Tatort Bibel: Ein Thriller über Gehorsam und Bewahrung – Eine Predigt zu Gen 22,1-13

Predigt zu 1. Mose 22,1-13

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Liebe Gemeinde!

Lesung von 1.Mose 22,1-13 Abrahams Versuchung (ich werde wohl den Text einfach in Kopien in die Gemeinde geben, weil die Predigt den Inhalt sowieso erzählt.)

Liebe Gemeinde, da soll noch einmal jemand sagen, die Bibel sei langweilig – weit gefehlt! Schweißgebadet und verstört kann einen diese Geschichte zurücklassen, schwankend zwischen Erleichterung, dass es am Ende gut ausgegangen ist, zwischen Wut und Unverständnis über den grausamen Auftrag Gottes und Staunen über das große Vertrauen Abrahams. Ein echter Thriller. Diese Geschichte kann mit jedem guten Tatort mithalten und sie schickt uns als Hörerinnen und Hörer durch so einige Gefühlslandschaften. Schauen wir uns die einzelnen Szenen dieses Krimis noch einmal an:

Szene 1: Der Auftrag

Abraham sitzt in seinem offenen Zelt und denkt über die Ereignisse der vergangenen Jahre und Wochen nach. Vieles geht ihm durch den Kopf. Der Film lässt uns in kurzen Rückblenden daran teilhaben: Seine Berufung in Ur und das Versprechen Gottes, ihn zu einem großen Volk zu machen. Für ihn keine Frage: Der zu diesem Zeitpunkt 75-jährige packt seine sieben Sachen, seine Familie, verlässt alles was ihm vertraut ist und zieht los, der Stimme Gottes gehorchend. Dann schnellere Schnitte im Film: Die Trennung von seinem Neffen Lot, die erneute Verheißung Gottes auf viele Kinder und der Segen vom mächtigen König und Priester Melchisedek aus Salem, der ihn tief berührte. Und dann noch mal das Versprechen von Gott: Du wirst so viele Nachkommen haben wie es Sterne am Himmel gibt. – Der alte Abraham glaubte das. Sara, auch schon hochbetagt, mehr mit beiden Füßen auf dem Boden stehend, kann es nicht glauben und so kommt es zu Ismael, dem Kind von Abraham mit Saras Magd Hagar. Und dann, als niemand mehr damit rechnet, geschieht es doch noch. Sara und Abraham bekommen ein eigenes gemeinsames Kind. Die Geburt von Isaak kommt ins Bild. Zwei Greise werden Eltern. Ein verschmitztes Lächeln huscht über Abrahams Gesicht und er schaut gerührt in den Sonnenuntergang. Er denkt an seinen geliebten Sohn der jetzt gerade dabei ist, erwachsen zu werden. Sein ganzer Stolz, seine Zukunft, die Zukunft eines großen Volkes… Gott hat sein Versprechen gehalten, da ist sich Abraham ganz sicher.

In diese Gedanken bricht die Stimme Gottes, die Abraham schon kennt. „Abraham!“ – „Hier bin ich.“ Und dann der grausame Auftrag. Die Idylle zerstört, die Farben im Film wechseln vom zartrosa des Sonnenuntergangs zu dunklen und schwarzen Gewitterwolken. Abraham sagt kein Wort, keine Erwiderung, keinen Protest. Er legt sich hin und schläft. Die Erzählung macht eine Pause. Der Zuschauer bekommt Zeit sich das ganze Ausmaß dieses grausamen Auftrages auszumalen und sich die bange Frage zu stellen, wie Abraham darauf reagiert: Wird er sagen: Nein, Gott, so nicht. Bis hier her und nicht weiter. Wenn du von mir verlangst, dass ich für dich mein Alles, meine Zukunft zerstöre, meinen eigenen und einzigen Sohn töte, dann mach dein Ding ohne mich. Oder wird er sagen: Nimm mich anstelle meines Sohnes, wenn schon Blut fließen muss? Oder wird er gehorchen, so wie er es immer getan hatte in seinem Leben und auf Gottes Weg, auch wenn er ihn nicht versteht, vertrauen?

Szene 2: Der Aufbruch

Am nächsten Morgen trifft Abraham immer noch wortlos alle Vorbereitungen für den Aufbruch. Auch als Zuschauer bleibe ich sprachlos, weil ich zu ahnen beginne, was kommt. Abraham selbst spaltet Holz, gürtet den Esel, nimmt zwei Knechte mit und seinen Sohn Isaak. Präzise wird dem Zuschauer gezeigt, worauf das alles hinausläuft. Kein Wort zu oder von Sara. Ob sie ahnt wo Abraham mit ihrem Sohn hingeht? Was er vorhat? Ob sie es zugelassen hätte?

Szene 3: Der Weg

Nach drei Tagen lassen Abraham und Isaak den Esel und die Knechte zurück. Die Spannung steigt. Die Zuschauer mögen denken: Können denn die Knechte den Jungen mit diesem religiösen Fanatiker allein lassen? Aber sie gehorchen und glauben Abraham als er ganz selbstverständlich sagt: Wir sind wieder zurück, wenn wir angebetet haben. Ist das jetzt naiv von Abraham? Denkt er, er kommt wirklich mit Isaak zurück, weil er das Handeln Gottes ahnt? Oder wird er im letzten Moment von der Ausführung des Auftrages Abstand nehmen oder will er nur die Knechte in Sicherheit wiegen? Abraham legt Isaak das Holz auf die Schulter. Die Kameraeinstellung zeigt Isaak von hinten, wie er mit ausgestreckten Armen, das lange Bündel Holz balanciert (unwillkürlich denke ich an die Kreuzigung Jesu). Abraham nimmt Messer und Feuer und die beiden ziehen los.

Szene 4: Vater und Sohn auf dem Weg zum Berg

Isaak ahnt etwas, fragt und spricht Abraham an, wie zuvor Gott: Mein Vater!, was wollen wir eigentlich opfern? Der Zuschauer denkt: Renn weg, aber Vater und Sohn gehen zielstrebig auf ihren Untergang zu, so jedenfalls muss ich es als Zuschauer sehen, der das Ende noch nicht kennt. Die Gestalt des Abraham drückt Entschlossenheit aus. Sein Gesicht ist versteinert. Nur seine Stimme zittert als er seinem Sohn antwortet: Hier bin ich, mein Sohn! Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Die Filmmusik, die jetzt einsetzt, ein Agnus Dei. Christe du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd’ der Welt, erbarme dich unser.

Szene 5: Auf dem Berg

Schließlich kommen sie an. Langsam wird gezeigt, wie Abraham den Altar baut. Isaak hilft mit. Das Holz wird aufgeschichtet. Immer wieder streift die Kamera das abseits liegende Messer und das Feuer. Gearbeitet wird schweigend. Keine Stimme Gottes. Immer noch kein: „Nimm mich!“ von Abraham. Keine Erlösung des Zuschauers aus seiner Anspannung. Im Gegenteil: Bis ins Unerträgliche steigert diese Geschichte die Anspannung, ein Thriller, man möchte rausrennen und das Ende gar nicht mehr sehen und man bleibt doch und sieht, wie Abraham seinen Sohn fesselt. Wird er wirklich… und wenn, dann will ich mit diesem Gott nichts mehr zu schaffen haben. Die Fragen des Zuschauers gewinnen eine existentielle und religiöse Dimension. Die Versuchung Abrahams wird zur Versuchung der Zuschauer sich von diesem Gott abzuwenden. Isaak völlig wehrlos, gefesselt auf dem Altar aus Stein und Holz, Angst in den Augen und doch dem Vater ergeben, den Blick suchend und fragend gen Himmel gerichtet und Abraham blickt starr geradeaus, er nimmt das Messer in die rechte und legt seine linke auf die Kehle seines Sohnes, hebt das Messer…

Jetzt erst kommt die Erlösung: Die Stimme des Engels: Abraham! Abraham! – Hier bin ich! –

Die Zuschauer fangen langsam wieder an zu atmen – mit Abraham hören wir die Stimme des Engels: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Abraham schaut auf und sieht den Widder und nimmt ihn anstelle seines Sohnes. Gott wird sich ein Schaf ersehen! Das ist gerade noch mal gut gegangen. Happy End, aber hätte Gott da nicht früher drauf kommen können? Warum lässt er Abraham und Isaak und uns als Zuschauer erst durch diese finstern Täler gehen?

Ich denke, liebe Gemeinde, wir können an Abraham und an dieser Geschichte lernen, dass es bei Gott kein Happy End am Schweren und Dunklen vorbei gibt. Es wird immer wieder diese Situationen in unserem Leben geben, wo etwas – wie die Anspannung in der Geschichte – nicht mehr zu ertragen ist. Wo es keinen Ausweg mehr zu geben scheint, wo es sich töricht anhört, Gott so zu vertrauen wie Abraham es tat. Er stellt keine Frage – was uns fremd anmutet – aber er scheint ganz genau zu wissen, dass Gott zu seinen Verheißungen steht. Er weiß: Gott will mir, will uns nichts Böses, auch wenn sein Tun und Handeln uns oft unverständlich und dunkel bleibt. Ich denke, liebe Gemeinde, das ist die gute Nachricht an diesem Sonntag in der Passionszeit: Auch wenn wir Gott als noch so dunkel erleben in schweren, unerträglichen Lebenssituationen ohne Ausweg, wir können mit dem Engel Gottes rechnen. Er wendet das Geschick. Und das, liebe Gemeinde ist Passionszeit: wir denken daran, dass Gott Menschen manchmal durch dunkle Täler schickt und über schwere Wegstrecken. Auch Jesus kam nicht um den Tod herum, aber er kam mit Gott durch den Tod und das Leiden hindurch zu neuem Leben. Das ist die Verheißung des Lebens und der Zukunft die Gott uns verspricht, die sogar noch durch das Dunkel eines unverständlich bleibenden Gottes aufblitzen kann. Im gehörten Krimi von der Nicht-Opferung Isaaks kann man am Ende den Schluss ziehen: Gott steht zu seiner Verheißung, egal wie unverständlich seine Wege zwischendurch sind. Er lässt das „Kind der Verheißung“ Isaak nicht sterben und die Zukunft für Abrahams Nachkommen, für ein ganzes Volk, ist gesichert. Er schickt im letzten Moment einen Engel und einen Widder, der anstelle von Isaak geopfert wird: Siehe, das ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! lesen wir Im Joh 1,29 über Jesus. Gott schickt Jesus, damit er den Tod an unserer Stelle auf sich nimmt.

Liebe Gemeinde, ich wünsche ihnen und uns allen, dass wir der Liebe und der Verheißung Gottes vertrauen, auch wenn er uns, wie hier in dieser Geschichte manchmal dunkel und unverständlich begegnet. Bitten wir Gott, dass er uns Vertrauen in seine Wege und in sein Handeln schenkt, auch wenn wir sie (noch) nicht verstehen. Amen.

Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gottesdienst am 10.4.2011 in Rengershausen um 9.30 Uhr und in Guntershausen um 10.45 Uhr

1. Orgelvorspiel

2. Lied: EG 155,1-2 Herr, Jesu Christ, dich zu uns wend

3. Begrüßung

4. Lied: EG 93,1-4 Nun gehören unsere Herzen

5. EG 724 (bitte anschlagen!) Psalm 43

6. Bittruf und Tagesgebet

7. Schriftlesung Mk 10,35-45 (KV)

8. Glaubensbekenntnis (KV)

9. Lied: EG 79,1-4 Wir danken dir Herr Jesu Christ

10.Predigt

11.Lied: EG 97,1-4.6 Holz auf Jesu Schulter

12.Abkündigungen (kirchl. Aufgebot)

13.Fürbitten / Vaterunser

14.Lied: EG 171,1-4 Bewahre uns Gott (Gitarre)

15.Bekanntmachungen (KV)

16.Segen

17.Orgelnachspiel

Henning Porrmann, www.mitreden.de, 2011

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