Zerplatzt wie ein Ballon

Es wird ein Luftballon benötigt

Liebe Gemeinde,
Es ist noch einmal richtig warm geworden. Sonne soweit das Auge reicht. Und doch: es liegt Herbst in der Luft. Die Blätter werden bunt Die Nüsse fallen vom Baum. Die Felder sind abgeerntet, die Weinbauern sind unermüdlich unterwegs und lesen ihre Trauben.
Hat die harte Arbeit sich gelohnt? Im Frühling wurde gegraben, dann immer wieder Unkraut jäten, die Erde auflockern. Und nun wird Bilanz gezogen. Was ist der Lohn für meine Arbeit? Was bekomme ich für meine Mühe?

Wer gut wirtschaften kann, dem geht es auch gut. Dessen Konten werden voller. Also rann an die Arbeit und alles mitnehmen was man irgendwie kann.
So denken wir und wundern uns, dass es abwärts geht mit der Nächstenliebe.

Der Prophet Jesaja, von dem der Predigttext für das Erntedankfest stammt, mahnt anders!

7 Ladet Hungernde an euren Tisch, / nehmt Obdachlose bei euch auf! / Wenn du jemand halbnackt und zerlumpt herumlaufen siehst, / dann gib ihm etwas anzuziehen! / Hilf dem in deinem Volk, der deine Hilfe braucht! Entziehe dich nicht deiner Familie. 8 Dann strahlt dein Licht wie die Morgenröte auf, / und deine Wunden heilen schnell. / Dann zieht die Gerechtigkeit vor dir her, / und die Herrlichkeit Gottes wird deine Nachhut sein.
9 Wenn du dann zu Gott rufst, wird er dir Antwort geben; / wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: ‚Ja, hier bin ich!‘

2300 Jahre sind diese Worte alt und immer noch stechen sie mitten ins Herz:
Ich kann doch nicht jeden Hungernden einladen, ich kann doch nicht einfach einen Obdachlosen in mein Haus lassen. Ich arbeite doch schon genug, damit es meiner Familie gut geht, da kann ich doch nicht noch Zeit mit ihr verbringen. Und jeden Bettler kann ich auch nicht neu einkleiden.

Es scheint nur zu logisch: Erst muss es mal mir gut gehen und dann werde ich mich um die anderen kümmern.

Aber ab wann geht es mir gut genug?

Der Prophet mahnt: 7 Ladet Hungernde an euren Tisch, / nehmt Obdachlose bei euch auf! / Wenn du jemand halbnackt und zerlumpt herumlaufen siehst, / dann gib ihm etwas anzuziehen! / Hilf dem in deinem Volk, der deine Hilfe braucht! Entziehe dich nicht deiner Familie.

Du – denk zuerst auch an die Hungernden und teile was du hast. Du – sieh zuerst die Zerlumpten an und gib ihnen was zum Anziehen. Du – glaub nicht deine Kinder haben genug wenn du gut verdienst und sie sich viel kaufen können – dich und deine Zeit brauchen sie. Du – meine nicht deinen Eltern geht es gut genug wenn sie im Heim versorgt sind-deine Liebe brauchen sie. Du – sieh dich um und gib ab von dem was du hast.

Dann wird Güte und Gerechtigkeit vor dir herziehen, so wie am Morgen die Morgenröte aufsteigt, dann wird es dir gut gehen und Gottes Liebe wird sich in dir Zeigen.

Was nützt uns alles klagen über die Kälte in der Welt, was bringt es immer nur zu schimpfen wie schlecht alles ist? Nichts! Es wird sich nichts ändern wenn jeder meint: Es muss erstmal mir gut gehen.

Wenn wir immer nur meinen: Zuerst komme ich ………und dann irgendwann kann ich ja helfen, dann sind wir wie ein Luftballon.
(Ballon etwas aufpusten… und dann immer wieder mehr )

Ist der schon groß genug? Na ein wenig geht noch, dann helfe ich den andern…Und jetzt? Na etwas noch……. Sieht gut aus… aber es passt noch etwas rein.

Und dann: Nur noch ein kleines Bisschen will ich haben… (Bis zum Platzen pusten)

So wie es diesem Ballon erging, so wird es mit uns sein, wenn wir nicht bereit sind zu teilen.
Zum Leben als Christen gehört eben beides. Das Empfangen und das Abgeben. Luft aufnehmen und wieder rauslassen.

Christus sagt: Wo ihr einen seht, der Hilfe braucht, da seht ihr mich!
Wenn wir einen Menschen abweisen, der uns braucht, dann weisen wir Jesus ab. Die Gefahr Jesus abzuweisen ist also viel viel größer als die Gefahr ausgenutzt zu werden.

Wir haben heute Grund zum Danken. Für die Früchte des Feldes. Dafür, dass Gott uns reich beschenkt hat. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn.

Und selbst die allerkleinste Rübe, sie kündet uns von Gottes Liebe.

Das Brot, das wir essen kommt nicht vom Bäcker, der hat nur seinen Teil dazugegeben. Es kommt auch nicht vom Müller oder vom Bauern. Gott lässt wachsen. Gott gibt.

Im Schenken ist Gott einmalig groß und die absolute Nummer eins. Das erste, was wir von ihm wissen ist, dass er etwas gibt. Er macht die Welt und er schenkt uns Leben.
Und wenn wir gleich Abendmahl feiern, dann hören wir die Worte: Dieses Brot, das bin ich.
Gott gibt sich. Es schenkt was wir brauchen. Und da sollten wir knausern?

Es kann nicht unser Ziel sein, wie ein Ballon zu zerplatzen. Sondern das weitergeben, was wir selbst bekommen. Das macht reich. Brich dem Hungernden dein Brot und Lade den Obdachlosen ein. Sei für deine Familie da und sieh wo du helfen kannst. Dann wird Güte wie die Morgenröte aufgehen und Gerechtigkeit hinter dir sein. Wenn du dann zu Gott rufst, so wird er sagen: Hier bin ich. Ich habe mich unter euch be-geben. Amen.

Und die Güte Gottes, die wir mit unserem Verstand nicht begreifen können, sie bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

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