Durch die Liebe Gottes erwählt

2011 – Jahr der Taufe. Ich kann mich nicht erinnern an meine Taufe. Aber ich weiß: Ich bin getauft – auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Da ist etwas passiert mit mir. Ich bin hinein geholt worden in die Gemeinde Gottes. Ich werde gezählt zu der Zahl der Christinnen und Christen.

Oft in ihrer Geschichte wurde dieser Akt der Taufe verbunden mit dem Gedanken der Erwählung durch Gott im Sinne unseres Wochenspruchs: Jesaja 43,1: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Richtig daran ist, dass in der Taufe Gott ja zu mir gesagt hat, auch wenn die Erwählung des Volkes Gottes – Israels – eine andere Sache ist, weil sie einmalig ist. Dieses Volk Israel hat eine ganz besondere Geschichte mit Gott erlebt. Darum werden wir als christliche Gemeinde auch immer eine ganz besondere Beziehung zu diesem Volk haben. Von der Erwählung dieses Volkes erzählt ein Text aus dem 5. Buch Mose:

[TEXT]

Da steht eine ungeheure Heilszusage in diesem alten Text: Ihr seid! – Nicht wegen Eurer Bedeutung, sondern allein aus Liebe und Gnade und trotz allen Fehlverhaltens. Ein bisschen erinnert mich das an verzweifelte Eltern, die das Fehlverhalten ihres Kindes eingestehen müssen und trotzdem an ihm festhalten, alles mögliche investieren um den Schaden gering zu halten, Zukunftschancen für ihr Kind auch dort offen zu halten, wo es selbst sie sich verbaut hat.

Gottes Gebote haben darin ihren Hintergrund: Gott will, dass menschliches Leben gelingt. Er will, dass wir Hilfen bekommen zum Leben. Darum ist es eigentlich auch unvorstellbar für den Schreiber dieses Buches, dass Menschen sich gegen die Gebote Gottes stellen. Das Hören auf die Gebote und Tun des Willens Gottes ist für ihn nur eine Folge dieser vorauslaufenden Liebe Gottes. Darum sind auch seine angedrohten Strafgerichte nur eine Theorie.

Wichtiger ist das Andere: Weil Gott sein Volk liebt, wird er es auch nie verlassen, auch wenn es manchmal so scheint. Und da ist ja Einiges, egal ob wir an das Volk Gottes denken und die Verfolgung der Juden über Jahrhunderte in Europa und Asien. Eigentlich gab es dieses Volk als selbständiges Volk ja nur 1 Jahrhundert. Dann war es vorbei mit Unabhängigkeit. Aber vielleicht ist das ja ein Symbol für die Zuwendung Gottes, die anders sieht als wird uns das vorstellen. Es geht bei der Zuwendung und Erwählung Gottes nicht um politische Ziele, nicht um god’s own country, wie sich die USA gerne nennen, weil sie so groß, reich und mächtig sind. Es geht um Gottes Zuwendung zum Kleinen.

Gott erwählt, wen er will. Und dabei geht es weder um Macht noch um Ansehen, auch nicht um Zukunftsperspektiven. Im Mittelpunkt steht die Liebe Gottes, mit der er sich den Menschen zuwendet, mit der er sich auch immer aufs Neue seinem Volk zuwendet.

All diese Liebe beginnt damit, dass er einem unfreien, hoffnungslos verlorenen Volk in Ägypten treu bleibt.

Was für ein Volk? Kein Gewinnervolk. In der Gefangenschaft war es, nachdem 11 Brüder den 12. Verkauft haben und ausgerechnet der hat dann Allen das Überleben gesichert. Nun mussten sie als Fronvolk dem Pharao seine prächtigen Pläne ausführen. Und gerieten dabei immer mehr unter Druck. Sollten ausgerottet werden und wurden durch Gottes Führung befreit. Und waren nicht glücklich, weil sie schnell bemerkten, dass Freiheit auch Belastung bedeutet.

Die spätere Geschichte ist von Bewahrung geprägt und zugleich von Untreue gegenüber Gott. Im Grunde ist die Geschichte Israels ein Spiegelbild der menschlichen Seele, die sich immer nur vorstellen kann, dass alles noch besser wird, egal wie sie sich benimmt. Dagegen erzählt die Bibel in der Geschichte des Volkes Gottes, wie man schlecht dastehen kann und trotzdem als Gottes auserwähltes Volk gilt. Gott ist nicht der Garant für wirtschaftliche oder militärische Erfolge. Er ist nicht der, dem man für Siege danken muss.

Erwählung ist ein Privileg, das man unverdient erhält. Die Befreiung aus den vielen Gefangenschaften hat nur darin ihren Grund, dass Gott dieses Volk sein Volk nennt. Verdient ist das alles nicht. Gott hat ein Volk erwählt, damit Heil und Heilung in die Schöpfung kommen. Er hat sich aber kein Volk erwählt, das in allem seinem Willen folgt. Das hat etwas zu tun mit dem freien Willen, den Gott den Menschen schenkt, der uns hilft zu tun, was wir wollen und manchmal auch in die Irre zu gehen.

Natürlich sind wir als christliche Kirche nicht Gottes Volk Israel, auch wenn manche Lieder das glauben machen wollen. Aber wir gehören zu Gott und darum gilt manches, was für die Beziehung Gott-Israel gilt genauso für unsere Beziehung zu Gott.

Auch die christlichen Kirchen haben oft genug den Weg Gottes verlassen, haben Menschen gequält und auch auf eigene Stärke und geistige Überlegenheit verlassen und sind dabei jämmerlich gescheitert. Opfer blieben am Wegesrand, wurden verbrannt oder ermordet, ausgebeutet oder weggeworfen.

Wir missbrauchen noch heute unsere Freiheit und zerstören Umwelt, hinterlassen unseren nachkommen einen Planeten, der kaum noch bewohnbar sein wird.

Aber wir sind getauft. Wir sind hineingenommen in einen Bund, den Jesus Christus mit uns geschlossen hat, in dem er uns gesegnet hat und seine Liebe zugewandt hat.

In diesem Sinne betrifft dieser Text dann doch auf jeden Fall christliches Gedankengut. Nicht damit an unserem Wesen die ganze Welt genesen kann.

Minderheit und Ohnmacht gehören zu den Kennzeichen Israels unter den Völkern, gehören wohl auch zu den Kennzeichen der Kirche unter den Religionen. Erwählung ist das entscheidende Datum, hinter dem alles zurückstehen muss. Den Grund für diese Erwählung finden wir allein in der Liebe Gottes. Mit dieser Liebe dürfen wir auch lieben.

Amen.

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