Gute Haushalterschaft

Es gibt so eine klassische Situation, die sich –so glaube ich- schon einmal in so ziemlich jeder Familie ereignet haben dürfte. Und zwar so: Die Eltern verreisen für ein paar Tage, oder sind auf jeden Fall mal für ein paar Stunden weg. Die Kinder bleiben allein zu Hause zurück. Bei der Abreise der Eltern gibt es nicht nur das übliche „Auf Wiedersehen“ und „Bis bald!“, sondern es gibt auch noch ein paar letzte Anweisungen an die Daheimgebliebenen. „Denkt dran: Nachher muss man noch die Spülmaschine ausräumen.“ Oder: „Nicht vergessen: Es muss noch eine Waschmaschine Wäsche aufgehängt werden.“

Und dann: Plötzlich sieht es so aus, dass die Eltern schon ein bisschen früher wieder nach Hause kommen, sagen wir mal einen halben Tag früher. Sie waren also nicht drei Tage weg sondern nur 2 ½ Tage. Sie kommen also zur Haustüre rein. Es gibt ein großes HALLO, und als dann der erste Willkommenstrubel sich gelegt hat, heißt es: Und? Wie ist es euch ergangen? Alles klar? Hat alles geklappt? Habt ihr alles gut hingekriegt? Antwort: Klar, alles bestens! Nächste Frage: Ist die Spülmaschine ausgeräumt? Antwort: Spülmaschine? Welche Spülmaschine? Ach so! Ja klar, die Spülmaschine. Ach, weißt du, nö, eigentlich noch nicht, weißt du, wir wollten das nachher machen, wir dachten, ihr kommt noch nicht so bald wieder nach Hause, wir haben noch ein bisschen Zeit…. Und beim Blick in die Küche stellt ihr dann fest, dass nicht nur die Spülmaschine nicht ausgeräumt ist, sondern dass sich da eigenartigerweise noch eine ganze Menge anderer Sachen türmen, die man längst hätte abwaschen und aufräumen sollen. Ach ja, und die längst fertig gewaschene Wäsche liegt auch seit zwei Tagen immer noch in der Waschmaschine. Kommt euch das bekannt vor? Nächste Frage: Welche Reaktion setzt dann eurerseits ein? Spannende Frage.

Diese kleine Phantasiegeschichte, hat vermutlich gewisse Ähnlichkeiten zum wirklichen Leben, und sie soll als Einstieg dienen zum heutigen Predigttext aus

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Wenn wir den weiteren Textzusammenhang lesen, sehen wir, dass Jesus seine Jünger daran erinnert, seine Wiederkunft zu erwarten. Ja, es geht um eine sehr realistische Erwartung: Jesus wird wiederkommen. Er kommt sogar bald schon wieder. Auch wenn wir es nicht abschätzen können, wann er kommt, eins steht fest: nämlich, DASS er wiederkommt. Allerdings sagt Jesus diese Worte vor seiner Himmelfahrt, und die Jünger hatten sicher sowieso arge Schwierigkeiten, sich das überhaupt vorzustellen, wie das sein soll, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen sein würde. Deshalb gibt Jesus ihnen in diesem weiteren Textzusammenhang in mehreren Gleichnisworten eine eindringliche Erinnerung mit auf den Weg: Vergesst es niemals! Ich komme wieder. Gebt niemals die Hoffnung auf, dass ich wiederkomme! Denn: Ihr könnt euch drauf verlassen: ich komme wieder zu euch zurück! Bis dahin: Handelt in meinem Namen. Tut, was ich euch aufgetragen haben.

Das Oberthema heißt also: Erweist euch als gute Haushalter.

Wer sind die beauftragten Haushalter? Der biblische Text redet deutlich davon, dass es hier darum geht, dass der Verwalter, sozusagen eine Art angestellter Ober-Verwalter ist, der dazu beauftragt ist die anderen Angestellten mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Er muss also dafür sorgen, dass der ganze Laden läuft. Seine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass jeder weiß, was er zu tun hat, und dass jeder mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet ist, damit er seine Arbeit machen kann.

Hier findet sich also eine etwas andere Zuspitzung als bei dem anderen ebenfalls sehr bekannten Gleichnis von den „anvertrauten Talenten“, wo es um Begabungen, Talente und Geistesgaben eines jeden Christen geht.

Ja, es sieht ganz danach aus, als wenn dieses Gleichnis in Besonderheit für die Menschen in der Gemeinde gedacht ist, die mit Verantwortung betraut sind in der Fürsorge für andere Menschen. Sprich: es geht um den Pastor, die Leute in der Gemeindeleitung und um die Gruppenleiter. So würden wir das heute benennen. Denn diese Leute tragen eine besondere Verantwortung. Wie heißt es doch hier im Text: V.42 „Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?“

Damit ist eine sehr weitreichende Formulierung gewählt, die einfach beschreibt, dass die leitenden Leute in der Gemeinde umfassend und gewissenhaft für die Leite verantwortlich sind, die ihnen anvertraut sind, ja die ihnen sogar als Kinder als Schutzbefohlene anvertraut sind. Das geht bis dahin, dass die Kinder die Gemeinde als einen sicheren Schutzraum erleben sollen, wo sie sich entfalten können entsprechend ihren Begabungen und Möglichkeiten, und wo auch die Eltern dementsprechend ihre Kinder den Mitarbeitern anvertrauen können, in der Gewissheit: hier ist mein Kind gut aufgehoben.

Gibt es untreue Haushalter?

Ja, es gibt untreue Haushalter im Reich Gottes. Um das schlimmste Beispiel gleich vorweg zu sagen: Hier erinnern wir uns an die in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Skandale um sexuellen Missbrauch im Rahmen der Kirche oder von kirchlichen Institutionen. Das ist traurig aber offensichtlich wahr. Und oft ist es an Stellen geschehen, wo man es nie und nimmer für möglich gehalten hatte. Übrigens hatte unser Gemeindejugendwerk zeitgleich schon längst die Aktion „Sichere Gemeinde“ ins Leben gerufen, wo die Mitarbeiter genau zu dem Thema ausführlich sensibilisiert und geschult worden sind.

Aber die Untreue der Mitarbeiter im Reich Gottes kommt auch ganz unscheinbar und geradezu salontauglich daher. Es ist der ganz normale Schlendrian. Fünfe gerade sein lassen. Es nicht so genau nehmen. Nur keine Hektik, das geht auch noch morgen oder übermorgen, oder vielleicht im nächsten Jahr. Mach bloß keinen Stress! Meine Güte, musst du immer alles so pingelig genau nehmen? Wann war noch mal der Anmeldeschluss für die Gemeindefreizeit? Letzte Woche schon? Na so was! Aber ich kann mich doch bestimmt jetzt auch noch anmelden, oder?

Seelsorgerlich gesprochen heißt das: Man will den Leuten nur ungern mit peinlichen Themen kommen. Man mag dem andern nicht auf den Fuß treten. Denn schließlich ist es echt eine heikle Angelegenheit, wenn man jemanden ansprechen würde und sagen: „Du, sag mal, ich glaube dir geht’s nicht wirklich gut, irgendwas scheint dich zu bedrücken. Was ist los? Ich mache mir Gedanken über dich. Und weil ich dich mag, habe ich mir lange überlegt, ob ich dich anspreche, und jetzt tue ich‘s einfach mal, denn ich bin in Sorge um dich. Ich habe den Eindruck, dass du in Schwierigkeiten bist, und zwar so-und-so……“

Unser biblischer Text geht sogar noch viel weiter, denn er redet offen von Machtmissbrauch, Autoritätsmissbrauch und Veruntreuung: Lk 12, 45: „Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen, 46 dann wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, an dem er’s nicht erwartet.“

Belohnung oder Strafe? Jetzt kommen wir zum unangenehmsten Teil dieses Textes. Am liebsten möchten wir einen weiten Bogen machen um diese Verse. Diese Verse sind vor allem deshalb unangenehm, weil wir sie nur schwer zusammenkriegen mit unserem Gottesbild. Denn wir predigen doch schließlich einen liebevollen Vater-Gott, einen gnädigen und barmherzigen Gott. Und wir singen das auch: „Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen….“ Und dann das hier: „Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.“ (Lk 12, 47) Na toll! Wer will sich da noch in die Gemeindeleitung wählen lassen? Oder Pastor werden? Oder Mitarbeiter in der Sonntagschule werden?

Also müssen wir noch mal genauer hinschauen: Was will der Text sagen? Worum geht’s hier im tiefsten Sinne? Zunächst mal: Ja, es geht wirklich darum, einen Dienst, der einem aufgetragen ist, auch wirklich verantwortungsvoll und im Sinne des Auftraggebers wahrzunehmen.

Es liegt auf der Hand dabei zum Beispiel an den sog. Missionsbefehl zudenken aus Mt 28: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Und wenn ich daran denke, dass die Verantwortlichen in der Gemeinde, die Leute in der Gemeinde mit geistlicher Nahrung versorgen sollen, kommt mir Eph 1 in den Sinn, wo Paulus genau dafür betet: „Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. 18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt 19 und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.“ Wenn es also darum geht, die Menschen der Gemeinde mit geistlicher Nahrung zu versorgen, dann beinhaltet das, dass die leitenden Leute dafür sorgen, dass das wirklich geschieht: Dass den Brüdern und Schwestern in Christus die Augen geöffnet werden, und sie realisieren, im besten Sinne be-HERZ-igen, also zu Herzen nehmen, wie groß die Gnade und die Kraft Gottes in ihrem Leben ist, nämlich: Es ist dieselbe Kraft des Heiligen Geistes Gottes, die in deinem und in meinem Leben wirkt, die damals am Ostermorgen, Jesus aus dem Tod des Grabes auferweckt hat, die auch in deinem Leben wirkt. Wenn also die Kraft Gottes ausreicht den Tod zu überwinden, dann wird die Kraft des heiligen Geistes doch sicherlich ebenfalls ausreichen, um mit den Problemen und Problemchen deines und meines Lebens klarzukommen, oder?

Man kann diesen Auftrag nicht einfach ignorieren. Oder uminterpretieren. Es geht darum das Anliegen Jesu, als des Auftraggebers wirklich aufzugreifen. Da ist kein Platz für Schlamperei und Schludrigkeiten. Und auch nicht für eine Vernachlässigung des Auftrags, und auch nicht für eine Verschiebung auf den St. Nimmerleinstag. Bei genauer Betrachtung sehen wir also, dass Jesus uns hier warnt vor grober Vernachlässigung dessen was er uns aufgetragen hat.

Und: ganz wichtig: Jesus kommt wieder. Er wird Rechenschaft einfordern von dem, was wir in seinem Namen getan haben.
Und hier kommt prompt der nächste Stolperstein dieses Textes. V.48 „Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen.“

Wie kann das sein? Kann man bestraft werden für etwas, von dem man gar nicht wusste, dass es falsch ist? Hm,….. in der deutschen Rechtsprechung gilt: Dummheit schützt vor Strafe nicht – und Unwissenheit auch nicht. Aber kann man das mit dem säkularen Rechtssystem überhaupt vergleichen? Was will Jesus uns hier eigentlich sagen? Sollte es tatsächlich um eine Strafandrohung gehen, wegen Dingen, die man unwissentlich falsch gemacht hat?

Ich denke, es geht hier um den größeren Zusammenhang. Jesus wird immer berücksichtigen, warum und wie man etwas getan hat. Mutwilligkeit wird andere Folgen nach sich ziehen als Ahnungslosigkeit oder Unwissenheit.

Was geht mich das an? Der Akzent liegt hier eindeutig bei den besonders beauftragten Jüngern, die in leitender Verantwortung stehen, und die darin wissentlich und mutwillig das Falsche tun. Diese Leute erhalten hier eine sehr deutliche Warnung. Passt auf, was ihr tut! Ihr werdet damit nicht einfach davonkommen, sondern Jesus wird Rechenschaft von euch fordern.

Wird es eine Strafe geben? Im Text steht: „…ihm wird sein Platz unter den Ungläubigen zugewiesen werden.“ Im Klartext heißt das: Ihm wird die Gemeinschaft mit dem HERRN entzogen. Das ist nichts anderes als das was letzten Endes die Folge jeder Schuld bei einem jeden von uns ist – die nicht vergeben ist. Und doch: Jede Schuld kann vergeben werden. Genau das ist ja gerade das Zentrum des Evangeliums.

Und: Es geht darum, den Willen des Vaters im Himmel zu tun. Diese Zielrichtung beschreibt uns auch das Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen in Mt 21, 28-31: „Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Nein, ich will nicht. Danach reute es ihn und er ging hin. Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: Der erste.“ Dieses Gleichnis beschreibt die Buße, die Umkehr die Meinungsänderung, die uns dazu führt, den falschen Weg zu verlassen und dann eben doch den Willen Gottes zu tun.

Die Absicht unseres Predigt-Textes ist es nun gerade NICHT, die Adressaten in Angst und Schrecken zu versetzen, und die Leute so einzuschüchtern, dass schlussendlich keiner mehr sich zutraut irgendetwas im Reich Gottes zu tun, oder überhaupt irgendetwas anzupacken. Denn dann hätten wir genau den Effekt, der im Gleichnis von den anvertrauten Pfunden beschrieben ist. Da gibt es den einen Schlauberger, der aus Angst vor der Strafe, das ihm anvertraute Gut sicherheitshalber vergräbt, damit er es bei der Rückkehr seines Herrn, ihm wieder unverändert zurückgeben kann. So etwas nennt man heutzutage „konservative Anlagepolitik“. Aber dieses „Halte fest, was du hast“ wird im Gleichnis nicht gelobt! Wir dürfen sehr wohl aus uns herausgehen. Wir sollen es auch. Wir dürfen dabei auch Risiken eingehen. Natürlich. Das Leben enthält nun mal Risiken. Und das Leben ist im Zweifelsfall nun mal auch lebensgefährlich. Ja das ist so. Aber wenn wir das tun, tun wir das ja gerade im Namen und im Auftrag Jesu. So wie es im Text steht: „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen.“

Der treue Mitarbeiter wird gelobt, weil er im Bewusstsein des Auftrags handelt, und weil er handelt im Bewusstsein, dass es ohne die Hilfe Gottes nicht geht. Wer viel tut, macht auch viele Fehler. Auch das ist richtig. Dabei sind die Fehler gar nicht das eigentliche Problem. Denn über der Baustelle des Reichs Gottes steht ein ganz besonderes Schild:

Hier entsteht das Reich Gottes
Betreten der Baustelle erwünscht.
Gott haftet für seine Kinder.

AMEN

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