Jesus heilt den Menschen an Körper, Geist und Seele

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

die Erzählung über den Aussätzigen gibt uns ein wunderbares Beispiel für ein Gebet, das von Gott erhört wird. Dem kranken Mann ist es ernst mit seinem Anliegen, er ist verzweifelt, er ist von Krankheit so geplagt, dass alles andere in seinem Leben zweitrangig geworden ist. Er bittet Jesus um Heilung, um Hilfe. Er ist ehrfürchtig. Er kniet sich nieder. Er ist demütig. ´“Wenn du willst, kannst du mich gesund machen“. Er glaubt: Jesus kann es. Er weiß, dass Er ihn gesund machen kann. Nur Jesus besitzt diese Macht. Er bittet Jesus: „Also, tu es und zeige es mir. Du kannst mich heilen“. Der kranke Mann sieht seine Not und Hoffnungslosigkeit, er gibt es zu und äußert sein Anliegen: „reinige mich“.

Und was tut Jesus? Jesus war innerlich sehr bewegt. Ja, er hatte Mitleid und Erbarmen. Und deshalb sollten wir diese Worte, diese Erzählung niemals ohne Freude und Dankbarkeit lesen. Jesus „streckte seine Hand aus und berührte ihn“. Die Hand Gottes streckt sich als Antwort auf ein demütiges, gläubiges Gebet aus. Nach dem Gesetz wurde ein Mensch unrein, wenn er einen Aussätzigen berührte. Sicher gab es auch die Gefahr der Ansteckung. Aber Jesus, der wahre Sohn Gottes machte sich mit den Menschen in ihrem Leiden eins und heilte die Folgen der Sünde, ohne von ihnen berührt zu werden.

Jesus preist die Armen: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“(Mt 5,3). Man kann auch übersetzen: „Wohl denen“… oder „Glücklich die…“ oder „Heil denen…“. Jesus preist die Armen, die Kranken, die arm in sich selber sind, arm vor Gott, die wissen, dass sie ohne Ihn nichts sind, dass sie allein von seiner Barmherzigkeit leben und darum alles, ihr ganzes Leben, von seiner Güte empfangen. In solcher Armut spiegelt sich Gottes Reichtum, seine „Entäußerung“ zum Menschen hin. Jesus fordert, in Armut, in Krankheit, Hoffnungslosigkeit und in der tiefsten Verzweiflung nicht gottlos zu werden, sondern alles von Gott zu erwarten. Wer aus diesem Vertrauen lebt, wird dadurch nicht passiv oder untätig, nein ganz im Gegenteil! Gott ist mit ihm! Und eben das ist Ermutigung, alles in dieser Lage zu tun, was möglich ist. Und solches Vertrauen setzt Kräfte frei, die Lage zu meistern, denn es bewahrt vor Selbstaufgabe und Resignation und befähigt, die Möglichkeiten, die sich dazu bi8eten, zu sehen.

Jesus liebt das Leben und bejaht es in vollem Umfang. Er bejaht die Freude am Leben. Aber er fordert auch dazu auf, die ganze Wirklichkeit des menschlichen Lebens in seinen beglückenden und mühseligen Dimensionen zu sehen und anzunehmen und auch dort das Leben zu bestehen, wo es heillos, krank, beschädigt, verzerrt, ohne Hoffnung, sinnlos scheint. Hierin grade kann sich Nachfolge beweisen. „Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“ (Mt 10,22)

Aber wie oft fehlt einem Menschen dazu die Kraft! Er kann vor Schmerz und Verzweiflung gar nicht am morgen denken, ist schon zufrieden, wenn er es heute, den Tag schafft und durchhalten kann. Aber vielleicht kann ihn der Glaube – wie den Aussätzigen in unserer heutigen Erzählung – helfen, dass Jesus, der gekreuzigte ihm, uns nahe ist, uns trösten kann und will und uns wieder für die nächste Stunde Kraft geben kann, durchzuhalten. Aber kann in solcher Lage nicht auch das Angesicht des Gekreuzigten verblassen? Und was, wenn „der letzte Rest Mensch-sein“, in Qualen und Hoffnungslosigkeit zerbrochen wird, durch Schmerzen und schwerer Krankheit?

Jesus wendet sich dem kranken Mann zu und sagte: „Ich will es, ich will dich heilen.“ Und Jesus machte diesen Menschen gesund und heilte ihn. Die leibhaftige Nähe und Verbindung ist in den Tagen der Krankheit besonders wichtig, wenn wir die Hand eines Kranken halten, dann spürt er unsere Zuwendung und Liebe und das tröstet ihn, gibt ihm Kraft. Es ist wichtig, dass wir unseren Kranken Mut machen. Es ist nicht damit getan, mehr oder weniger überzeugend, vielleicht zweifelnd zu sagen, "Es wird schon wieder", sondern „Wir wollen alles tun, damit es wieder wird.“

Was können wir von Jesus für unseren Umgang mit anderen Menschen lernen? Er liebt den Menschen. Er hilft ihnen. Er weiß, was die Menschen brauchen und gibt ihnen das (z.B. Mensch mit unsauberem Geist: Er sagte nicht das, was er wollte, doch Jesus gab ihm, was er brauchte). Er hilft den Schwachen und Verachteten; wir sehen gerne die Starken. Er betet vor der neuen Aufgabe, vor neuen Begegnungen. Er bleibt nicht dort, wo er sich wohlfühlt, sondern dorthin, wo er gebraucht wird. Jesus ist nicht gekommen, um die Krankheiten aus der Welt zu schaffen, sondern um die Menschen zur Umkehr des Herzens zu rufen. Wo das geschieht, beginnt das Reich Gottes. Und manche Krankheit kann zum Schlüssel werden auf dem Weg dorthin.

Der Aussätzige weiß um seine Krankheit und bittet demütig um Heilung. Rein werden will er, nicht nur einfach körperlich gesund. Er will aufs Neue hinein¬genommen werden in die Gemein-schaft mit Gott und den Menschen. Das Wie und das Wann musst du freilich ihm überlassen – aber sei gewiss: Dein Hilferuf bleibt nicht ungehört. Und alle Heilung beginnt damit, dass dein Haupt¬gebrechen geheilt wird, dein Seelen-Aussatz, deine Unreinheit, deine Sünde. „Ich will’s tun; sei rein!“ – diese Worte darfst du hier und heute un¬einge¬schränkt auf dich beziehen.

„Im selben Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war geheilt.“, heißt es weiter. Damit ist das Wesentliche gesagt. Der Rest der Geschichte geht uns nur noch mittelbar etwas an. „Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: „Daraufhin schickte Jesus ihn sofort weg und befahl ihm: »Geh zum Priester und lass dich von ihm untersuchen. Sprich unterwegs mit niemandem.“Diese wiederholte Auf¬forderung an Geheilte hat nur eine vorläufige Bedeutung für die Zeit vor Jesu Tod und Auf¬erstehung. Jesus wollte nicht, dass man für ihn als Wunder¬doktor Reklame macht. Nicht um Heilung von Aussatz und anderen Krankheiten geht es ihm ja letztlich, sondern um die frohe Botschaft: Mein Tod ist der Tod deiner Sünde, meine Auf¬erstehung ist dein ewiges Leben. Mit dieser Botschaft konnte er die Jünger freilich erst nach Ostern be¬auftragen. Aber den alt¬testament¬lich vor¬geschriebe¬nen Weg der Rein¬sprechung trägt er dem Geheilten auf: „Geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.“ Auf diese Weise erfuhr die Heilung offizielle An¬erkennung, und der Geheilte konnte problemlos in die Ge¬sellschaft und in die Gottesdienst¬gemeinde zurück¬kehren.

Was nun folgt, ist typisch menschlich. Der Mensch tut oft gern das Gegenteil von dem, was er soll. Der Geheilte hält sich nicht an Jesu Verbot und erzählt munter von seiner Heilung in der ganzen Umgebung, sodass Jesus sich in dieser Gegend kaum mehr retten kann vor den Scharen Kranker, die man zu ihm bringt. Am Schluss der Geschichte heißt es: „Er ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.“ Der Geheilte erzählt von seiner Heilung, obwohl er es nicht tun sollte.

Und wir?
Wir dürfen und sollen von unserer Heilung weiter¬erzählen – aber wir unterlassen es oft! In Gesprächen mit Kirchenfernen Leuten ist es uns fast peinlich, über unseren Glauben und unseren wunderbaren Heiland Jesus Christus zu reden. Der ehemals Aussätzige sollte schweigen und redete; wir sollen reden und schweigen!

Vielleicht kann uns dieser Mann, dieser Geheilte, das Reden lehren. Warum redete er selbst wohl? Darum, weil er von dieser un¬glaublichen Heilung so erfüllt war, dass er offenbar nicht schweigen konnte! Sein ganzes hoffnungs¬loses Leben hatte plötzlich eine Wendung zum Guten genommen. Vielleicht ist uns bloß nicht voll bewusst, dass es uns ebenso ergeht durch Jesus Christus. Denkt einmal daran, wenn wieder jemand sagt: „Hauptsache gesund!“ Vielleicht könnt ihr dann erwidern: „Ja, Hauptsache gesund – geheilt von dieser elenden Krankheit Sünde durch Jesus Christus.“ Amen.

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