Zack! Jesus getroffen und schon ist alles o.k.!

Predigt am 5.Sonntag nach Trinitatis 2011 in den Ev.Kgm Widdershausen und Leimbach

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Text: Johannes 1,35-42

Die ersten Jünger Jesu nach Johannes
35 Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger;
36 und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er:
Siehe, das ist Gottes Lamm!
37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach.
38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister -, wo ist deine Herberge?
39 Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen’s und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.

40 Einer der beiden, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.
41 Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte.
42 Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.

Text: Lutherbibel

Liebe Schwestern und Brüder!
Mit Jesus scheint es ganz einfach zu sein.
Man trifft ihn und folgt ihm nach. D. h. man glaubt seinen Worten vom kommenden Reich Gottes und der Annahme des Sünders durch Gottes Barmherzigkeit, also man hört sich das einige mal an und wird dann zu seinem Jünger. So erzählt es jedenfalls die heutige Nachfolgegeschichte in der Version des Johannes.
Andreas und sein Bruder Simon Petrus werden die ersten Jünger in der Version des Evangelisten Johannes, alles ohne den großen Fischfang und ohne großes Wunder.
Der Text sagt lapidar: „Wir haben den Messias gefunden –das heißt übersetzt ‚den Christus‘“!
Zack den Christus getroffen und schon geht alles klar.
Diese beiden, dieser Andreas und sein Bruder Simon Petrus, folgen Jesus, dem Christus, dem Messias, dem Lamm Gottes und wie die Hoheits- und Ehrentitel auch noch lauten mögen.

So einfach scheint das mit Jesus gewesen zu sein. Zumindest in den Anfängen des Christentums, als der Herr Jesus noch selbst über die palästinische Erde in Galiläa wanderte.
Er traf als Wanderprediger und Verkündiger des kommenden Reich Gottes, in dem Gottes Barmherzigkeit sich offenbaren sollte, irgendwelche wildfremde Menschen, die im kurzerhand folgten und Jünger genannt wurden.

Das scheint fast zu schön, um wahr zu sein und doch hat sich diese Wahrheit als Glaubensgewissheit über die Jahrhunderte und Jahrtausende ausgebreitet. Heute bekennen sich über 2 Milliarden Menschen auf dieser Erde zu diesem Jesus aus Nazareth, der im Glauben zum Messias und Erlöser der Welt wird. Auch diese sind irgendwie –nach der Papierform seine Jünger.
Die mit Abstand größte Religionsgemeinschaft der Erde nennt sich nach seinem Hoheitstitel und seinem Zweitnamen Christus, Christentum.
Das ist schon irgendwie ziemlich spektakulär und eindrucksvoll und diese Menschen können sich ja nicht alle täuschen oder dem falschen Glauben oder Messias hinterherlaufen.

Zack auf den Christus und den dreieinigen Gott getauft und schon geht alle klar?!
So einfach scheint die Sache oder doch nicht?!
Denn hinter der so einfach ausgestalteten Geschichte, die wir heute als Predigttext hören, verbirgt sich vielmehr als die kleine Begegnung und die einfache Geschichte.

1. Jesus, der Sohn Gottes, der Christus und Erlöser lässt sich finden. Und die Geschichten der menschlichen Suche nach dem Erlöser und dem, was dem eignen Leben Sinn und Orientierung gibt, sind altbekannt und schon oft erzählt worden.

2. Wer sich auf den Weg machte, dem Evangelium von Jesus Christus zu lauschen und Jesus Christus als persönlichen Erlöser im Leben anzuerkennen und anzunehmen, der wird zeit seines Lebens die nötige Glaubensstärke bekommen, um das Leben zu meistern.

3. Wer Jesus zu seinem Freund und Bruder und ihn zum Gott des eignen Glaubens als Erlöser und Heiland dieser Welt macht, der wird im Leben frei sein von unnötigen Zwängen.

4. Und der wird sich auf den Weg des Lebens mit Jesus macht, der wird die Fülle des Lebens empfangen.

Schauen wir uns einmal den einen der beiden ersten Jünger an. Simon Petrus, auf dessen späteren Glauben bzw. auch seiner kläglichen Verleugnung sich die christliche Kirche nach Jesu Tod herauskristallisierte.

Eine der ersten Geschichte mit ihm und seinem Bruder ist die Geschichte vom großen Fang, die in den anderen Evangelien erzählt wird:

Liebe Schwestern und Brüder,
das eigentliche Wunder an dieser Erzählung vom Fischfang des Petrus ist nicht nur das übervolle Boot mit Fischen. das eigentliche Wunder ist, dass Gott in das Leben eines Menschen tritt und diese Menschen mit der Fülle seiner göttlichen Liebe beschenkt. Diese Liebe heilt und macht gesund. Diese göttliche Liebe macht frei. Frei von Zwängen und seelischer Verarmung und frei für den Glauben und frei für die Verantwortung des Lebens

Und auch wenn keiner von uns der Apostel Petrus oder wie sein Bruder Andreas ist und es niemals sein wird, so kann die existentielle Erfahrung doch eine ähnliche sein.
Wenn nämlich Gott mit seiner ganzen Fülle in mein Leben eintritt, wenn der Schöpfer dieser Welt, der Geber der menschlichen Gaben, der Liebhaber des Lebens in unser Leben kommt, dann kann Leben ansatzweise gelingen. Und Menschen zu fischen heißt dabei nicht, sie zu fangen, sondern sie für die Sache Gottes zu gewinnen.
Bei dieser Geschichte geht es also nicht in erster Linie um das Fangen und Fischen von Menschen, sondern es geht um das Heilwerden unserer Existenz.
Für dieses Heilen und Heilwerden mit sich selbst, unseren Mitmenschen und mit Gott möchte ich werben.
Denn, wenn ich mich auf Gott und seiner schenkenden Liebe einlasse, dann kann ich meinem Leben einen Sinn geben. Im Evangelium von Jesus Christus finde ich Orientierung und Halt für meine brüchige Existenz. Und ich muss dem Leben nicht verzweifelt und sehnsüchtig hinter herlaufen, um noch mehr zu erleben, sondern kann mich als ein Geschöpf Gottes empfinden, das als eben dieses Geschöpf Liebe und Gnade in Fülle erfahren kann.
Ich muss nicht den großen Wurf landen, weil ich nämlich dank göttlicher Gnade und Liebe schon ein großer Wurf bin.
Jeder von uns ist ein großer Wurf, weil jeder von uns von Gott geliebt wird.
Und auch die Brüchigkeit meines Lebens, mein selbst- oder mit verschuldetes Verhalten, meine Sünde, trennt mich nicht von der Liebe Gottes und meinem Nächsten, weil sich Gott immer wieder in meinem Leben offenbart.

Wo offenbart sich Gott, wo zeigt sich Jesus mir?
Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten und sie entzieht sich in aller Regel unserem Verstand und dessen Möglichkeiten.
Doch der Glaube kommt langsam und performativ, d.h. mit der nötigen Stärke und dem nötigen Wachstum an Lebenserfahrung in unser persönliches Leben. Wer von Christus sagen wir infiziert ist, der wird sich mit seinem Leben, seinem Heil und seiner Erlösungstat für ihn oder sie beschäftigen.

Ich glaube, immer dann, wenn unser Leben ansatzweise gelingt, immer dann, wenn sich Liebe unter den Menschen ereignet, immer dann, wenn ein kleine Tat oder ein Wort der Hilfe und des Trostes sich an uns ereignet, dann offenbart sich Gott mit seiner Fülle in unserem Leben.

Gegenüber Petrus und seinen Gefährten, den Jüngern Jesu, hat sich Gott in seiner Fülle offenbart.
Diese Form der radikalen Nachfolge schafften nur die Jünger und vereinzelte große Gestalten in der Kirchengeschichte wie z.B. in neuerer Zeit Mutter Teresa oder Dietrich Bonhoeffer.
Was uns aber mit allen Christen aller Zeiten vereint ist, dass
wir heute unsere Suche und Orientierung nach Sinn im Leben und einem erfüllten Leben auch bei Gott suchen und natürlich finden. Und wenn wir dies tun, wenn wir der befreienden Kraft des Evangeliums und den Geboten Gottes folgen, dann schenkt uns Gott im Glauben ein Leben in Fülle.

Nehmen wir die Jahreszeit den Sommer war?!
Es ist die Zeit des Reifens und der Ernte. Die Gabe der Natur und der göttlichen Schöpfung ist zugreifen.
Und manchmal fragen wir auch nach der Ernte unseres Lebens.
Was habe ich erreicht? Was will noch reifen?
Wir dürfen uns getrost an dem freuen, was uns gelungen ist, und dafür dankbar sein.
Dafür ist hier in dieser Kirche Raum, Gott zu danken.
Unsere persönliche Bilanz sieht aber nicht immer gut und erfolgreich aus.
Auch dafür ist hier Raum, Gott das zu Füßen zu legen, was uns beschwert, was bruchstückhaft bleibt.
Manches braucht lange Zeit, um zu reifen, Erkenntnisse, Gedanken und Verhaltensänderungen.
Hier wird jeden Sonntag die gute Nachricht von Jesus Christus verkündigt und weitergesagt:
Gott liebt uns so, wie wir sind. Er misst uns nicht nach dem Erfolg oder unseren Leistungen. Er wartet aber auf uns mit offenen Armen.
Was wir mitbringen, ob volle Ähren des Lebens oder einen kleinen Halm, nimmt er in Liebe an.
Wir sind bei ihm willkommen und er schenkt uns seine Fülle.
Ein Leben, das sich immer lohnt und das erstrebenwert ist.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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