Erfrischung gefällig?

Anmerkung:
Die Predigt wurde zum Countryfest 2011 in Daubitz-Walddorf, in einem Festzelt gehalten.
Im Gottesdienst wurden im Anschluss an die Predigt Erfrischungstücher verteilt, auf denen ein Zettel klebte mit dem Wort "Jesus Christus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Johannes 6,35"

Liebe Brüder und Schwestern,
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Erfrischung gefällig?

Die Sonne knallt, die Luft brennt, die Hitze steht,
die Zunge klebt schon am Gaumen,
wie wunderbar klingelt es in den Ohren,
wenn jemand sagt:
Erfrischung gefällig?

Ob an einem heißen Sommertag
oder nach harter, anstrengender Arbeit,
wie wunderbar,
wenn uns jemand eine Erfrischung anbietet,
und kühles Nass die trockene Kehle befeuchtet!

Wie neugeboren fühlt man sich da,
so erfrischt,
so lebendig!

Nicht nur unser Körper lechzt an manchen Tagen nach Erfrischung,
auch unsere Seele ist oft durstig.

Wenn Alltagssorgen das Leben staubtrocken werden lassen,
oder Eintönigkeit das Leben zur Steppen werden lässt,
aber auch,
wenn das Leben grünt und blüht,
sehnt sich die Seele nach Erfrischung,
nach etwas,
dass uns lebendig werden und bleiben lässt.

Braucht der Körper eine Erfrischung,
dann trinkt und isst man was,
aber wenn die Seele düstet,
sich nach etwas sehnt,
das lebendig macht,
was dann?

Viele besuchen dann zum Beispiel einen Gottesdienst.

Denn so ein Gottesdienst ist wie eine Erfrischung der Seele.

Manch ein Lied bringt in Schwingung,
lässt den Staub abfallen.

Manch ein Gebet spült ab,
was schon langsam verkrustet.

Und auch manch eine Bibelstelle,
die in der Predigt bedacht wird,
wischt ab,
was zu kleben beginnt,
macht frisch und lebendig.

Auch die Bibelstelle,
die in dieser Predigt bedacht werden will,
will uns erfrischen.

Es ist eine Stelle aus dem Johannesevangelium,
aus dem 5. Kapitel (39-47).

Dort sagt Jesus (neue Genfer Übersetzung):

Ihr forscht in der Schrift,
weil ihr meint,
durch sie das ewige Leben zu finden.
Aber gerade die Schrift weist auf mich hin.
Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen,
obwohl ihr bei mir das Leben finden würdet.
Ich bin nicht darauf aus,
von Menschen Anerkennung zu bekommen.
Aber bei euch ist es anders.
Ich kenne euch und weiß,
dass ihr der Liebe zu Gott keinen Raum in eurem Leben gebt.
Ich bin im Namen meines Vaters gekommen,
und ihr lehnt mich ab.
Doch wenn jemand anders in seinem eigenen Namen kommt,
werdet ihr ihn mit offenen Armen aufnehmen.
Wie solltet ihr auch glauben können?
Bei euch ist jeder darauf aus,
von den anderen Anerkennung zu bekommen;
nur die Anerkennung bei dem einen, wahren Gott sucht ihr nicht.
Denkt nicht,
dass ich euch beim Vater anklagen werde.
Mose wird euch anklagen –
er,
auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Denn wenn ihr Mose wirklich glauben würdet,
würdet ihr auch mir glauben;
er hat ja über mich geschrieben.
Wenn ihr aber dem nicht glaubt,
was Mose geschrieben hat,
wie wollt ihr dann dem glauben, was ich euch sage?«

Erfrischend,
was da zu hören ist?

Oder eher wie eine kalte Dusche?

Jesus sagt,
du suchst in der Schrift,
der Bibel,
das Leben,
aber glaubst nicht,
was dort steht.

Die Schrift erzählt nämlich von mir, von Jesus,
aber du kommst nicht zu mir,
damit ich dich lebendig mache.

Jeden anderen,
alles andere nimmst du als Erfrischung,
als Quell,
der lebendig machen soll
und es doch nicht kann,
nur mich nimmst du nicht.

Du suchst Durstlöscher,
die dir doch immer nur kurze Zeit die Kehle benetzen.

Wenn du nicht einmal denen glaubst,
die dir dauerhafte Erfrischung anbieten,
die von mir reden,
wie willst du dann mir glauben?

Klingt eher wie eine kalte Dusche als wie eine Erfrischung.

Ist das so, wie Jesus es sagt?
Muss ich mich angesprochen fühlen?

Suche ich in der Bibel etwas,
das mich lebendig sein lässt,
aber glaube nicht,
was dort steht.

Viele suchen ja nicht einmal mehr in der Bibel
in der Hoffnung,
dort etwas zu finden,
dass das Leben lebendig macht.

Und die, die suchen?
Glauben sie dem,
was sie finden?

Heute war z.B. zu hören:

Gottes Stärke zu kennen,
ist die Wurzel der Unsterblichkeit. (Weisheit 15,3)

Oder:
Jesus Christus sagt:
Ich bin das Brot des Lebens.
Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern;
und wer an mich glaubt,
den wird nimmermehr dürsten. (Johannes 6,35)

Oder:
Deine Mahnungen, Herr, sind gerecht in Ewigkeit;
unterweise mich, so lebe ich. (Psalm 119,144)

Glaube ich,
dass Gott mir Unsterblichkeit schenkt,
dass mein Leben mit all dem Guten und Bösen,
dem Schönen und Schweren
einst zu Ende sein wird in dieser Welt,
aber vollkommen und heil werden wird bei Gott,
zu dem ich zurückkehren werden,
wenn meine Schritte alle gegangen sein werden,
weil ich durch meine Taufe wie Jesus zurückkehren werde?

Glaube ich daran,
dass mein Hunger und mein Durst nach Leben,
nach gelingendem Leben
gestillt werden kann,
wenn ich Jesus vertraue,
wenn ich höre,
was er mir anbietet und es annehme?

Glaube ich,
dass es gut für mich ist,
mich von Gott unterweisen zu lassen,
bei ihm in die Schule zu gehen,
weil ich so leben werden kann,
echt und ganz und wahr
und nicht als Hülle,
als Objekt,
als etwas,
das man benutzt und dann wegschmeißt?

Glaube ich wirklich daran
oder geht es ins eine Ohr rein und ins andere raus?

All diese Fragen,
die Jesus da aufwirft,
sie wirken vielleicht wie eine kalte Dusche,
weil sie an die Substanz gehen,
wenn ich mich ihnen ernsthaft stelle.

Aber eigentlich tut das mal ganz gut.

Denn das Erfrischende an dem,
was uns Jesus heute serviert ist:

Er wirft mir zwar Einiges an den Kopf,
aber er macht das nicht,
um dann auf dem Absatz kehrt zu machen
und mir den Rücken zuzukehren.

Er macht das,
weil eine kalte Dusche manchmal Not tut,
um wieder klar zu werden.

Denn wer klar ist,
der begreift:

ich sollte öfter mal die Erfrischung annehmen,
die Jesus mir anbietet,
sollte,
wenn mir wirklich daran liegt,
echt zu leben,
das Leben in Fülle zu haben,
wie es die Bibel so schön formuliert,
doch mal wieder ernsthaft ein wenig die Bibel lesen.

Oder wenn ich nicht der Typ zum Selbststudium bin,
ab und zu in den Gottesdienst kommen,
um meine Seele erfrischen zu lassen.

Hier wird das Leben angeboten.

Hier kann meine staubige, verkrustete Seele gewaschen werden.

Hier heißt es jeden Sonntag:
Erfrischung gefällig?

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

drucken