Wir blühen auf im Licht des HERRN

Liebe Gemeinde,
der Homo sapiens, sprich der wissende, weise, mit Vernunft und Verstand begabte Mensch scheint so ziemlich das einzige Lebewesen zu sein, dem man immer wieder sagen muss, was gut und lebenswichtig für ihn ist. Dass dieser all sein Wissen dennoch immer wieder in den Wind schlägt, ist unverständlich. Er ist das einzige Lebewesen, das immer wieder sehenden Auges ins Verderben läuft. Begonnen bei Adam und Eva, denen im Paradies doch wirklich nichts fehlte.

Aber den Bezug zur Quelle unseres Lebens, zum ganz Unmittelbaren, zu dem was wir wirklich brauchen und was unser Leben gelingen und erfüllt sein lässt, diesen Bezug haben wir verloren.

„Lebt als Kinder des Lichts.“ (Epheser 5, 8)

Liebe Gemeinde, Pflanzen muss man das nicht sagen: „Lebt im Licht, nehmt es auf, richtet euch nach ihm aus.“ Pflanzen tun das einfach. Das sehen wir ja schon bei den Topfpflanzen auf der Fensterbank. Sie werden krumm, wenn sie zum Licht hin wachsen und wenn wir gerade gewachsene Pflanzen haben wollen, müssen wir den Topf immer mal drehen.

Überall in der Natur findet sich diese selbstverständliche Ausrichtung zum Lebenswichtigen. Und wenn wir anfangen, darüber nachzudenken, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Was für ein Wunderwerk ist z.B., der tropische Regenwald in seiner Artenvielfalt und seinem Aufbau. Dort wächst alles dem Licht entgegen. Aber natürlich wachsen kleinere Pflanzen im Schatten der Größeren. So sind dort Stockwerke entstanden. Ganz oben vereinzelt die Baumriesen mit über 60 Metern Höhe, darunter das lichtdurchflutete Kronendach mit den meisten Lebensformen. Es bildet eine lückenlose Decke aus Ästen, Blättern und zahlreichen Pflanzen, die sich an anderen „festhalten“. Im ersten Stock wuchert das Blattwerk der jungen Bäume, deren Stämme – aus Mangel an Licht – meist keine Seitenäste haben. Ins Untergeschoss fällt nur noch 1% des Lichtes. Dort gibt es kaum Farbe, es ist feucht und riecht modrig, aber auch hier wächst noch einiges: Moose, Farne, Pilze, etc. Ein kunstvolles, von unserem großen Architekten geplantes Gebilde, hoch wie ein 20 stockiges Wohnhaus und ein Stockwerk baut so auf dem anderen auf, dass Pflanzen und Tiere artgerecht leben können.

Niemand muss ihnen sagen: „Lebt im Licht!“ Sie tun es einfach, sie sind so geschaffen. Und was macht der Mensch, der zum Bilde GOTTES geschaffen wurde und mit Verstand und Vernunft begabt ist? Mit der Zerstörung des Regenwaldes verschwinden täglich 50 Pflanzen- und Tierarten. Warum zerstört der Mensch Quellen seines Lebens, anstatt sie zu bewahren und zu erhalten? Warum meint er, es sei ihm von Nutzen, obwohl er weiß, dass er unwiderruflich Schaden anrichtet? Warum wählt er Dunkelheit und Tod, wenn ihm doch Licht und Leben angeboten werden?

Fragen über Fragen.
Wir können bei den weltweiten Krisen anfangen und dann den Radius immer kleiner wählen bis hin zu uns selbst, zu unserem eigenen Leben: in der Familie und im Freundeskreis, als Bürgerinnen und Bürger, als Christen. Und überall stoßen wir auch auf Dunkles: auf Herrschsucht und Rücksichtslosigkeit, auf Menschenverachtung und Verantwortungsmissbrauch, Menschen werden gemobbt, verurteilt
oder durch Klatsch und Tratsch zu Außenseitern gemacht.

Jugendliche hängen in der Luft mit ihrer Sehnsucht nach Zukunft und einem erfüllten Leben, Erwachsene fühlen sich wertlos, nicht gebraucht und wissen nicht wo sie hingehören. Wie mickernde, ständig vom Eingehen bedrohte kleine Pflanzen, aus denen nichts werden kann, weil sie zu wenig Licht bekommen.

Doch GOTT sieht uns. Er befreit uns vom sozialen Tod, vom geistlichen Tod und holt uns aus unserer Dunkelheit. „Ihr seit das Licht der Welt“, sagt Christus und sendet uns zu den Menschen, dass wir ihnen helfen, sich Gottes Licht zuzuwenden. Sich von ihm wärmen und lebendig machen zu lassen.
„Wach auf, der du schläfst und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ heißt es im Epheser 5, 14

Wir haben im ersten Quartal dieses Jahres ähnlich empfunden. Viel zu wenig Farbe, viel zu wenig Wärme, viel zu wenig Licht. Und jetzt freuen wir uns am Licht, halten unser Gesicht in die Sonne und lassen uns einfach von ihr bescheinen. So wird dich Christus erleuchten. Schön, wenn wir das erkennen und soviel vom Lichte aufnehmen, so viel wir nur können.

Wie wurde Martin Luther verwandelt, als er endlich erkannte: Nichts anderes verlangt Gott von mir, als das ich mich nach seiner Liebe strecke wie eine Pflanze nach dem Licht. Und je kleiner, mickriger und unzulänglicher ich mich fühle, desto mehr soll ich mich von seinem Licht bescheinen und lebendig machen lassen, je schwächer ich mich fühle, desto mehr soll ich seine Kraft erfahren.

Und dann, liebe Gemeinde, geschieht das Wunder des Wachsens, Gedeihens und Früchte können reifen. Ein Mensch der an Gott glaubt und sich nach dem Licht ausrichtet, ist nach dem ersten Psalm wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht. Was dieser Mensch macht, das gerät wohl. Unser Predigttext beschreibt diese Frucht: “Die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5, 9)

Nicht um Moral geht es hier, sondern um etwas, das genauso organisch geschehen kann wie das Wachsen eines Baumes. Wer im Licht lebt, bringt auch Früchte des Lichts.

Ich weiß doch, wie mickrig ich manchmal bin und wie sehr ich auf Vergebung angewiesen bin von GOTT, aber auch immer wieder von Menschen.

Ich kenne meine dunklen Stellen und weiß, wie erleichtert ich bin, wenn jemand mit Milde und Verständnis darauf schaut, wie GOTT, aber auch Menschen.

Ich kann mich so in einsamen Gedanken und Zweifeln verlieren und bin so froh, wenn ein gutes Wort mich da herauszieht, von GOTT, aber auch von Menschen.

Diese Hilfe des HERRN kann ich doch gar nicht für mich behalten. All meine Dankbarkeit und Freude will ja mitgeteilt werden. Das Licht will sich ausbreiten. „Wach auf, der Du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ (Epheser 5,14) Und zwar den ganzen Menschen: Geist, Seele und Körper.

Und unsere Mitmenschen bekommen diese Erleuchtung zu sehen und zu spüren: durch einen warmen Blick, durch einen Mund, der von Gottes Liebe erzählt und ohne Scheu ausspricht, wo Gottes Gebote gebrochen werden, durch einen herzlichen Händedruck von Händen, die so sanft sein können und zugleich kräftig mit anfassen. Und unsere Füße werden uns dorthin tragen, wo Christus uns braucht. Und sein Licht wird um uns und in uns sein.

Uns Menschen muss es immer wieder gesagt werden: „Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte, und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem HERRN wohlgefällig ist.“ (Epheser 5, 8-10)

Erleuchte uns, GOTT, und erfülle uns mit Deinem Licht, das wir wie ein Baum sind, der wächst und gedeiht und gute Frucht bringt.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrerin Susanne Kuckshoff in Roxel.)

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