Gott gehorchen macht frei

Als ich noch Pastor in Bremen war, stand das Pfarrhaus gleich neben einer weithin sichtbaren Kirche an einer belebten Hauptstraße. Oft kamen Bittsteller. Die meisten wollten Geld oder etwas zu essen.

Manche wollten arbeiten. Sogar umsonst. Wie das? Nun, sie hatten eine Auflage von der Staatsanwaltschaft. Wegen eines Deliktes, oft weil sie etwas hatten mitgehen lassen. Oder weil sie ihre Meinung mit einem Fausschlag bekräftigt hatten. Sie waren dann zu einer Geldstrafe verurteilt worden, soundsoviel Tagessätze. Das konnten sie nicht begleichen. Alternative: Arbeiten für einen guten Zweck. Die Stundenzahl entsprach der Höhe ihres Vergehens. So meldeten sie sich bei gemeinnützigen Organisationen.

Ich teilte dem Betreffenden die Aufgabe zu. Klare Tag und Zeit vom Dienstbeginn, Art und Umfang der Arbeit wurden klar abgesprochen. Erschienen sind diese Kandidaten nie. Und wenn, dann nur für einen Tag oder etwas mehr.
Wenn es hätte klappen sollen, hätte ich den betreffenden im Pfarrhaus oder Gemeindehaus einquartieren müssen. Ihn morgens wecken. . Ihn verpflegen Während der Arbeit beaufsichtigen. Also da wäre ein Extra-Begleiter nötig gewesen. Der selber die Arbeit viel besser und schneller erledigt hätte.

Fragt sich bloß: Sind wir, du und ich im Blick auf das, was wir Gott versprochen haben zu tun, wesentlich besser und zuverlässiger als diese zu unentgeltlichen Arbeitsstunden Ableisten Verdonnerten. Danach fragt Jesus mit diesem Gleichnis.

Es geht hier um Gehorsam. Vielleicht ist der Begriff für euch Konfirmanden schon ein Fremdwort. Für die andern, die sich noch was darunter vorstellen können, ist das Wort oft negativ besetzt. Gehorsam, das gehört in eine Schublade mit so andern unangenehmen Worten wie "Dienst" und "Pflicht".
Die Bibel denkt anders darüber. Im Hebräerbrief zeigt sie uns den Erzvater Abraham als leuchtendes Beispiel für Gehorsam. Da heißt es: „Duch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte. Und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.
Auch damals haben die Zeitgenossen des Abraham sicher en Kopf geschüttelt. Gibt der doch so mir nicht dir nichts nur auf eine Gottesoffenbarung hin seinen sicheren Posten in der Stadt Haran auf. Und wird zum Dauercamper. Gehorsam? Was bringts?
Ich behaupte:
Erst der Gehorsam gibt deinem Leben Sinn und Erfüllung.

Es gibt allerdings verschiedene Arten von Gehorsam. Ich unterscheide: 1. Gehorsam aus Pflicht. 2. Gehorsam aus Einsicht 3. Gehorsam aus Glauben.

Da wäre zunächst der Gehorsam aus Pflicht. Das erinnert uns an die unausweich-lichen Bürgerpflichten. Wir müssen Steuern und Abgaben entrichten. Du mußt deinen Wohnsitz anmelden, ebenso dein Auto, den Hund, Radio und Fernsehen. All das sind meist lästige Pflichten, weil mit Geldausgaben verbunden. Dann gibt es die Schulpflicht. Alle jungen Leute müssen sich ihr unterziehen. Selbst bei der Kirche gibt es Pflichten. Wer konfirmiert werden will, braucht ein Quantum an Einträgen auf dem Gottesdienstausweis. Für das Recht auf Patenschaft und eine christliche Bestattung ist Mitgliedschaft Pflicht.

Gehorsam aus Pflicht ist ohne Zweifel unaufgebbar. Sonst kann ein Gemeinwesen nicht bestehen. Und der da in Pflicht nimmt, ob es der Staat ist, der deine Steuern kassiert, oder der Chef, dem du Montag pünktlich unter die Augen treten musst. Oder der Offizier, der eine Einheit ausbilden muss. Sie alle können nicht darauf warten, bis jeder bis hin zum untersten Rang freudig und mit voller Überzeugung über den Sinn ihres Auftrags ans Werk gehen.

Aber das Ja aus Pflicht hat oft diesen Beigeschmack der 1.Mai Demos im Sozialismus. Es ist kein Tun aus innerer Überzeugung. Den Gehorsam nur aus Pflicht erkennt man oft daran, daß einer nur das Nötigste tut. So hat auch der Sohn des Vaters in unserm Gleichnis brav ja gesagt. Ja, Vater, ich geh und helfe dir im Weingut. Ich fang sofort an. Dann streift er sich den Blaumann über, nimmt die Harke und den Eimer und geht die Straße zum Weinberg hinunter. Sobald er um die Kurve ist, wo sein Vater nicht hinterher gucken kann, schlägt er eine andere Richtung ein. Zu seiner Freundin oder wer weiß wohin.

Seltsam: Ein gewisses, allgemein zustimmendes Ja wollte der Sohn seinem Vater nicht versagen. So stehen auch manche zum Glauben. Dem christlichen Abendland mit seinen Werten, dem humanistischen Erbe wollen sie nicht zu nahe treten.

Ihr Eltern und Paten, wollt ihr, daß dies Kind getauft und nach Gottes Wort und Gebot erzogen wird? Ja!

Wollt ihr Konfirmanden auch nach eurer Einsegnung zur Kirche stehen? Ja! Wollt ihr Eheleute euren Weg gemeinsam gehen, bis daß der Tod euch scheidet? Ja!

Gehorsam aus Pflicht: Da bleibt vieles nur beim oberflächliches Ja. Und mancher macht schnell die Fliege, wenn Schwierigkeiten kommen.
Genau, denkst du vielleicht. Ist ja klar, da kann auch nichts draus werden, es muß die Überzeugung, die Einsicht dazu kommen. Damit wären wir beim zweiten

2. Gehorsam aus Einsicht.
So war der andere Sohn in dem Gleichnis. Er tat nur, was ihm einsichtig war. Er war keineswegs faul, o nein. Er verstand eine Menge von dem, was im Weinberg zu tun war. Aber an dem Tag, als der Vater ihn um Hilfe bat, hatte er wichtigeres vor. Darum sagt er: "Nein, ich will nicht!"

Was aber, wenn nun an diesem Tag die Arbeit im Weinberg gerade besonders nötig war. Weil es vielleicht tagelang nicht geregnet hatte und es mußte dringend gewässert werden? Oder die Früchte waren überreif und mußten schleunigst geerntet werden.

Wo eine Notwendigkeit ist, kann man nicht auf Einsicht warten. Die Hoffnung auf Gehorsam aus Einsicht ist trügerisch. Sie beruht auf dem Irrtum, der Mensch sei frei, das richtige zu wählen. Er werde sich von seiner Vernunft geleitet für das Gute entscheiden.

Die Bibel klärt uns auf: Menschen, die Werte wie Gehorsam oder Pflicht ablehnen, weil sie sich distanzieren wollen vom Glauben, von altmodischen Werten und Regeln, die sie bloß einengen. Sie befinden sich trotzdem in Unfreiheit und Abhängigkeit.

Verweigern wir Gott den Gehorsam, dann gehorchen wir eben jemand anderem.
Wir lesen, wie Mose das Volk Israel vor dem Einzug ins Land Kanaan vorbereitete. Er sagte ihnen. Die Leute dort wissen nichts von den 10 Geboten. Sie gehorchen den Zeichendeutern und Wahrsagen.

Oder Paulus spricht von den Begierden des Leibes, denen viele gehorsam sind.

Von welchen Stimmen läßt du dich leiten? Die Frage ist nicht, was ist am einsichtigsten, sondern: welchem Herrn diene ich?
Wir sehen also, allein mit Gehorsam aus Pflicht oder mit Gehorsam aus Einsicht kommen wir nicht weiter. Weil es nicht zur nötigen Tat kommt, auf die Gott wartet. Auf die unsere Nächsten warten. Auf die eine kaputte Welt wartet.
Nötig dafür wäre das dritte: Der Gehorsam aus Glauben
Dazu bedarf es einer Erneuerung. Jesus muss uns erst innerlich erneuern. Sonst wird es nichts mit dem Gehorsam.. Wir müssen erst neu werden Die Reihenfolge ist: Erst Glaube, dann Gehorsam.

Immer noch vertrauen viele Kirchengemeinden vertrauen darauf, dass Leute über einen Dienst, über eine Aktivität zum Glauben kommen. So wird dann geworben für den Chor, für Kaffeeausschank beim Sommerfest, für eine Kandidatur um einen Sitz in den Gremien. Wenn sie dann erst mal lange genug dabei sind, hofft man, werden sie auch zum Glauben ein Ja finden.

Viel besser ist es, eine Kirchengemeinde konzentriert sich darauf, die Menschen zum Glauben an Jesus einzuladen. Immer wieder. Da hat man Arbeit genug und auch Kosten. Man muss Zeit, Ideen und Geld investieren in Vortragsveranstaltungen, Glaubenskurse, Hausbesuche, Konzerte, wo auf Jesus aufmerksam gemacht wird. Wenn dann Leute den Glauben entdecken und sich für Jesus entscheiden, werden sie auch aktiv. Man muss nicht an ihr Pflichtgefühl appellieren. Auch nicht an ihre Einsicht. Es ist höchstens nötig, sie im Glauben zu stärken. Denn sie kommen über den Glauben zum Dienst. Ja, unter ihnen werden etliche sein, die von der Liebe zu Jesus getrieben, über ihre Einsicht hinaus, über ihre Pflicht hinaus aktiv bleiben.

Verstehen wir den Unterschied. Bei der einen Methode muß man, wenn zuwenig mithelfen, noch mehr die Trommel rühren und Appelle loslassen. In dem andern Fall würde man auf Jesus vertrauen, dass er die Seinen schon bewegt zum nötigen Tun.

Natürlich gibts auch unter den Frommen Faule, die einen Rippenstoß brauchen. Aber in der Regel ist der Gehorsam des Glaubens der gründlichste. Wie es dazu kommt, ist eigentlich ein Wunder. Der Gehorsam aus Einsicht läßt sich in gewissem Maß durch Überzeugungsarbeit erzielen. Der Gehorsam aus Pflicht durch Zwang und Drohen.
Der Gehorsam des Glaubens dagegen ist ein Wunder. Es ist ein Wunder, daß gerade der andere Sohn im Gleichnis trotz klar geäußerter Lustlosigkeit und Ablehnung in sich geht und sein Leben ändert.

Zugegeben: Den Gehorsam des Glaubens kriegt keiner in die Wiege gelegt. Auch wenn christliche Eltern sich das oft wünschen für ihre Kinder. Während beim Vertrauen auf Einsicht und Pflichtgefühl auf die natürlichen Gaben gesetzt wird, sagt Paulus einmal rückblickend auf sein Leben:
„ Ich will mich nicht verlassen aufs Fleisch!“

Damit meint er seine vornehme Herkunft, seine erstklassige Ausbildung und seine Gaben. Andere haben ihn darum beneidet. Aber nach seiner Bekehrung zu Jesus sagt Paulus: Das war im Grunde nichts wert. Es stand mir sogar im Wege. Ich möchte lieber Jesus nacheifern.

Und eigentlich gibt es auch für dich nichts besseres. Gehorchen aus Pflicht, da wirst du immer denken: Heute kann der mir noch befehlen. Aber wenn ich alt genug bin oder wenn ich genug auf der Kante haben, dann hat mir keiner mehr was vorzuschreiben.

Gehorchen aus Einsicht, da fehlt der letzte Biss. Es bleibt meist bei dem Gefühl: Eigentlich sollte ich jetzt los und die einsame Nachbarin besuchen. Eigentlich sollte ich endlich das Lehrbuch zu Ende durcharbeiten. Mach ich auch, aber nicht gleich, später bestimmt.

Dagegen, Gehorchen aus Glauben, das geht fast von allein. Wenn ein Mensch sich ganz mit Jesus verbindet, dann wird sein Herz und Geist erneuert. Fast wie von selbst geschieht dann, wozu sich unser natürlicher Mensch erst aufraffen müßte.
Darum dürfen auch wir den unfruchtbaren Weg von halbherziger Pflichterfüllung und träger Vernunftmoral verlassen. Dabei hilft es, wenn wir uns den Weg Jesu vor Augen halten. Es war kein Zwang des Vaters im Himmel, der ihm den Leidensweg aufgenötigt hätte wider Willen. Freiwillig ging Jesus den Weg ans Kreuz. Es war auch nicht vernünftig, was er da für dich getan hat. Sein Weg ans Kreuz erscheint noch heute vielen töricht. Es war freier und williger Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater. Darum heißt es von ihm:
"Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz." Und der Hebr betont an anderer Stelle: "So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt"

Das ist es, was ich auch möchte: Gehorsam lernen. Ich folge einfach dem, der besser Bescheid weiß als ich. Wenn ich alles genau mache, wie er mich anweist, dann wird es optimal laufen. Auch wenn ich an Grenzen stoße, selbst darin liegt Ziel und Zweck. Das ist auch viel sinnvoller und vor allem einfacher, als wenn ich alles selber ausdenken muß. Vor allem: Der Herr hat die Verantwortung. Wenns Probleme gibt, kann ich sagen: Das hat mein Herr in Auftrag gegeben!
Und ich kann immer absolut sicher sein: Anders als Menschen, die mich vielleicht ausnutzen, ist er immer mein Vertrauen und meinen Gehorsam wert. Er wird das nie mißbrauchen. Vielmehr wird er es lohnen am Ende der Tage. Deshalb will ich mir selber vornehmen:

"Sag ja zu Gottes Wegen, Gottes Wege sind immer gut. Er führt dich allerwegen stets in seiner Hut." Amen.

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