Woran glaubt, wer nicht glaubt?

Woran glaubt, wer nicht glaubt? Sprachlich gesehen eine sinnlose Frage. Woran glaubt wer nicht glaubt? Wenn jemand nicht glaubt, dann müsste die Frage doch lauten: Woran glaubt er nicht?
Ich glaube nicht, dass ich morgen besucht werde. Ich glaube nicht, dass es jetzt schon Frühling wird. Ich glaube nicht, dass das Essen ohne Fleisch schmeckt. Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt.
Aber ich hoffe, dass ich nicht schon wieder allein sein muss, ich hoffe, dass es nicht wieder so kalt wird.
Ich hoffe, dass ich die Klassenarbeit nicht verhauen habe, ich hoffe bald wieder Arbeit zu finden, ich hoffe….
Ich hoffe, dass es da etwas gibt….

Ich sage „ich glaube schon“, wenn ich meine es zu wissen. Und dann hoffe ich natürlich, dass ich recht habe. Überlegen sie mal, wie oft sie das Verb „glauben“ jeden Tag verwenden.
Und in welchen Zusammenhang sie davon reden, dass sie etwas glauben.

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott der da war und da ist und der da sein wird. Amen.

Woran glaubt wer nicht glaubt? Ich habe den leisen Verdacht, dass wir diese Frage so nicht stellen können. Zumindest nicht, ohne zu klären, was mit „glauben“ gemeint sein soll.

Es war ein Mann im Dienst des Königs, dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen.

Wenn Kinder krank sind, dann sind die Eltern in Sorge. Meist ist die Angst der Eltern noch größer als die des kranken Kindes. Liebevoll kümmern sie sich um den Nachwuchs. Wenn die Krankheit besonders schlimm ist, wenn mit dem Tot zu rechnen ist, dann steigert sich die Sorge unermesslich. Der sorgenvolle Vater hörte, dass Jesus in der Nähe war. Er wusste schon von dem Weinwunder in Kana. Es hatte sich herumgesprochen, dass dieser Jesus etwas Besonderes ist. Hinter so mancher Tür wurde gemunkelt, dass dieses Jesus womöglich der Messias ist. Los! Komm! Mein Sohn ist krank, bitte hilf ihm! Ich glaube Jesus, dass du das kannst. Ich habe so vieles von dir gehört, da wirst du doch wohl auch meinem Sohn helfen können.

Wenn nichts mehr hilft, wenn kein Arzt den Sohn heilen kann, dieser Jesus, der ist die letzte Chance.

Die Reaktion Jesu ist mehr als wunderlich. „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“. Kein Wort zum kranken Kind, nicht einmal eine Antwort auf die Bitte des Beamten. „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“.

Warum glaubt der, der glaubt? Jesus behauptet: Weil ihr Zeichen und Wunder gesehen habt glaubt ihr. Ohne meine Wunder wäre ich euch egal.

Ich bin etwas empört. Das klingt doch ganz stark nach Vorwurf.
Stellen sie sich das mal vor. Da kommt einer und zeigt mit dem Finger auf sie und behauptet: Sie glauben nur, weil sie Zeichen und Wunder gesehen haben.

Das fühlt sich mies an. Ich möchte dem Widersprechen. Der Beamte tut mir leid. Ich würde ihn gerne verteidigen. Dann noch die Gedanken an den kranken Sohn.

Aber darum geht es nicht. Es geht nicht um meine Gefühle. Es geht auch nicht um ein krankes Kind. Das, was wirklich berührt sind die Worte Jesu. „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“

Das stimmt. Jeus trifft mit diesen Worten in die Mitte meines Glaubens. Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber manchmal würde ich mir so ein kleines Wunder wünschen. Einmal nur soll aus dem Wasser Wein werden oder soll ein kranker vor meinen Augen aufstehen und gesund sein. Einmal nur die Stimme Gottes hören, wie sie voller Herrlichkeit über den Wolken erschallt. Einmal nur und jeder Zweifel wäre dahin.

Warum glaubt der, der glaubt? Wenn ich hier bei ihnen von glauben rede, dann meine ich damit mehr als ein mögliches Wissen. Es ist mehr als eine Vermutung haben.
Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…
So haben wir es bekannt. Wenn sie diese Worte sprechen, dann wollen sie damit sagen, dass sie zutiefst überzeugt sind, dass es diesen Gott gibt. Das unterstelle ich ihnen.
Warum glaubt der, der glaubt? Warum glaube ich, warum glauben sie? Was macht sie so sicher, dass es einen Gott gibt?

Jesus sagt: Weil ihr Zeichen und Wunder seht, darum glaubt ihr!

Wir feiern noch immer Epiphanias- die Erscheinung des Herrn. Die Weisen aus dem Morgenland sahen einen großen Stern, folgten ihm und fanden das Kind in der Krippe. Bei der Taufe Jesu hörte Johannes die Stimme aus dem Himmel: „Dies ist mein geliebter Sohn“. In Kana vollbrachte Jesus bei der Hochzeit sein erstes Wunder. Wir feiern Epiphanias- Jesus gibt sich zu erkennen. Er kommt den Menschen entgegen, er will ihnen helfen, dass sie glauben können.

Der Beamte hat von den Wundern Jesu gehört. Voller Überzeugung kann er nach Kana rennen und diesen Jesus um Hilfe bitten. Er lässt sich nicht abschütteln. Er bleibt dabei. Noch einmal wiederholt er seine Bitte: „Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!“
Und Jesus spricht: „Dein Sohn lebt.“ Und der Mann glaubt dem Wort. Er hat seinen Sohn noch nicht gesehen. Er rennt nach Hause. Seine Diener berichten ihm, dass es dem Sohn besser geht.
Und dann bin ich mitten in der Geschichte. Der Beamte fängt nicht an Gott zu danken, er will Gewissheit! Er will ein Zeichen. „Wann ist das Fieber zurück gegangen“ Es war die Stunde, in der Jesus zu ihm sagte dein Sohn lebt! Da glaubte der Mann und mit ihm sein ganzes Haus.

Ein Zeichen, ein Wunder, mehr wünsche ich mir nicht.

Sie erinnern sich an den Jünger Thomas. Er glaubte nicht an die Auferstehung und fordert ein Zeichen. Einmal will er seine Hände in die Wunden Jesu legen, doch als Jesus hinzu tritt, da fällt er auf seine Knie und glaubt. Spricht Jesus zu ihm: Du glaubst weil du gesehen hat, aber selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Darf ich mich da nicht glücklich schätzen? Ich muss dankbar sein, dass ich auch ohne Wunder glauben kann. Ein Glaube, der auf Zeichen angewiesen ist, ist belastend. Was ist, wenn die Zeichen ausbleiben? War mein Glaube dann nicht groß genug? Hab ich dann nicht genug gebetet? Das belastet.

Als ich mit einem Taufanwärter sprach und ihn fragte, warum er glaubt, gab er mir als Antwort: „Ich weiß nicht. Es ist so ein Gefühl, es ist eine Ahnung die ich habe.“
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Ja, ich bin dankbar für dieses Geschenk. Ja, ich zweifel manchmal. Ja, ich wünsche mir dann und wann ein kleines Wunder. Ja, ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Zu diesem Glauben zu gelangen beginnt manchmal mit einem Gefühl, mit so einer Ahnung. Manchmal ist es ein Hoffen auf mehr. Ein Hoffen darauf, dass da ein Gott ist der helfen kann. Glauben aber ist ein Geschenk, das Jesus uns macht. Seine Zeichen und Wunder sind ein Zugeständnis.
Woran glaubt, wer nicht glaubt? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube an Gott und ich weiß, dass ich recht habe. Amen.

Und die Liebe Gottes, die größer ist als wir sie mit unserem Verstand erfassen könnten, sie bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

drucken