Das sind ja auch nur Menschen!

So, liebe Gemeinde, endet vorerst die gute Geschichte zwischen Gott und den Menschen. Schuld, Beschuldigung und Anklage bilden den Dreiklang des Auftaktes zum ersten großen Finale in der Menschheitsgeschichte. Gott öffnet die Tür zum Paradies und schmeißt die ersten Menschen hinaus. Sie haben ihren Aufenthalt dort leichtfertig verspielt, weil sie einer Intrige aufgesessen sind. Gott aber ist in seinem Handeln konsequent. Man hört nichts von ihm, um die Sache nach außen hin runter zu spielen. Gott erklärt nicht, „dass das Abendland jetzt nicht untergehen muss, nur weil zwei Menschen eine Verfehlung begangen haben!“ Auf der großen Pressekonferenz, die Gott im Thronsaal abhalten könnte, gibt er auch nicht der Verlockung nach, sich lapidar an die versammelte Schar von Journalisten zu wenden. Ein Satz wie „das sind ja auch nur Menschen!“, entfährt Gottvater nicht.

Schuld, und damit verbundene Verantwortung, werden von Gott nicht heruntergespielt. Er zieht keine Sandkastenebene ein und entschuldigt so dummes Verhalten. Gott steht zu seinem Wort und ist nicht glücklich darüber, dass er so handeln muss. Aber die Geschichte, die im 1. Buch Mose im 3. Kapitel steht lässt leider keine Illusionen über uns Menschen aufkommen! Man ist schon ein wenig desillusioniert über das was man da lesen muss.

Es geht in dieser Geschichte von Adam und Eva und der Versuchung um Schuld, um Verantwortung, um Schuld abstreiten, und darum, andere anzuklagen, um selber besser da zu stehen. Mitunter, und darüber freue ich mich wirklich, sind diese alten Geschichten so aktuell wie ein Zeitungsbericht.

Wer Mist baut, soll dafür gerade stehen. Wer einen Fehler begangen hat, sollte dazu stehen. In den letzten Tagen wurde das Wort Anstand sehr oft in den Mund genommen. Manch andere Menschen haben sich gar geschämt für das Verhalten von anderen. Anstand, Tugenden, Werte. Der Verfall, liebe Gemeinde, beginnt schon früh. Schon auf den ersten Seiten unserer Menschengeschichte beginnt der Sittenverfall.

„Ich war’s nicht!“ verkündet Adam schnell als Gott ihn zur Rede stellt. Die aktuellen Reaktionen von manchen Menschen sind zwar mit Adam besser zu verstehen, aber wem hilft diese Erkenntnis? Viele Menschen auf diesem Planeten versuchen, tagein tagaus aus dieser Geschichte etwas zu lernen. Der Fall, der Sündenfall, als Negativ für menschliches Verhalten. Dabei ist die Geschichte um den Sündenfall ein Menschheitsthema und wer sogar den lieben Gott hintergeht, der belügt auch andere. Und wenn sie jetzt diese Geschichte gehört haben und noch einmal darüber nachdenken, dann wette ich mit Ihnen, dass der eine oder die andere denkt, Ja, so ist es! Diese Geschichte von Adam und Eva, so alt sie ist, erzählt genauso aus meinem Leben, wie sie die Beziehung der Menschen und vielleicht sogar der Völker untereinander abbilden kann.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Die Geschichte vom Sündenfall ist nur ein Symbol für Beziehungen, für den Umgang mit Schuld und Verantwortung. Nähern wir uns dieser Geschichte und den Typen darin mit schriftstellerischem Blick, dann wäre die Schlange nicht das üble Tier, dass es heute ist. Die Schlange wäre dann die innere Stimme. Die vermeintliche Überlegenheit, die Stimme in dir, die manchmal zu dir spricht und dir Dinge einredet, die Du glauben willst! Die innere Stimme, die uns manchmal blendet und uns zu überheblichen Taten anstachelt. Als kämen wir damit durch!

Nur kurz möchte ich diese Stimme mit den Worten von Peter Kreyssig näher charakterisieren: „Hätten wir nicht diese uralte Erzählung etwas weniger märchenhaft betrachten und ihrem Symbolgehalt ernster nehmen sollen? Diese Geschichte ist ein tief pessimistisches Symbol für den menschlichen Versuch, wie Gott zu sein und ihn auf diese Weise zu ersetzen.“

Nun, die Stimme in uns hat ihre Wirkung getan! Wurde Adam etwa gezwungen von der Frucht zu essen? Sicher nicht. Aber Schuld an der mißlichen Lage, in die er sich selbst gegessen hat, ist nicht er selbst. Die Frau hat Schuld. Der Andere.

Was lehrt uns also diese Symbol-Geschichte? Du hast einen Fehler gemacht? Schieb‘ es auf einen anderen! Dir ist die Lieblingstasse deiner Mutter runter gefallen und sie ist kaputt gegangen? Streite es einfach ab. Mich überkommt das kalte Grausen, wenn Menschen an höchster Stelle mit einer solchen Haltung beinahe durchkommen. Schummeln, täuschen, vertuschen und Zeit schinden. Einen Fehler zugeben? Erstmal nicht!

Liebe Gemeinde! Wie sollen wir ein gutes Beispiel geben, wenn wir uns je nach Gelegenheit der Versuchung anheim geben würden und solches Verhalten auch noch unterstützen und in perfiden Abstimmungen gut heißen? Schuld an Adams Fehlverhalten hat Eva. Geht’s noch? Die Schuld liegt natürlich bei ihm! Die Versuchung, die Schuld abzuwälzen ist stark. Der Drang ist stark, es wenigstens zu probieren. Und so gehört zu unserem Leben auch die Spannung zwischen es-besser-Wissen und Doch-Tun. „Beides bestimmt gewissermaßen unser Sein und Handeln: Der Fall in Ungehorsam ist ebenso gegenwärtig wie das Paradies.“

Aber wir bleiben damit – Gott sei Dank – nicht alleine. Wer einen Fehler begangen hat, der soll dafür gerade stehen, aber bitte, dann muss es auch gut sein! Jeder hat eine zweite Chance verdient. Das mag ein bißchen platt klingen und in manchen Ohren sicherlich auch gefährlich, aber fragen Sie sich doch mal, wie Sie durchs Leben kämen, wenn Ihnen wirklich jeder Fehltritt, jede Versuchung, jede Verantwortungslosigkeit auf die Rechnung geschrieben worden wäre?

Wenn wir uns an der eingangs erzählten Symbolgeschichte über den Sündenfall ausrichten und die Geschichte zwischen Gott und seinen Menschen weiter lesen, dann schlagen wir im Laufe dieser Beziehung immer wieder ein neues Kapitel auf und erkennen, das Gott es nicht beim Rauswurf belässt! Die Tür ist immer auf, sie steht offen. Wer wirklich erkennt. Die Vertreibung aus dem Paradies ist nicht Gottes letztes Wort. In Jesus Christus kommt Gott uns ganz anders nahe und zeigt uns, wie der Mensch sein soll!

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