Gott tut auch heute Wunder

Liebe Gemeinde!

Hauptsache gesund! Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Hauptsache gesund! Das sagen Menschen, wenn ich frage, wie es ihnen geht. Oder wenn ich ihnen zum Geburtstag gratuliere.
Jeder war schon einmal krank. Schnupfen und Husten kennen alle, auch Zahnschmerzen und Bauchschmerzen. Das war meist nur von kurzer Dauer. Dann ist die Krankheit wieder vorbei gegangen. Medizin hat geholfen oder die Zeit.

Aber andere, die heute hier sind, hatten auch schon andere Krankheiten. Krankheiten, die schwerer waren. Sie sind nicht so schnell vorbei gegangen. Solche Krankheiten haben große Sorgen bereitet. Oder sie bereiten immer noch Sorgen. Weil man sie selber hat oder jemand, der einem wichtig ist. Wer die Angst kennt vor so einer Krankheit, der hat schon gebetet. Richtig feste gebetet. Von ganzem Herzen. Gott angefleht. Und ihn gebeten, dass er das Unglück abwendet.

So wie in unserem Predigttext. Ich lese ihn vor. Er steht bei Markus im ersten Kapitel, und er ist ein bisschen ähnlich wie das Evangelium, aber doch wieder anders:

[TEXT]

Die Hauptperson in der Geschichte ist aussätzig. Aussatz nennt man heute Lepra. Das ist eine neurologische Krankheit. Sie kommt vor allem in Indien vor und in Indonesien. Bei den leprakranken Menschen sterben die Nerven ab. Sie können nichts mehr fühlen. Die Krankheit zeigt sich an der Haut. Die Kranken sind ansteckend für andere. Deshalb will niemand etwas mit ihnen zu tun haben. Früher mussten sie außerhalb der Stadtmauern leben. Sie waren nicht nur krank, sondern auch noch isoliert. Das machte die Krankheit besonders schlimm.

Der Kranke in unserer Geschichte findet sich nicht damit ab. Er geht zu Jesus. Er macht sich extra auf den Weg zu Jesus, als der in der Nähe ist. Er wartet nicht ab, bis Jesus direkt zu ihm kommt. Er nimmt sein Leben selber in die Hand und geht los. Das ist ein wichtiger Punkt. Darin könnte er Beispiel sein für Kranke. Für uns enthält das die Botschaft: Geht mit euren Sorgen zu Jesus. Bleibt nicht beim Klagen. Wendet euch an Jesus. Betet zu ihm!

Der Kranke kniet nieder und sagt zu Jesus: Willst du, so kannst du mich rein machen. Das Wort „rein“ kommt uns merkwürdig vor. Was soll das Wort sagen?

Die Erklärung ist folgende: Zur Zeit Jesu galt der als unrein, der krank war. Man sagte, er war von unreinen Geistern besessen. Krankheit galt als etwas Böses. Als Strafe für Sünde. Wer krank war, der war nicht von Gott erfüllt, meinten die Leute. Mich gruselt es, wenn ich das bedenke. Der Mann war doch bestraft genug. Er musste unter seiner Krankheit leiden. Die Leute hatten Angst vor ihm, weil er ansteckend war. Und dann meinten sie noch, er wäre sündig und böse. Das ist schlimm. Der arme Mann. Was hatte der auszustehen.

Heute denkt keiner mehr so. Das war damals anders. Heute wird keiner mehr abgestempelt für seine Krankheit. Wirklich nicht? Kranke erzählen mir manchmal anderes. Direkt sagt es wohl keiner zu ihnen. Aber sie spüren, was andere denken: Der war so dick. Deshalb haben seine Knochen ihm Probleme gemacht. Die hat so viel getrunken. Deswegen haben die Organe nicht mehr mit gemacht. Die hat so viel geraucht. Das hat sie kaputt gemacht. Das klingt wie im Mittelalter. So wird Kranken auch heute noch Schuld zugeschoben. Da gruselt es mich auch heute, wenn ich solche Gedanken spüre.

Ich sehe den Kranken vor mir, wie er niederkniet und zu Jesus spricht. Krankheit lehrt beten. In Not knüpfen manche den Faden zu Gott neu oder besonders eng. Gott soll helfen. In unserer Geschichte tut er es. Jesus hat Mitleid. Er streckt seine Hand aus, berührt den Kranken und sagt: Ich will`s tun. Sei rein.

Zwei Aussagen finde ich beachtlich. Es jammerte Jesus heißt es im Lutherdeutsch. Er hatte Mitleid. Es rührte ihn an. Dann berührte er den Mann.

Ob jemand gesund wird, hat ganz viel mit berühren zu tun. In der Medizin ist das Berühren ins Gespräch gekommen. Das Gegenwort ist die so genannte Gerätemedizin, die ja auch notwendig ist. Untersuchungen mit technischer Hilfe sind unbedingt wichtig und hilfreich. Aber ohne Berühren geht es nicht. Viele gute Ärzte berühren ihre Patienten und untersuchen mit Hilfe der Hände. Gesund werden und berühren hängen zusammen. Eben auch im übertragenen Sinne, dass ein Mensch mit seiner Krankheit einen Arzt anrührt, dass dieser zuhört, sich Zeit nimmt und hilft.

Ich glaube, durch dieses Beispiel sind wir auch gefragt. Wenn wir die Gesunden sind und haben mit Kranken zu tun, sollen wir uns von ihrer Geschichte anrühren lassen. Wir sollen Mitleid haben, mitfühlen, zuhören, an ihrer Seite sein. Eben nicht wie die Menschen damals im Dorf, die die Kranken vor die Mauer verbannten. Keine Mauer sollen wir ziehen, sondern nahe sein. Und Kranke berühren, sie besuchen, in den Arm nehmen. Wie oft mangelt es Kranken an Berührung.

Jesus macht den Kranken gesund. Das ist ein Wunder. Manchmal erleben Kranke so ein Wunder, dass sie gesund werden. Manchmal erleben sie es nicht. Manchmal findet das Wunder auch auf andere Weise statt. Wenn Menschen nicht aufgeben, wenn sie die Hoffnung behalten, wenn sie glauben und beten- dann ist das auch wie ein Wunder. Wir hätten gerne spektakuläre Wunder. Solche, die dann auch in Zeitschriften stehen. So richtig übermenschliche Wunder, gegen alle Naturwissenschaft.

Ich meine, wir sollten nicht aufhören, auf so etwas zu hoffen. Gott ist alles möglich. Daran will ich glauben und festhalten. Für andere und für mich. Gott kann gesund machen. Als Christen sollten wir anderen diese Hoffnung vermitteln. Vielleicht sogar für sie mitglauben. Gerade Kranke brauchen Menschen, die Hoffnungsträger sind.

Eines ist interessant: Jesus will nicht, dass der ehemals Kranke es weiter erzählt, dass Jesus ihn gesund gemacht hat. Warum nicht? Theologen denken sich einen Grund dafür. Sie erklären es so, dass nicht das Wunder im Mittelpunkt stehen soll, sondern der Glaube. Die Menschen sollen eben nicht wie im Evangelium von den zehn Aussätzigen nur das Wunder sehen, aber vergessen, dass Gott dahinter steht.

Der Grund für alle Wunder ist Jesus Christus. Amen.

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