Der Herr baut mit

Das Leben ist eine Baustelle. Hat mal jemand gesagt und damit den Nerv der Zeit getroffen. Aber wie das so ist mit Baustellen. Man muss auch nach ihnen sehen. Ob alles rund läuft, ob alles in Ordnung ist und am Ende auch das rauskommt, was am Anfang geplant war, oder ob noch Verbesserungen im laufenden Bau drin sind.

Das Leben ist eine Baustelle, das geht auch darüber hinaus. Es ist wie eine lästige Autobahnbaustelle – nie zu Ende. Zeitlebens. Darum muss ich immer wieder neu hinsehen. Muss überlegen, was jetzt zu geschehen hat. Ob mir mein Leben so gefällt, wie ich es mir gestaltet habe. Oder was könnte ich anders machen besser machen. Und wo muss ich lernen zu akzeptieren, dass es nicht besser geht, dass manches Flickschusterei bleibt?

Jesus gebraucht dafür ein Bild:

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Manche altvertrauten Texte hört man plötzlich ganz anders. So geht es mir auch mit diesem Bild, das Jesus gebraucht. Die Wasser, die ein Haus vernichten erinnern mich in diesem Jahr an den Tsunami, an Tod und Zerstörung und an Fukushima, an eine strahlende Ruine, von der keiner weiß, wie unendlich die Geschichte a’la Tschernobyl weitergeht.

Natürlich überfrachte ich damit die Geschichte, die Jesus erzählt. Der Hintergrund ist viel banaler.

Jesus hat nach der Erzählung des Matthäus seine Bergpredigt gehalten. Vor vielen Menschen viel gesagt zum Willen Gottes. Von Frieden hat er geredet, von den Schwachen und Armen, die er selig gepriesen hat, von Gerechtigkeit, die besser sein soll als die der Frommen seiner Zeit.

Und dann beendet er seine Rede mit dem Doppelgleichnis vom klugen und vom törichten Menschen.

In dem Bild vom Bauen eines Hauses wird deutlich: Ich brauche ein Fundament für meine Planungen, etwas Solides, das den Bau auch dann noch trägt, wenn Sturm oder Unwetter alles in Frage stellt. Solch ein Fundament bietet Jesus mit seiner Friedensbotschaft an, mit Seligpreisungen und Antithesen. Töricht ist, wer nicht so tut, wie Jesus predigt. Es geht um eine klare Richtungsentscheidung. Töricht ist, wer nicht den Frieden sucht und nicht bereit ist, dafür persönliche Interessen hinten an zu stellen.

Es geht um keine Theorie, wie Leben gelingen kann, sondern es geht um klare Inhalte der praktischen Lebensgestaltung. Es geht um Fragen wie: Wie gehe ich um mit meinen mauligen Nachbarn. Wie gehe ich um mit den Lästerreden. Wann leiste ich Widerstand wenn Lebensinteressen berührt werden, wenn Rassistensprüche die Runde machen. Ich muss einen Hintergrund haben, aber die Schritte im Alltag muss ich selber gehen. Meine Entscheidungen treffen auf der Grundlage meines Glaubens. Mein Leben braucht ein Fundament, meine Entscheidungen eine Grundlage.

Es geht eben nicht um irgendein zukünftiges Gericht. Es geht um das Jetzt, in dem sich mein Glauben bewährt, in dem sich mein Handeln bewährt, in dem ich mit mir identisch bin – oder nicht. Und in dem ich meinem Herren nahe bin oder mich systematisch von ihm entferne, weil mein persönlicher Erfolg so unendlich wertvoll ist, dass alles Andere zurückstehen muss.

Das Gleichnis ist so aufgebaut, dass jeder sagt: Natürlich – so ist das – vielleicht um beim näheren Nachdenken zu merken: So klug, wie ich meine, verhalte ich mich ja gar nicht. Ich bin auch so ein Tor, der manches Haus auf Sand baut.

Der Bau einer Sandburg ist für mich ein Gegenbild aus meiner Erinnerung. Am Strand von Sylt in tagelanger Kleinarbeit erbaut. Angeblich sind es nur wir Deutschen, die so etwas lieben. Und ich habe das früher auch gerne gemacht. Und es ist eigentlich egal, wie schön und sorgfältig ich baue, oder wie schlampig. Nach ein paar Tagen ist die Burg vom Wind verweht, vielleicht auch vom Hochwasser überflutet. Es war ein Bauen auf kurze Zeit. Mit dem einzigen Sinn der Freude am Bauen. So kann man natürlich auch bauen. So kann man auch leben. Mit Freude am Leben. Und das ist wichtig – die Freude am Leben. Aber wenn es mehr sein soll als eine kurzfristige Freude wie beim Bau einer Sandburg, dann braucht es ein Ziel, dann braucht es Sinn und Inhalt.

Spaßorientiertes Leben kann auch wichtig sein. Aber der Spaß darf nicht die wesentliche Maxime im Leben bleiben. Da braucht es festere Fundamente. Da braucht es Beständigkeit und Dauerhaftigkeit.

Am Ende der Bergpredigt lädt Jesus alle Menschen, die ihm zuhören ein zu einer besseren Gerechtigkeit. bessere Gerechtigkeit will nicht nur erkannt sein, sondern auch getan werden. Jede Theorie ist Müll, wenn sie nichts mit der Praxis zu tun hat. Jesus lädt mich mit seinem Bild ein zur Inspektion meines Bauens. Wofür lebe ich? Das ist eine Frage, vor die er mich mit seinem Bild stellt. Welche Ziele habe ich, welche Ideale. Und wie sieht meine Grundlegung aus, dass davon auch etwas Wirklichkeit wird in meinem Leben.

Völlig klar: Wer reich werden will oder berühmt, muss etwas dafür tun. Wer ein erfolgreicher Sportler werden will muss schon als Jugendlicher trainieren und auf den meisten Spaß im Leben verzichten. Vielleicht kommt er damit zum Ziel. Aber nicht jedes Talent wird auch Millionär.

Wer ein Christenmensch sein will, muss dafür auch einiges tun, auf manches verzichten. Das Fundament muss stimmen und der Rest auch. Aber dafür hat es Verheißung: Der Harr baut mit an meinem Bau des Lebens. Darauf darf ich mich verlassen.

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