Wie von selbst

Markus 4, 26-29
Vom Wachsen der Saat
26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft
27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie.
28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.
29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da

Liebe Gemeinde;
Mit Gottes Reich ist es so: Wirft aus- schläft- geht auf- wächst- er weiß nicht wie- von selbst- dann ist die Ernte da.

Ändere die Verhältnisse, meinten Theologen im Mittelalter, auf zum Kreuzzug, vertreibt die Ungläubigen aus Jerusalem, dann kommt das Reich Gottes. Ändere die Verhältnisse, meinte Karl Marx, Revolution, Diktatur des Proletariats, dann kommt die klassenlose Gesellschaft, das Paradies auf Erden.
Lass das Land wie es ist, sagt Jesus. Streue einfach aus, Liebe, Versöhnung, „selig sind, die Frieden stiften“, und warte, was passiert.

O, ich höre die Spötter spotten, die Realpolitiker sehe ich die Köpfe schütteln, die Gerechtigkeitsfanatiker höre ich aufs Recht pochen: Dummes Zeug, christliches Liebesgesäusel, hat noch nie was genützt, ist was für Betschwestern und schlichte Gemüter….Reich Gottes, was ist das überhaupt?

Lassen wir uns davon nicht beirren! Jesaja, Micha, Joel, die alten Propheten sagen es uns, was Gottes Reich ist: Da wird der Löwe liegen neben dem Lamm, da werden die Schwerter zu Pflugscharen, da wird Gott in unseren Herzen sein. Also doch ein Reich der Liebe und des Friedens, also doch kein Gesäusel. Sondern unser Glaube.

Und was sagt die Erfahrung? Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. So sagt es uns die Erfahrung.

Atmosphäre steckt an. Er betritt einen Saal, eine Feier. Es wird gesungen. Nicht gegrölt, nicht gezetert, nicht räsoniert. Gesungen. Nicht unbedingt Geistliches, nein…durchaus auch „Trink, Brüderlein, trink…“ Atmosphäre der Harmonie, Feierlaune. Er bleibt, es steckt an, er wird dazu gebeten, hak Dich unter…es wird ein schöner Abend. Und vielleicht trifft sich noch ein Lächeln, ein Augenaufschlag, ein gehauchter Kuss, vielleicht gesellt sich noch die Liebe hinzu. Von selbst bringt die Erde Frucht, – er weiß nicht wie. Reich Gottes ist: Gott wird im Herzen sein. Und das steckt an.

Und die Ernte? Was ist mit der Ernte?

Und sie betreten einen Saal und sagen “Ja“ zueinander und küssen sich. Und sie feiern 25 Jahre mit Silber im Haar. Und 50 Jahre mit Gold im Haar. Und sie betreten einen Raum, schließen Frieden und geben sich die Hand. Und sie vergießen Tränen und bitten um Vergebung und versöhnen sich. Und sie fürchten sich nicht und gestehen sich ihre Schwächen ein und gewinnen daraus Stärke. Und sie glauben, sie hoffen, sie lieben in allen Winkeln der Welt in allen Zeiten der Erde. Millionenfache Ernte von Millionen von Menschen jeden Tag jedes Jahr.

Reicht das nicht aus, ihr Spötter? Ist das nicht real genug für euch Realisten? Ist das nicht recht so, ihr Gerechtigkeitsfanatiker? Muss Reich Gottes noch mehr sein?

Mit Gottes Reich ist es so: Wirft aus- schläft- geht auf- wächst- er weiß nicht wie- von selbst- dann ist die Ernte da. Immer wieder. Das glauben wir, und das erfahren wir im Leben. Wer es sehen will, sieht es. Amen

Carsten Sauerberg (Pastor in Heiligenhafen)

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