Ihr seid Petrus! (Konfirmation)

In Rom gibt es eine Kirche, die etwas mit Euch Konfirmanden zu tun hat: den Petersdom. Den sieht man immer mal wieder im Fernsehen, wenn der Papst irgendetwas besonderes macht, z.B. immer Ostern und Weihnachten: Dann sieht man den Papst auf dem Balkon des Petersdoms stehen und dann sagt so etwas wie: „Fröhliche und gesegnete Ostern“ in 54 Spra­chen.
Der Petersdom ist ziemlich groß. Wer schon mal da war, weiß das. Der Petersdom ist so groß, dass man unsere Stadtkirche da in die Mitte stellen könnte und sie würde nirgendwo anecken, nicht mal an einer Säule. Eine riesige Kirche.

Und wenn man fast in der Mitte steht, dann kann man zwei Dinge sehen: Unten ist das Grab des Apostels Petrus – zumindest glaubt man dass es da ist. Es ist nicht wirklich sicher, aber auch nicht unwahrschein­lich.
Petrus war einer der Jünger Jesu, ist mit ihm in Israel/Palästina unterwegs gewesen.
Von Petrus wird berichtet, dass er ein Fischer war.
Von Petrus wird berichtet, dass er wie Jesus auf dem Wasser gehen wollte, aber dass ihn sein Glaube und sein Vertrauen verlassen hat und er nach wenigen Schritten untergegangen ist.
Von Petrus wird berichtet, dass er immer treu zu Jesus stehen wollte, aber dann als Jesus verhaftet worden war und man ihm vorhielt, er sei ein Jünger Jesu, gekniffen hat: „Ich kenne den nicht“, hat er gesagt.
Nachdem Jesus gestorben und auferstanden war, ist Petrus durch die Welt gezogen und hat den Menschen von Jesus erzählt. Er ist nach Rom, in die Hauptstadt des damaligen Römischen Reiches, gekommen und hat viele Menschen dort getauft und war ein wichtiger Mensch in der ersten Gemeinde dort. Und nachdem er wegen seines Glaubens an Jesus Christus hingerichtet wurde, hat man ihn am Fuße des Vatikanhügels begraben. Und nur wenig später wurde dort die erste Kirche gebaut. Und sein Grab kann man sehen, wenn man dort steht und nach unten kuckt.

Wenn man nach oben kuckt, sieht man in die riesige Kuppel. Und innen in der Kuppel steht ein Satz über Petrus, blaue Buchstaben, zwei Meter hoch, auf goldenem Grund, auf Latein: »TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLE­SIAM MEAM – Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.« – Das hatte Jesus zu Petrus gesagt.

In der Bibel steht das so:
Jesus […] fragte seine Jünger: »Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?« Sie sprachen: »Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.« Er fragte sie: »Wer sagt denn ihr, dass ich sei?« Da antwortete Simon Petrus und sprach: »Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!«

Das hatte Jesus nie zuvor von sich selbst gesagt, dass er der Sohn Gottes sei. Und deshalb sagt er zu Petrus:
»Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.«
(Mt 16,13-19)

Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen – So steht es im Petersdom riesen­groß an der Wand. Und das hat etwas mit Euch Kon­firmanden zu tun. Eigentlich ist es auch gar nicht diese Kirche an sich, die etwas mit Euch zu tun hat, sondern Petrus. Denn ich sage diesen Satz heute zu jedem und jeder von Euch:
Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen! – Nicht „Du bist Deutschland!“, wie es vor ein paar Jahren mal geheißen hat, sondern heute heißt es: „Du bist Petrus!“
Petrus hieß eigentlich Simon. Petrus ist nur sein Spitzname und Petrus bedeutet… Stein oder Fels. „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“

Du bist Petrus, du bist ein Fels.
Ihr seid Petrus, ihr seid Felsen.

Ihr werdet heute konfirmiert. Eigentlich müsste man ja sagen: Ihr konfirmiert euch heute selbst. Bzw. noch besser: Ihr konfirmiert heute. Denn ihr bestätigt heute eure Taufe. Ihr sagt heute: „Ja, es war richtig, dass meine Eltern mich haben taufen lassen. Ja, es ist gut, dass ich getauft bin.“ Und damit bestätigt ihr auch euren Glauben. Und auch wenn Ihr vielleicht jetzt und hier und heute noch gar nicht genau wisst, was ihr glauben sollt, wenn ihr das Gefühl habt, dass es noch viele Fragen gibt, manche Dinge euch komisch vorkommen und manch ein Zweifel da ist – das ist normal. Ich verstehe euer „Ja“ so: Ihr sagt heute/jetzt gleich: „Ja, ich will auf dem Weg des christlichen Glaubens weitergehen und neues entdecken. Ich will in diesem Glauben mein Leben leben und weiter ver­suchen herauszufinden, was an Gutem in diesem Glauben steckt, was mir Kraft und Mut gibt mein Leben zu meistern. Was mit Wegweiser ist. Ja, ich will das mein Glaube an Gott und an Jesus Christus wächst und gedeiht.“
Ihr seid Petrus, ihr seid Felsen.
Nun klingt „Felsen“ ja nach etwas sehr festem. Ein Fels steht fest, geradezu unbeweglich. Ein Fels trotzt Wind und Wetter, ist nahezu unzerstörbar, fest veran­kert. Habt ihr in Euren Leben das Gefühl, ihr steht fest verankert? Nichts kann euch etwas anhaben?
Heute vielleicht, morgen schon wieder nicht mehr. Ich denke, es gehört zum Erwachsen werden auch das dazu: Lernen, dass man auch immer wieder schwankt, sich unsicher fühlt, an sich und der Welt und Gott zweifelt. Die Kunst besteht darin zwar zu schwanken, aber nicht zu fallen.

Du bist Petrus, du bist ein Fels.
Petrus war damals genauso wenig ein Fels in der Brandung. Als er auf dem Wasser gehen wollte, reichte sein Glaube nicht und er versank. Jesus musste ihn retten. Habe ich vorhin schon erzählt.
Und nach der Verhaftung Jesu war es eben Petrus, der Jesus verleugnete. Er war es der sich großspurig damit gebrüstet hatte, dass er Jesus nie verlassen würde, ja ihm sogar bis in den Tod folgen wollte. Und dann? Es waren nicht mal die römischen Soldaten oder die Tempelwächter, sondern ganz normale Menschen, die eher zufällig da waren, die ihn ansprachen: „Bist du nicht einer von Jesus‘ Leuten? Gehörst du nicht auch dazu? Du hast doch auch diesen Dialekt. Du kommst doch auch aus Galiläa. Kennst du Jesus?“ Und schon hatte er Angst und ist eingeknickt. Jesus hatte es ihm vorher auf den Kopf zugesagt. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Klinkt alles nicht nach einem Fels. Vielleicht doch eher: „Du bist Simon und auf diesen sandigen Grund will ich lieber nichts bauen“???

Nein! Du bist Petrus. Ihr seid Petrus. Trotz allem.
Denn der Fels Petrus hat trotzdem getragen. So schwankend er auch war, seine Aufgabe hat er erfüllt. »Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen«, hat Jesus gesagt. Und so ist es ge­kommen. Petrus – nicht nur Petrus, aber vor allem auch Petrus ist losgegangen und hat Gemeinde(n) ge­gründet, vergrößert, getragen. Er war ein Fels, auf der die Gemeinde Jesu Christi entstanden und gewachsen ist.
Dass aus dem Petrus, der Jesus verleugnet hat, ein Petrus wurde, der vor anderen, fremden Menschen über Jesus gesprochen hat, hat etwas gedauert. Er musste etliche Erfahrungen im Leben machen – schlechte wie gute. Und es waren die guten, die ihm Mut gemacht haben und ihm den nötigen Antrieb gegeben haben. Z.B. die Erfahrung, dass das, was er damals gesagt zu Jesus hatte, „du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“, dass das wirklich wahr ist. Denn Jesus Christus ist wahrhaftig von den Toten auferstanden.
Und ich bin mir sicher, dass diese Erfahrungen Petrus natürlich verändert haben. Aber ich bin mir genauso sicher, dass es letztendlich immer noch derselbe Petrus war. Mit den gleichen Ängsten und den glei­chen Zweifeln und den gleichen Fragen wie früher.
Und trotzdem: »Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen« – so ist es gekom­men.

Du bist Petrus! Ihr seid Petrus und auf diese Felsen will er, Jesus Christus, seine Gemeinde bauen! Ihr seid letztendlich nicht anders als Petrus.
Ihr werdet viele gute und schöne Erfahrungen machen und wenn ihr nur wollt und mutig genug seid – es braucht dazu Mut –, dann werden es auch viele gute und schöne Glaubenserfahrungen sein.
Und immer wieder wird es Zeiten in Eurem Leben geben, in denen es schwer wird. In denen ihr den Eindruck habt, dass alles, was bisher klar und sicher und richtig war, plötzlich nicht mehr gilt. In denen euch eher wie Gummi als wie ein Fels fühlt.
Aber: Ihr habt das Zeug zum Fels. Ihr seid ein Fels. Ihr seid Petrus. Und auf diese Felsen kann und wird Jesus Christus seine Gemeinde bauen! Ihr werdet feststehen und nicht wanken, auch wenn euer Gefühl etwas anderes sagen sollte. Aber ihr müsst euch auch darauf einlassen. Wenn ihr nur wollt, dann wird es klappen. Denn nicht ihr baut die Gemeinde, sondern ein anderer.

Und wenn Ihr mal nach Rom kommen solltet und in den Petersdom geht, dann schaut nach oben in die Kuppel. Oder noch besser geht hoch in die Kuppel. Da hat man eine wunderbare Aussicht auf Rom und innen kann man die Schrift lesen: TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLE­SIAM MEAM – Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Und dann denkt daran, dass das auch für Euch gilt.

Es ist ein Versprechen, dass Christus selbst euch die Kraft gibt und euch zutraut großes zu vollbringen. Und es ist eine Aufgabe: Nämlich am Glauben festzuhalten und auf diesem Weg zu bleiben und am Aufbau der Gemeinde mitzuarbeiten. Es ist von nun an auch an euch den Glauben weiterzugeben.

Denkt daran, wenn ihr nach Rom kommt und nicht nur dann. Sondern am besten jeden Tag:
Ihr seid Petrus und auf diesen Felsen will Jesus Christus seine Gemeinde bauen!
Amen.

drucken