartige Epilepsie hinweist. Der Dämon lässt ihn nicht reden und immer wenn dieser böser Geist das Kind, den Sohn packte, wirft er ihn gewaltsam zu Boden, er hat Schaum vor dem Mund, knirscht mit den Zähnen. Diese starken Krämpfe belasteten die Gesundheit des Kindes sehr. Es war in seiner Lebensqualität sehr eingeschränkt! Wie lange würde er noch mit ihrem Leben der Kraftlosigkeit und Niederlage leben müssen?

Als der verzweifelter Vater das Kind zu Jesus brachte, verursachte der Dämon wieder einen schweren Anfall. Jesus zeigte Mitleid und großes Mitgefühl. Auf die teilnehmende Frage des Heilandes nach den näheren Umständen der Krankheit antwortet der Vater recht ausführlich und fügt die flehende Bitte um Heilung hinzu, die aber beschattet ist von dem bangen Zweifel, ob Hilfe überhaupt möglich sei: „Der Vater antwortete: »Seit er ganz klein ist. Der böse Geist wirft ihn oft ins Feuer oder ins Wasser, um ihn umzubringen. Hab Erbarmen mit uns und hilf uns. Tu etwas, wenn du kannst.« »Was soll das heißen“ ….. und Jesus fügte hinzu und antwortete: „Alles ist möglich für den, der glaubt.“ Ob Jesus mit dieser Antwort Sich selber meinte? Hat Jesus auch die Kraft, Wunder zu tun, aus dem Glauben geschöpft? Oder gilt dies Wort dem Vater des Jungen, von dessen Glauben es abhängt, ob die hilfreiche Tat gelingen kann? Oder trifft dies Wort, die Antwort Jesu die Jünger, die eben um ihres mangelnden Glaubens willen in dieser Stunde ohnmächtig bleiben mussten? Die Antwort muss sicher auf all die fragen so lauten, dass Jesus unser Heiland selbst die Kraft zum Wunder aus dem Glaubensgehorsam des Sohnes und der sich daraus ergebenden Vollmacht besaß, dass aber die Wunder des Gottesreiches dann zu erfahren sind, wenn der Glaube zum Gehorsam Gott gegenüber bereit ist. Und das gilt dem Vater, den Jüngern, ja darüber hinaus allen, die dabei waren und uns, die wir immer wieder davon lesen.

Jesus sagte zu dem verzweifelten Vater, dass es nicht darum ging, ob er fähig zur Heilung sei, sondern um den Glauben des Vaters. Glaube an den lebendigen Gott wird immer belohnt. Kein Fall ist für ihn zu schwierig.

Liebe Schwestern und lieber Brüder in Christus!

Glaube kann nicht nur Berge versetzen, sondern auch Menschen vor Krankheiten schützen.
Mehr als 1200 unabhängige Untersuchungen haben in den vergangenen Jahren die Beobachtung bestätigt, dass Religiosität ein wirksames Medikament sein kann. Menschen, die an eine höhere Macht glauben, sind weniger oft im Krankenhaus, genesen schneller von Krankheiten, haben einen niedrigeren Blutdruck und scheinen besser gegen Herz- und Kreislaufkrankheiten geschützt zu sein. Sie sind ferner nach Operationen schneller wieder auf den Beinen und benötigen weniger Schmerzmittel, sie reagieren auf Belastendes weniger mit Depressionen und erholen sich meist in kürzester Zeit, wenn sie dennoch einmal depressiv werden.

Jesus will uns sagen, dass es nicht darum geht, ob er fähig zur Heilung sei, sondern um den Glauben des Vaters. Glaube an den lebendigen Gott wird immer belohnt. Kein Fall ist für ihn zu schwierig.

Wie oft rufen und bitten wir Jesus: „Stärke uns den Glauben.“ Und Jesus antwortet: „Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“ Nicht nur einmal hatte Jesus darauf hingewiesen, dass ihn in Jerusalem Leiden und Tod erwartete und auch die Jünger mit in dieses Geschehen hineingenommen waren. Würden sie an Jesus festhalten können? Würde ihr Vertrauen reichen? So wundert es nicht, dass sie zu Jesus gingen und ihn darum baten, dass er ihnen den Glauben stärkte.

Diese Bitte ist mir, ist uns vertraut. Auch ich kenne in meinem Leben immer wieder diese Glaubensturbulenzen. Da meinte ich, alles sei in Butter, der Weg übersichtlich und von Gott mit viel Licht beschienen. Schon macht er eine scharfe Kurve, führt durch Abgründe hindurch und dichte Wolkenwände lassen das Ziel vor Augen verschwimmen. Statt dass es mir gut geht, empfinde ich Kraftlosigkeit, der Mut ist dahin und meine Umgebung spielt auch nicht mit. Ich komme zu Jesus im Gebet und flehe ihn an: Stärke mir den Glauben! Dabei stelle ich fest, dass es mir am liebsten wäre, Jesus käme zu mir mit vollem Kanister, um augenblicklich meinen leeren Tank zu füllen. Ich brauche nichts anderes zu tun, als mich an den Wegrand zu setzen und auf den Jesus-ADAC zu warten. Oder er bringt mir eine Wunderpille, mit der ich sofort Muskelzuwachs spüre, ohne auch nur eine Minute selbst Sport treiben zu müssen.

Jesus packt uns bei unseren noch so kleinen Glauben und fordert uns auf, diesen zu investieren. Auch wenn der Glaube so klein ist wie ein Senfkorn, sie sollen ihn einsetzen, damit Erfahrungen sammeln und staunen, was Jesus dann zu diesem Senfkorn hinzukommen lässt. Das Senfkorn wird so viel Kraft entwickeln, dass es sogar einen Maulbeerbaum ins weite Meer werfen kann, der vorher fest in der Erde verwurzelt war. Jesus gibt eine erste Antwort. Er fordert die Jünger und uns heute als Nachfolgerinnen und Nachfolger auf, nicht zu warten, bis er mit dem ADAC-Auto oder der Wunderpille vorbei kommt. Er will uns nicht mit Glauben und Vertrauen bedienen und uns damit immer unselbständiger werden lassen. Er gibt uns stattdessen klar zu verstehen, dass Glaube nur Kraft hat im Handeln.

Vertrauen zu Jesus wächst, wenn wir es einsetzen in den alltäglichen Herausforderungen unseres Lebens. Wenn es darum geht, einen Maulbeerbaum auszureißen, dann wird er das nicht für uns tun, während wir als Zuschauende in der Sonne liegen, sondern er wird uns die Kraft geben, es selbst zu bewerkstelligen. Natürlich ist es dann immer noch seine Sache, denn mit Senfkornglauben allein ist es nicht getan, aber seine Hilfe geht nicht an uns vorbei, sie verbindet uns mit ihm, sie geht durch uns durch und lässt uns unsere Verbundenheit, unser Vertrauen zu ihm immer deutlicher spüren.

Seine Antwort auf unsere Bitte lautet: Geh den nächsten Schritt mutig, du darfst wissen, darin werde ich dir meine Kraft erweisen und meine Liebe zu dir. Das wird deinen kleinen Glauben stärken.

Der verzweifelte Vater des schwer kranken Kindes drückte es redlich aus: „Ich glaube. Hilf aber meinem Unglauben!“ Wenn wir glauben wollen, dann sehen wir, dass wir voller Unglauben sind. Ja, wir hassen diesen Zustand des Unglaubens, wir lehnen uns dagegen auf und scheinen doch vergeblich dagegen anzukämpfen.

„Ich glaube. Hilf aber meinem Unglauben!“ – dieses Wort, diese Bitte soll immer zum täglichen Gebet werden, nur so können wir zu einem gereiften Christen heranwachsen.

Und Jesus befahl den bösen Geist, aus dem Körper, aus dem Geist des Kindes hinauszufahren, um ihn nicht mehr länger zu peinigen. Eine dramatische Geschichte, ein Erlebnis, das sicher für alle, die dabei waren Auswirkungen hatte. Eine Geschichte, die sich viel Zweifler vielleicht auch mal wünschten! Später am Tag als es die Jünger ganz genau wissen wollen, fragen sie Jesus, warum sie denn den Jungen nicht heilen konnten. Und Jesus antwortet ihnen in einer Einfachheit, die einen zu Boden werfen kann: Diese Art böser Geist kann durch nichts ausfahren außer als durch Beten.

Und das soll man jetzt glauben? Mir fehlt das oft; ich kann es oft nicht glauben. Ich bin dann wie dieser Vater, der zwar alle seine Wünsche auf Gott richtet und dann doch nicht wahrhaben will, dass alle Dinge dem möglich sind, der glaubt. Ein verhängnisvolles Durcheinander: erst glauben und hoffen, dann doch kein Vertrauen haben. Erst alles erwarten, dann doch kaum etwas für möglich halten. Erst beten, dann keine Geduld haben oder dem Gebet doch nichts mehr zutrauen. Ich kenne das. Wir alle kennen das. Der Glaube, das ist etwas lebendiges, etwas, was sich verändert, was sich entwickelt, manchmal auch zurück entwickelt. Ich kann es daran messen, wie leicht oder schwer es mir fällt zu beten. Und manchmal heißt es einfach: durchhalten, weitermachen, konzentrieren, am Gebet bleiben, denn das öffnet schließlich den Raum, die Tür zu Gott, es weist meinem Glauben den Weg. Und ich will glauben, will daran festhalten, dass Gott für mich da ist, dass ich ihm nicht egal bin, dass es eine Verbindung gibt zwischen ihm, allen anderen und mir. Hilf meinem Unglauben – das ist mein, das ist unser Gebet, wenn es hart auf hart kommt. Und Gott? Bisher hat er dieses Gebet immer wieder erhört.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Das wäre auch mein Gebet. Wenn ich ehrlich bin, ist es das fast täglich. Ich habe Vertrauen, aber auch viele Zweifel. Ich vertraue, aber nicht genug, dass ich allen bösen Geistern allein wehren könnte. Und Gott sein Dank brauche ich das auch nicht. Das halbe Vertrauen mit ganzem Herzen auf Gott zu setzen, reicht aus. Der Vater in der Geschichte zieht mit einem gesunden Kind frei und aufrecht seiner Wege. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ ist für mich keine halbherzige Sache, sondern ein ehrliches Gebet mit großer Wirkung.

Der Vater gibt das Gespräch mit Jesus nicht auf. Er vertraut sich Jesus an. Dabei beschönigt er nichts. Er ist ehrlich und offen und vertraut sein Problem Gott an. Und er erwartet, dass Gott selbstverständlich auch mit diesem Problem fertig werden kann. Machen wir es doch genauso: Wir machen uns bewusst, dass wir zweifeln. Wir erwarten, dass uns Jesus unseren Zweifel nehmen und uns einen neuen Glauben geben kann.

Wir beten zu Jesus und bitten ihn genau darum: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben." "Jesus nimm mir meinen Zweifel. Gib mir einen neuen Glauben." Wir erwarten von Jesus alles. Wir erleben das Verwunderliche und Wunderbare.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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