Der deutsche Durchschnittsmann und die Weihnachtsgeschichte

Liebe Gemeinde.

Es gibt Sätze und Aussagen, die eine unglaubliche Macht über uns Menschen haben können. Positiv wie negativ.

Ich fang mal mit den negativen an.
Wir machen jetzt mal einen kleinen Exkurs zum Thema Statistik.

Ich hab hier eine lange Liste mit Zahlen.

226 Euro –
Das ist exakt der Betrag, den wir Deutschen in diesem Jahr pro Person für Weihnachtsgeschenke ausgeben wollten. Übrigens fünf Euro mehr als im Vorjahr. Das ergab eine Umfrage der Unternehmensberater Ernst & Young unter 2000 Verbrauchern.

57 % –
aller Deutschen verschenken Bücher, Geld oder Gutscheine.
49 % Kleidung
und 45% CDs und DVDs

Na – liegen Sie mit Ihren Geschenken im Trend?
Oder ist Ihnen das völlig egal. Lass die Statistiker doch zählen und schätzen. Ich verschenke, was mir gefällt und nicht was alle verschenken!

Statistik ist schon ein komischer Berufszweig, da wird gezählt und gefragt und geschätzt – auf jede noch so ungewöhnliche Frage gibt es eine Antwort, das kann man schätzen, sagen die Statistiker.
Noch ein paar Beispiele gefällig?
Der Durchschnittsdeutsche Mann wiegt 82 Kilo, ist 1,78 m groß, fährt 7 Tage pro Jahr in den Urlaub, kauft seiner Frau einmal pro Jahr Blumen, verbringt weniger als 9 Minuten pro Tag mit seinen Kindern, dafür guckt er 3 ½ Stunden pro Tag Fernsehen und trinkt 127 Liter Bier im Jahr.
Der deutsche Durchschnittsmann.
Wenn ich so eine Statistik in der Zeitung lese, dann ertappe ich mich immer bei dem Gedanken, wie ich mich einordne. Ein Glück, ein paar Kilo weniger, einmal Blumen für meine Frau mehr (die anderen Vergleiche behalte ich für mich)

Spaß beiseite. Was ich tue, ist:
Ich messe und vergleiche mich. Oder anders gesagt, ich orientiere mich daran.
Zahlen wohin man schaut.

Und so wird diese Liste hier immer lang und länger
(Liste langsam die Kanzel runtergleiten lassen)

Eine Statistik habe ich noch. Die ist von mir – selber gezählt. Und mit ihr nähern wir uns auch dem, worum es heute Abend eigentlich geht: Die Weihnachtsgeschichte.

Schätzen Sie mal. Welches Hauptwort oder Verb vom Wortstamm her kommt in der Weihnachtsgeschichte mit am häufigsten vor?

Ich habe mal gezählt. Der Wortstamm „schätzen/Schätzung“ kommt in der Weihnachtsgeschichte insgesamt 4 mal vor und ist damit eines der Worte, die am häufigsten vorkommen, übrigens häufiger als das Wort „gebären/Geburt“.

Und es gibt noch einen Grund, warum die Weihnachtsgeschichte bei Statistikern besonders beliebt sein dürfte.

Maria und Josef – und mit Ihnen viel tausend andere brechen ja auf, um sich schätzen zu lassen. Ein jeder in seine Stadt. Also an den Ort, wo er geboren ist.
Eine Volkszählung. Der Kaiser brauchte verläßliche Zahlen – Telefonumfragen und Hochrechnungen gabs damals noch nicht, also mußte ein jeder einen weiten Weg auf sich nehmen, um sich in seiner Geburtsstadt in die Steuerlisten eintragen zu lassen.
Und mit Hilfe dieser Listen, konnten die Beamten des Kaisers dann genau berechnen, wieviel Geld sie aus der Provinz herauspressen und nach Rom schicken konnten.

Auch bei Maria und Josef ging es also um Einschätzung. Wieviel Geld konnten sie dem Kaiser bringen. Was waren sie wert.
Und daran hat sich dann der Kaiser mit seiner Politik orientiert.

Genau dazu ist Statistik da: es wird bemessen und bewertet. Wir werden nicht nur ständig gezählt, sondern auch ständig bewertet.

All die Umfragen und Schätzungen dienen ja nur dazu, uns in eine Art Dauervergleich zu stellen.

Und genau darum geht’s: ich soll mich an irgendwelchen willkürlich zusammengestellten Zahlen orientieren.

Wir Menschen sind ja meistens so gestrickt, dass wir uns an der Mehrheit orientieren. Wenn wir das tun, was alle tun, können wir nicht ganz falsch liegen. Und wer liegt schon gerne falsch. Immer schön am Durchschnitt orientieren.

Die Hälfte aller Deutschen hat schon einen Flachbildfernseher. Na dann muss ich ja auch einen haben. Und wenn ich mir das nicht leisten kann – dann gehöre ich nicht dazu. Wenn ich das habe, was alle haben, bin ich mittendrin. Das ist das Prinzip von Mode. Und ich persönlich finde es unheimlich schwer, mich dem zu entziehen.

Einander vergleichen setzt also unter Druck. Unter Kaufzwang.
Und so werden Wünsche geschaffen, die man sonst nie haben würde. Einfach weil man dazugehören will. Wenn ich das tue, was alle tun, gehöre ich dazu.

Aber wenn wir genau hingucken, dann wissen wir: Das Gefühl dazuzugehören ist ein trügerisches Gefühl, letztendlich führt es zu nichts anderem als Einengung und Zwang. Im ständigen Dauervergleich wird man keine Orientierung finden. Auf Dauer kann man sich dabei nur schlecht fühlen.
Das, was mir hilft mein Leben besser zu leben, finde ich nicht im Vergleich mit anderen. Dazu brauche ich wahre Orientierung.
Einen Halt, der mich wirklich trägt. Ohne dass ich ihn vorher selber schaffen oder kaufen muß.

Gucken wir einfach noch mal in die Weihnachtsgeschichte. Die Hirten auf dem Feld begegnen einem Engel, der ihnen mit einem Satz eine völlig neue Richtung ermöglicht und ihr Leben komplett umkrempelt.
Ein Satz im richtigen Moment gesagt: „Fürchte dich nicht!“
und alles ändert sich mit einem Schlag. Die Klarheit des Herrn leuchtete um sie heißt es in der Bibel und dann sind sie zum Kind in der Krippe gegangen und haben allen davon erzählt, denen sie begegnet sind.

Manchmal sind es genau diese zunächst kleinen Sätze, die hinterher Großes bewirken können. Ein Freund oder eine Freundin, die in einem schweren Moment das richtige sagt und so sehr mein Inneres berührt, dass ich mit einem Schlag verändert bin.
Und wo ich mich vorher elend gefühlt habe, geht es mir besser.
Oder ein Satz aus einem Buch, der mich und meine Situation haargenau trifft. Oder eine Erinnerung, die genau in dem Moment in mir laut wird, wo ich sie am meisten brauche und ich werde heil.

Der Satz, den der Engel zu den Hirten sagt, ist so ein Satz. „Fürchte dich nicht“ – nebenbei, es ist einer der meist gesagten Sätze in der Bibel.

Es gibt Sätze und Aussagen, die eine unglaubliche Macht über uns Menschen haben können. Positiv wie negativ.

Ich ende mit den positiven.

Die ganze Bibel ist voll von solchen lebensbejahenden Sätzen. Sätze die stark machen und Kraft geben – und Sätze, die im richtigen Moment gesagt oder gelesen eine unglaubliche Wirkung entfalten können.

Ich hab zum Ausgang für jeden von Ihnen so einen Satz. Den will ich Ihnen mitgeben.
Mein Weihnachtsgeschenk an Sie: Ein Keks mit einem Bibelvers.
Und ich wünsche Ihnen, dass er genau im richtigen Moment für Sie laut wird.

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