Rauchzeichen!

Rauchzeichen aus dem Busch! In der Regel muss man sich dann Sorgen machen. Weil ein Waldbrand droht. Oder ein paar Jungs, wie neulich zu beobachten, testen noch weit vor dem Konfirmandenalter die erste Zigarette. Hier bedeuten die Rauchzeichen Gutes. Gott meldet sich. Er macht den Mose auf sich aufmerksam. Er zeigt sich ihm. Und er gibt ihm einen faszinierenden Auftrag. Mose wird Geschichte machen. In Ägypten. Am Sinai. Auf dem Weg ins gelobte Land.

Viele von uns kennen diese Geschichte. Ein Mann wird von Gott angesprochen. Mitten im Alltag. Bei der Arbeit. Gott ruft ihn. Sein Leben bekommt eine neue Richtung. Etliche von uns haben vergleichbares erlebt. Okay, du konntest danach kein rotes Meer teilen oder Manna vom Himmel regnen lassen. Aber das hast du erlebt: Wie Gott ganz unerwartet einen anspricht. Als man nicht mit gerechnet hat.

Hier ruft Gott aus einem Dornbusch. Manche von euch hat Gott gerufen durch die Stimme eines Freundes, eines Kollegin, einer Mitschülerin. Manche wurden gerufen durch Leute aus der Kirche, die Vorbilder waren. Schwester Dora etwa. Oder ein Evangelist, der hier in Sulingen eine Woche gesprochen hat. Oder durch eine Einladung zum Treffpunkt. Du bist dann hingegangen. Und wieder gekommen. Eigentlich nur wegen dem einen Mädchen, das du so anziehend fandest. Und dann auf jener Sommerfreizeit hast du gemerkt, dir fehlt das, was viele andere haben, die dazu gehören. Und du hast die Gelegenheit zu einer Aussprache genutzt mit dem Freizeitleiter. Hast dein Leben Jesus anvertraut. Danach hat sich vieles verändert. Neue Prioritäten. Andere Ziele. Ungute Gewohnheiten konntest du ablegen. Du lebst gelassener. Du hast entdeckt, wie es in der Gemeinschaft derer ist, die sich auch haben rufen lassen von diesem wunderbaren Gott. Du hast entdeckt, wie dies Miteinander in einzelnen Gruppen einer Kirchengemeinde von einer ganz anderen Qualität ist als bei jedwedem Verein.

Immer ruft Gott Einzelne. Nur ein Einzelner kann Ja oder Nein sagen. Eine Antwort aus der Gruppe heraus, wie sie bei einem Gelöbnis von Rekruten oder Konfirmanden gesprochen wird, kann das persönliche Ja zu Gott nie ersetzen. Wenn Gott dich fragt, willst du mir folgen, kannst du nicht sagen, eine Antwort erübrigt sich. Ich bin ja konfirmiert, oder ich bin ja evangelisch. Wenn du meinst, Gott hat dich noch nie persönlich angesprochen, wo du gemerkt hast: Ich muss mich jetzt entscheiden für oder gegen ihn. Der Tag wird kommen. Und dann solltest du die richtige Wahl treffen.

Auf vielen Feldern haben wir uns daran gewöhnt, dass die Entscheidung des Einzelnen im Vordergrund steht. Wir werden umworben auf allen Gebieten. Der günstige Stromanbieter ruft an: „Wollen sie nicht wechseln? Es lohnt sich! Das geht ganz einfach!“ Unsere ganze Wirtschaft ist daraus ausgerichtet, den einzelnen Kunden zu ködern. Typisch dafür ist die Redensart „Das muss jeder für sich entscheiden!“ Auch in Glaubensdingen hat sich dieses Denken durchgesetzt. Das führt dazu, dass wir selbst die entscheidende Frage der Erlösung vorwiegend individuell sehen. Komme ich in den Himmel? Hauptsache ich.

Sicher ist es wahr, jeder einzelne muss ganz persönlich einmal vor dem Schöpfer stehen nach diesem Leben. Du wirst Rechenschaft ablegen müssen. Was war dir wichtig. Was hast du getan. Was hast du unterlassen. Was hast du dir von Jesus sagen lassen. Wieweit bist du dem gefolgt. Danach wird Gott einmal fragen.
Aber das ist nicht alles. Gott hat größere Pläne. Im liegt die Zukunft der Völker am Herzen. Das ist auch hier seine Absicht. In der Geschichte vom brennenden Dornbusch. Ist euch das überhaupt aufgefallen.

Da stellt sich Gott vor. Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abraham. Was bedeutet der Name Abraham. Ein Wort aus drei Teilen: Ab – raw – am. Vater vieler Völker. Und so geht es weiter: Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei gehört. Ich habe ihre Leiden erkannt.

Gott sieht die Völker. Er sieht die Gesamtheit. Im Vorfeld der Weihnachtgeschichte bereitet ein Engel den Josef auf das Einzigartige vor. Eine Jungfrau wird schwanger werden und den Erlöser zur Welt bringen. Du sollst ihm den Namen Jesus geben. Denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden.

So denkt Gott. Er möchte, dass wir auch so denken. Dass wir uns Sorgen machen um das Geschick unseres Volks. Dass wir uns Sorgen machen um das Geschick anderer Völker.
Diese Sicht haben wir verloren. Wir haben sie als Deutsche verloren. Wir sind verdorben durch den Missbrauch, den die Nazis mit dem Wort gemacht haben. Als sie von Volksgenossen sprachen und die Juden ausgrenzten. Als sie propagierten, du bist nichts, dein Volk ist alles.

Auch in der Kirche haben wir die Sicht auf das Volk verloren. Früher gab es in allen ev. Kirchen ein Amt für Volksmission. Das Wort ist uns heute peinlich. Wie heißt es jetzt? Amt für Gemeindeentwicklung. Klingt viel moderner, viel harmloser. Wir entwickeln die Gemeinde, wir machen einen Schnitt zwischen Kirche und Welt. Die Gläubigen, das sind einzelne errettete Seelen. Vielen Gläubigen ist die Welt egal. Der Welt ist nicht zu helfen. Die Weltleute denken weltlich, haben irdische Ziele. Gut Essen, gut Leben. Karriere, Sex, Macht, Geld.

Gott denkt anders. Er sieht alle. Ihm liegen alle am Herzen. Er will den Völkern helfen. Hier sendet er Mose. Wohin? Zum Pharao. Nach Ägypten.

In diesen Tagen erleben wir einen Aufbruch in Ägypten. Auch in Ägypten war der Gedanke an das Volk verschüttet. Alles war schön aufgeteilt: Die Familie, also der große Familienverband, die zusammen halten müssen. Muslime hier, Kopten dort. Die regierende Kaste hier, Armee dort, die Armen dort. Jetzt ist der Aufbruch da. Hoffnung nach Jahren der Ohnmachtsgefühle. Ein gemeinsamer Ruf nach Freiheit. Jung und alt, Frauen und Männer, Arbeiter und Beamte, vereint in ihrem Drang nach Freiheit. Und nun, wo der Präsident zurück getreten ist, vereint in ihrer Freude.

Haben wir auch das andere gesehen? Das Gebet der Zigtausenden auf dem Tahrir Platz am Freitag vorletzter Woche. Als die gewaltsame Räumung drohte. Da waren sie vereint im Gebet. Christen, Muslime.

Kannst du dir vorstellen, dass ein ganzes Volk, nicht nur ein paar Einzelne, sich so dem lebendigen Gott und seinem Sohn Jesus Christus zuwenden. Das sind die wahrhaft historischen Stunden in der Geschichte eines Volkes. Die Bibel kennt solche Sternstunden. Mose hat eine solche Stunde erlebt am Sinai:
„Mose kam und sagte dem Volk alle Worte des Herrn und alle Rechtsordnungen. Da antwortete alles Volk wie aus einem Munde: Alle Worte, die der Herr gesagt hat, wollen wir tun.

Das war eine seltene Ausnahme. Fast alle Propheten hatten das Ziel, ihr Volk, aber auch die Nachbarvölker auf den Weg des Glaubens zu führen. Sie wurden meist verlacht oder mundtot gemacht. aber sie ließen nicht locker. Wenn wir die Worte der Propheten lesen, dann ist es auffällig: Die reden nicht zu interessierten Gläubigen. Die reden zum Volk. Ganze Kapitel sind einzelnen Völkern gewidmet. Worte an Ägypten. Worte an Syrien. Worte an die Babylonier. Worte an die Araber.

Trauen wir es unserem Gott überhaupt zu, dass er in allen Völkern Menschen, viele Menschenherzen wenden kann? Ludwig Harms, der Gründer der Hermannsburger Mission, traute es ihm zu. Deshalb sammelte er Spenden und ließ ein Schiff bauen, die Kandaze. Er sammelte Spenden um die Arbeit von Missionare zu finanzieren, die mit diesem Schiff zu fernsten Völkern führen. Auf großen Missionfesten hin und her im Lande wurde in den Kirchengemeinden dafür geworben und zu Missionsfesten eingeladen. Da kamen Tausende.

Das hat sich heute weitgehend verselbständigt. Es gibt die Werke noch, aber sie arbeiten sehr für sich. Es bewegt sich sehr in Richtung soziale Projekte, Austausch von Delegationen. Das ehrgeizige Ziel, Nationen zu durchringen mit dem Evangelium, ist in den Hintergrund getreten.
Da tut jeder Anstoß gut, der uns wieder bewusst macht: Hier bewegt sich etwas. Wo wir uns schon abgefunden hatten mit dem Status Quo. Denn auch in Ägypten fragen Menschen nicht nur nach Freiheit. Nach einem Stückchen Anteil am westlichen Wohlstand. Da fragen auch Menschen nach Jesus. Was sind unsere Ziele dabei. Genügt es uns, wenn Muslime mehr Demokratie finden. Wollen wir noch, dass Muslime zu Jesus zu finden? Trauen wir Gott zu, dass er sie aus ihrer gewohnten Umgebung holen kann wie den Mose aus seinem beschaulichen Hirtendasein im Midian.

Ich denke an Ahmed Sharif.
Ein Ägypter. Er studierte Sport an der Bremer Universität. Mit einem satten Stipendium aus seiner Heimat. Verheiratet, zwei kleine Kinder. Dann kamen die Probleme. Erst die Nöte ließen ihn nach dem Kirchturm in der Nähe seines Wohnheims schauen. Er kam an einem Donnerstag Abend. Da hatte ich jede Woche Sprechstunde wie Pastor Schafmeyer. Ahmeds kleine Tochter war krank und brauchte spezielle Ernährung. Ich half aus. Später kam er den einen oder anderen Sonntags zu Gartenarbeiten auf dem Kirchengelände, verdiente sich was dazu. Dann lief ihm die Zeit weg. Das Examen rückte näher, er war mit seiner Promotion im Rückstand. Das Stipendium war befristet. Er schickte Frau und Kinder zurück nach Ägypten. Sie wollte sich von ihm trennen. Sie war sauer, dachte, er machte sich nun schöne Abende mit einer anderen. Aber Ahmed saß nur am Schreibtisch oder in der Uni. Das Thema war zu schwer für ihn und die Literatur in deutsch oder englisch. Seine Doktorarbeit wurde verworfen. Er hatte noch einen Versuch, sie zu verändern und neu einzureichen. Diese Krise erschütterte ihn. Wir kamen uns näher. Meine Frau und ich luden ihn zum Essen ein. Zum ersten Mal kam er in einen deutschen Haushalt. Zu Christen. Das sollte wohl so sein. Er ließ sich einladen zu einem Glaubenskurs. Ich ging mit ihm am Freitag in die Moschee. Es war im Jahr nach dem 11. Sept. Er fragte nach Jesus. Er kannte ja keine Bibel von innen Ich gab ihm ein arabisches Neues Testament. Wir setzten uns in unsere Kirche vor den Altar.

Die Bilder in den Fenstern erzählen die Heilsgeschichte. Das Kreuz war ihm fremd. Es war nicht einfach, ihm das nahe zu bringen. Kurz vor der Prüfung lud er uns auf seine Bude. Wir wurden königlich bewirtet. Zwischendurch ging er nach nebenan zum Gebet. Das ging genau nach der Uhr. Praktizierende Muslime haben etwas eindrucksvolles. Ihr ernsthafter Glaube nötigt Respekt ab. Aber er war offen dabei, fragend. Das Skript der Doktorarbeit habe ich korrigiert, umgeschrieben. Dann kam die Prüfung. Er hat bestanden. Zur Feier mit den Professoren wurden wir als Ehrengäste geladen.

Die frohe Botschaft übermittelte er seiner Familie. Das brauchte einen entsprechenden Rahmen Wir zogen ihm einen Mantel an und bastelten einen Doktorhut. Stolz präsentiert er sich mit der Kirche im Hintergrund.

Heute ist Ahmed Professor in Saudi Arabien. Er ist wieder bei seiner Frau, hat vier Kinder zwischen 3 und 16. Er wird nicht vergessen, was Christen für ihn getan haben.
Was ist unsere Hoffnung für die Völker? Haben wir noch Hoffnung? Der Prophet Jesaja hatte sie, als er weissagte: Zu der Zeit werden 5 Städte in Ägyptenland die Sprache Kanaans sprechen und bei dem Herrn Zebaoth schwören. Denn der Herr wird den Ägyptern bekannt werden, und die Ägypter werden den Herrn erkennen. Und der Herr wird die Ägypter schlagen und heilen. Und sie werden sich bekehren zum Herrn.. Denn der Herr Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, und du Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe.

Die wirklich historische Stunde im Leben von Völkern ist nicht, wenn eine Regierungsform wechselt. Wenn Potentaten abtreten. Sie schlägt, wenn Menschen nach dem lebendigen Gott fragen. Wenn sie auf die Christen zugehen und fragen, was wisst ihr von ihm? Wie einst Pharao, als Josef ihm die Träume deutete und Rat gab für Regierungsmaßnahmen, bevor die 7 mageren Jahre anbrachen. Da ruft Pharao erschüttert aus: Wie könnten wir einen Mann finden, in dem der Geist Gottes ist wie in diesem?

Mögen uns die Ereignisse in Nordafrika ins Gebet treiben, dass wir eintreten für die Völker. Für die Christen, die in den für das Evangelium schwer zugänglichen Ländern unter großem Einsatz tätig sind. Und uns selber dankbar, dass wir zum Volk Gottes gehören dürfen. Zur weltweiten Gemeinde. Weil wir Jesus kennen und lieben. Amen.

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