Gott lädt ein

Liebe Gemeinde,

vor einigen Wochen gab es eine große Hochzeit. Prinz William und Kate Middleton haben geheiratet. Wie nicht anders zu erwarten wurde diese Hochzeit mit großem Pomp und vielen hundert Gästen gefeiert. Und Millionen haben das alles am Fernseher mit verfolgt. So ist das, wenn berühmte Menschen, wenn Könige heiraten – meint man, denn Jesus erzählt eine ganz andere Geschichte.

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Liebe Mitchristen, das wäre eine Hochzeit der ganz anderen Art geworden. Jesus erzählt uns ja nur ein Gleichnis, es steht also keine tatsächlich Hochzeit im Hintergrund. Aber stellen wir uns einmal vor Prinz William und Kate hätten eingeladen und alle Gäste hätten nach und nach abgesagt. Mit guten Gründen selbstverständlich, so wie wir das für gewöhnlich tun.

Beide hätten daher noch einen zweiten Versuch unternommen und die gleiche Reaktion: Ich mag nicht kommen, ich habe keine Zeit, ich muss noch dies und das tun.

Und stellen wir uns weiter vor, beide hätten dann die gleiche Konsequenz gezogen und wahllos Leute, die durch London laufen eingeladen, Leute wie Sie und mich, die zufällig dort Urlaub machen, die dort arbeiten, oder die gerade Einkäufe erledigen.

Vielleicht wären wir uns fremd vorgekommen. In jedem Fall wäre das eine eigenartige Situation gewesen.

Enttäuschend ist das Ganze schon. Die geladenen Gäste kommen nicht und unter die, die man dann holt mischt sich auch noch einer, der sich daneben benimmt. Zu einer Hochzeit kommt man ordentlich, nicht in zerfetzten Kleidern, das ist doch klar. Einen solchen Gast will man nicht haben. Die Etikette hat ihn nicht gestört also muss sie den Gastgeber auch nicht stören. Er wird rausgeworfen. Basta.

Liebe Gemeinde, wir können uns das alles plastisch vorstellen, wir können die Gedankengänge nachvollziehen und trotzdem bleiben uns Fragen.

Warum kommen die Gäste nicht?

Wieso wird dann ein Gast, den man erst bittet rausgeschmissen? Und was soll dieses Gleichnis eigentlich bedeuten?

Nun, Matthäus schreibt sein Evangelium mit ganz engem Bezug zu seiner Herkunft aus dem Volk Israel. Die Situation der Gemeinde in der er lebt ist die, dass sich wenige einladen lassen dem christlichen Glauben zu folgen. So wie bei dem Gastmahl. Die Relevanz des Glaubens für das persönliche Heil wird nicht gesehen. Warum auch? Mit dem bisherigen, dem jüdischen Glauben, den man lebt und in dem man sich auskennt, fährt man gut.

Weil es für die Gemeinde aber wichtig ist den Glauben auszubreiten, weil sie ein Sendungsbewusstsein hat und weil Jesus dies auch schon vorgelebt hat, will man den Glauben weiter ausbreiten. Man missioniert nun auch unter der nicht jüdischen Bevölkerung. Man geht in Gebiete in denen die „Heiden“ in der Mehrzahl sind.

Davon lassen sich offensichtlich viele einladen. Sie kommen zum Festmahl.

Dass man sich dafür aber auch zurechtmachen muss, dass man sich nicht nur einladen lassen darf und keine Konsequenzen daraus zu ziehen hat, davor warnt unser Beispiel mit dem nicht richtig gekleideten Mann. Wer zur Hochzeit geht muss ordentlich gekleidet seien. Wer Christ sein will muss dem Glauben auch Relevanz im Leben einräumen und Taten folgen lassen. Das ist der Gemeinde wichtig.

Liebe Mitchristen, so weit so gut. Wenn Sie diese Gedanken nachvollziehen können, dann stellt sich eine letzte Frage: Was sind denn die Konsequenzen, die wir als geladene Gäste zu ziehen haben? Denn eines ist ja auch klar: Wir sind diese Gäste.

Im Beispiel sollen wir uns recht kleiden, was bedeutet das nun konkret?

Ich würde sie gerne fragen, was das konkret sein kann. Ich denke nämlich, dass sie das selbst wissen.

Dennoch- ein paar Anhaltpunkte von meiner Seite.

Irgendwann haben wir uns zum Glauben einladen lassen. Vielleicht durch den Kindergottesdienst, vielleicht bei der Konfirmation. Wir haben, regelmäßig oder hin und wieder Gottesdienste besucht, kirchlich geheiratet, unsere Kinder taufen lassen.

Nun sagen manche – das ist zu wenig. Das reicht nicht. Ihr müsst euch stärker engagieren, ihr müsst viel mehr tun für euren Glauben.

Ich denke „ja“ und „nein“. Ich denke „ja“, weil ich als Christ mehr von diesem Glauben wissen möchte und mehr Erfahrungen machen möchte. Und ich denke „nein“, weil es dafür eben keine festen vorgeschrieben Formen geben kann und darf.

Ist für den einen der Hauskreis unentbehrlich, stößt genau diese Form andere ab. Ist für den einen die Mitarbeit in der Kirchengemeinde wichtig, sagt der andere „ich diene meinem Schöpfer durch die Mitarbeit beim Bund Naturschutz“. Kümmert sich jemand um praktische Dinge des Gemeindelebens, ist hilfsbereit bei Aktionen, sagt der andere, „das kann ich nicht, ich bin eher einer der alles durchdenken will, Theoretiker halt“.

Deshalb, weil wir so sind, sind unsere Gemeinden so bunt und so vielfältig, sogar auf den Dörfern.

In der vorletzten Woche hatte ich die Gelegenheit an der 1. Landkirchenkonferenz der EKD in Gotha teilzunehmen, als Delegierter der Bayerischen Landeskirche. Was man da an Ideen, an unterschiedlichen Zugängen zur Gemeindearbeit und zum Glauben in ganz Deutschland gesehen hat, das war atemberaubend. Es geht eben nicht nur um Probleme, es geht auch um Vielfalt und sich einfach darüber zu freuen.

Deshalb freuen wir uns erst mal darüber, dass wir zum Gastmahl geladen sind. Und dann freuen wir uns darüber, dass Gemeindearbeit so bunt sein kann und darf in unserer Region.

Ist es nicht ein Ausdruck von Glaube und Freude, dass eine kleine Dorfgemeinschaft wie Bödlas heuer diesen Freiluftgottesdienst ausrichten kann? War es nicht eine Freude im letzten Jahr in Brücklas, davor in Grün und Dürnberg zu feiern? Und im nächsten Jahr wird es für die Rauschensteiger eine große Freude sein den Gottesdienst bei ihnen auszurichten. Das alles sind Konsequenzen unseres Glaubens.

Hängen wir es nicht immer gleich alles so hoch. Die Vielfalt macht unser christliches Leben attraktiv und lebenswert. Die Vielfalt und eben nicht die Einfalt.

Jeder gibt seinem Leben als Christ ein eigenes Gepräge, keiner kommt auch darum herum dies zu tun. Dem einen gefällt es so, dem anderen gefällt es anders.

Nur, als Eingeladene zum Gastmahl, als Eingeladene zur Gemeinschaft mit Gott ist es unsere Aufgabe auch den Kontakt mit ihm zu suchen. Deshalb ist es schon gut sich Zeit zu nehmen fürs Gebet, für Gottesdienst, für sich und seinen Gott, auch im stillen Kämmerlein.

Liebe Gemeinde, William und Kate, das königliche Hochzeitspaar, es hat geladen und alle kamen sie, die geladenen Gäste. Ich war nicht dabei, und sie auch nicht. Ich habe ein Stückchen im Fernsehen gesehen und mir gedacht, Pomp und Pracht vergehen, das kann nicht alles sein im Leben. Ich hätte auch nicht tauschen wollen.

Bei William und Kate waren wir nicht eingeladen, aber bei Gott sind wir es. Und nehmen wir es ernst, wir sind Eingeladene, das ist ja das Schöne, wir mussten uns nicht darum bewerben, waren keinem Auswahlverfahren unterworfen. Wir wurden eingeladen. Und noch etwas: Wir sind auch hingegangen. Wir haben die Einladung angenommen, an verschiedenen Punkten unseres Lebens wurde es uns wichtig zu glauben an diesen Gott und seinen Sohn Jesus Christus. Und wenn wir vom Festmahl aufstehen gehen wir nicht alleine, andere Gäste begleiten uns in unserem Leben als Christ, unsere Geschwister, Eltern, Paten unsere Freunde und Gott selbst, durch seinen Heiligen Geist.

Deshalb lassen wir uns immer wieder einladen, auch heute zum Festmahl des Abendmahles und gehen wir so gestrakt in eine neue Woche unseres Christenlebens, ganz fröhlich und heiter und frohen Mutes, so soll es ein.

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