Mit Freuden dienen

Predigt Pastor Musiolik am 16. 1. 2011
Ev. luth. Kirchengemeinde Sulingen

Wisst ihr, was hier hinter mir ist? (Pastor klopft an den Einbauschrank hinter der Kanzel). Ein Einbauschrank. Was könnte da drin sein? Eine Bibel und eine kleine Auswahl gedruckter Predigten, die immer passen. Schön wärs. Da klappert es. Eine Minibar mit Vilser und nem Glas Wasser für den Prediger? Nah dran. Schaut her. Es sind Teller und Tassen für den Kirchkaffee. Da sind die immer.

Na so was! An diesem heiligen Ort. Solche Sachen gehören doch in die Küche.

So dachte die Martha auch. Beten hier. Dienen dort. Gedient wird in der Küche. Die Andacht ist in der Stube. Da, wo die Gäste sich erholen von dem anstrengenden Tag. Jesus und seine Freunde. Alles schön getrennt.

So dachte Martha. Bis sie lernte: Beten und Dienen, das gehört zusammen. Gemeinsam beten und dienen, das was das Motto der Allianzgebetswoche 2011. Das bleibt für Christen das Lebensprogramm. Und wo das zusammen kommt, wo Christen das miteinander tun. Da macht das Beten auch Freude. Da macht die Arbeite auch Freude. Dienet dem Herrn mit Freuden.

Alleine beten. Alleine dienen. Das macht überhaupt keine Freude.
In einer meiner früheren Gemeinden hatte der Kirchenvorstand zu einem Gebetsabend eingeladen. Drei Gemeinden waren beteiligt. Es war noch Jahresanfang, die Mitarbeiter waren kaputt von den vielen Veranstaltungen zu Weihnachten und Jahreswechsel. Aber so war es nun beschlossen. Und dann war es auch noch in unserer Gemeinde, also muss der Pastor als Hausherr natürlich dabei sein. Vom Kirchenvorstand kam keiner. Für hinterher war natürlich gemütliches Beisammensein mit Tee, Kaffee, Gebäck angesagt. Die Veranstaltung war vorbei. Die Gäste aus den Gemeinden fort. Jetzt galt es Stühle stellen, abräumen, abwaschen. Das mussten wenige Hände richten. Alleine dienen. Da wird man sauer. Ich versteh die Martha gut.

Meistens geschah ihr Dienst sogar mit Freude. Sie lebt da in Bethanien zusammen mit ihrem Bruder Lazarus und ihrer Schwester Maria. Das Haus ist eine Lieblingsadresse für die Wandergruppe Jesus und Co. Die waren viel unterwegs mit ihrer Werbekampagne. Werbung für das Reich Gottes. Für ein neues Leben ganz im Gottvertrauen machten sie von Haus zu Haus Reklame. Übernachtet haben sie nicht angemeldet in einem Hotel. Sondern unangemeldet bei Freunden.

Das kann richtig Streß geben, wenn unangemeldet 13 Leute kommen. Verschwitzt, verstaubt, ausgehungert, die wollen versorgt werden, da ist was zu tun! Martha, Martha, du hast viel Arbeit und Mühe! Na logisch in einer Zeit ohne Staubsauger und Microwelle! Martha packt das. Es macht ihr Spaß, wenn sich die Leute in ihren 4 Wänden wohl fühlen. Manches Gericht, in nullkommanix von ihr gezaubert, schmeckt nur aus ihrer Küche so köstlich. Selbst wenn sie das Rezept aufschreibt und weitergibt, nur sie kriegt es so hin. Heute wirbelt sie wieder durch ihre Küche. Man sieht sie förmlich hacken und schneiden und kochen und backen und bruzzeln.

Ich kann nicht kochen. Bügeln find ich ätzend. Staub stört mich nicht, fällt auch nicht so auf aus über 2m Höhe. Darum mag ich die Marthas, die in Kirchengemeinden den Schmutz fegen und wischen, diesen Winter kommt noch Schnee dazu. Ich mag Marthas, die den Kuchen besorgen und Kaffee einschenken beim Seniorennachmittag. Und am liebsten ist mir die Martha aus unserer Geschichte. Ich weiß zwar nicht, was sie genau hergerichtet hat für den Spontanbesuch. Aber eins weiß ich von ihr und das ist so wunderbar: Sie nahm Jesus auf!
"Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Martha, die nahm ihn auf."

Selige Martha! Du stehst in einer Reihe mit den Gestalten der Bibel, die den Heiland aufnahmen. Von denen gesagt wird:
"Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben."

Martha nimmt Jesus auf. Es ist nicht das erste Mal. Irgendwann hat sie es zum 1. Mal getan, seitdem konnte er immer in ihr Haus kommen. Jesus aufnehmen heißt Jesus einladen, daß er Herr sein darf in meinem Leben. Jesus aufnehmen heißt: Ich unterstelle ihm meine Existenz. Das hat die Martha einmal getan, früher, vor dieser Geschichte hier. Und wenn es jetzt wieder heißt, er kommt da an mit seinen Jüngern und sie nimmt ihn auf in ihr Haus, dann stimmt das eigentlich nicht, auch wenn die Worte so klingen. Auch wenn das wohl im Grundbuch eingetragen war im Rathaus von Bethanien, Dorfstraße 7, Besitzerin Martha. In Wirklichkeit gehörte dieses Haus Jesus. Nicht als Immobilie, Jesus legte keinen Wert auf Besitz. Das Haus der Martha gehörte Jesus, weil sie irgendwann einmal den Vorsatz des Josua aus dem Alten Testament auch zu ihrem Grundsatz gemacht hat: "Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen."

Also eigentlich kommt Jesus hier nicht als Gast, sondern gewissermaßen als Hausherr. Da kann die Martha froh sein, daß Jesus da nicht die Bilder umhängt und die Möbel umstellt. Er ist der Hausherr. Und wir geben ihm nur Platz, Raum in dem, was ohnehin ihm gehört.
Und nun ist Jesus da eingekehrt in besagtem Haus. Er liegt zu Tisch. Es ist ein Jüngergespräch. Irgendwann werden sie das Gespräch unterbrechen werden, wenn das Essen kommt.

Was es da wohl gegeben hat? Aber ich will nicht zu viel ausmalen. Sonst denkst du zu sehr ans Essen und an das Mittagessen heute. Und bist am Ende so abgelenkt wie die Martha im weiteren Verlauf der Geschichte.

Wer von euch die Geschichte kennt, ist vielleicht der Meinung: Die Maria macht es richtig, die nimmt sich Zeit für Jesus. Die Marta macht es falsch. Die hält sich mit Hausarbeit auf. Das hat doch wohl Zeit, bis die Gäste weg sind.

Die Geschichte spielt aber nicht in Sulingen 2011, wo man den Geschirrspüler anstellen kann und der macht den Abwasch. Damals aber gehörten Frauen nach allgemeiner Auffassung in die Küche.
Marta war mit dieser Rolle völlig zufrieden. Sie wird gedacht haben: Wenn man den Männern die Bewirtung überließe, geht alles schief. Im Gespräch sind sie geübter. Wir Frauen dürfen zuhören. Aber doch sicher erst nach getaner Arbeit. Und in schicklicher Entfernung. Und was tut Schwesterherz?

Das darf doch wohl nicht wahr sein. Sie hockt sich hin zum Gast. Schmeißt sich ihm geradezu vor die Füße. Ist mir das peinlich! Und er sagt kein Wort. Er als Respektsperson müßte doch etwas sagen. Sieht er die denn gar nicht? Sieht er mich denn gar nicht? Vergeblich hat Martha ihrer Schwester Zeichen gegeben, extra laut mit den Töpfen geklappert. Jetzt platzt ihr der Kragen. Sie läuft in die Stube und unterbricht den Heiland:
„Herr, fragst du denn gar nicht danach, daß mich meine Schwester allein schuften läßt? Sag ihr doch bloß, daß sie mir helfen soll!“

Die Jünger denken bestimmt: Recht hat sie. Das hätte unsere Mutter auch gesagt! Die Jünger haben sich die Mühe und die Bedienung durch Martha gerne haben gefallen lassen. So kann es ruhig weitergehen.

Sie sind wie wir. Wir haben es auch gern bequem. In einem Gartenlokal hörte ich, wie sich am Nebentisch ein Ehepaar unterhält. Der Kellner war gerade gegangen. Er hatte beiden ein dickes Eis serviert. Da können wir Gott dankbar sein, daß wir es so schön haben, sagt die Frau. Wieso, brummt der Mann, das haben wir uns doch wohl alles redlich verdient!

So denken viele. Sie lassen sich gerne bedienen. Schließlich haben sie bezahlt dafür mit ihrem Geld, mit ihrer Arbeit. Aber sie lassen sich ungern bedienen von dem, der mit seinem Leben bezahlt hat für ihre Schuld.

Hier kommt er ins Haus von Maria und Martha. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem. Auf dem Weg zum Kreuz. Es ist eine der letzten Begegnungen. Sie werden einander nicht mehr lange haben. Maria spürt das. Martha wird es später leid tun, dass ihr ein blitzblanker Teller wichtiger war als ein vom Heiland gewaschenes Herz.
Wir nehmen den Dienst Jesu nicht an, weil wir überbeschäftigt sind mit unserm eigenen Dienst, mit dem eigenen Pflichtprogramm. Auch bei der Kirche.

Wenn dann die Nachbarin anruft und eine Einladung ausspricht für ein gemütliches Kaffeetrinken, kriegt sie für den von ihr vorgeschlagenen Zeitpunkt keine Zusage. Da ist nämlich Mitarbeit für die Archezeit angesagt. Oder für die Sonntagsschule, je nach Konfession. Und einen Tag früher? Geht auch nicht, da ist Besuchsdienst. Donnerstag Chor, Freitag Bibelstunde, Frau Nachbarin ist nur noch am Sichwundern. Hast Du denn gar keine Zeit mehr für die Familie. Oder einfach vorn Fernseher und Beine hoch und einen Spielfilm gucken. Du bist wohl bei der CDU, christlich dauernd unterwegs. Kriegst du denn da am Ende vom lieben Gott ne Belohnung für?

Nun ist das ja eine feine Sache, Jesus zu dienen. Wer sich das vornimmt, hat einen wunderbaren Entschluß gefaßt. Nur heißt Jesus dienen nicht zuerst gucken, wem kann ich noch helfen und sich wer weiß wie abmühen und abstrampeln. Ist das überhaupt der Dienst, den Gott von uns verlangt?

Viel scheinbar frommes Tun ist in Wahrheit gar nicht christlich. Der christliche Glaube ruht nämlich auf den fünf Buchstaben "getan", während alle menschlichen Weltanschauungen und Ideologien und Moralgesetze auf drei Buchstaben beruhen: "Tun."
Tun oder getan, das ist die entscheidende Frage. Wir rühren hier an das Geheimnis von Rechtfertigung und Gnade. Menschen leben davon, was sie von Jesus empfangen. Was will Jesus mir schenken? Danach fragt Maria. Dafür nimmt sie sich Zeit.

Lassen wir uns von Jesus etwas sagen? Darf er uns noch dienen? Alles was wir versprechen für Jesus tun zu wollen. Und vielleicht sogar in die Tat umsetzen. Dieser ganze fromme Einsatz ist völlig für die Katz, wenn Jesus nicht zuerst uns dient. Wenn wir uns das nicht erst einmal gefallen lassen, ihm dafür Zeit geben. Das ist gar nicht so einfach. Und das hat überhaupt nichts mit Faulheit zu tun, wie die Martha hier mutmaßt. Das kann ganz schön Glauben kosten. Den ganzen Kram, der doch dringend erledigt werden müßte liegen zu lassen. Und ins andere Zimmer gehen.

Dahin, wo Jesus ist. Es gibt Orte, wo du mit mehr Abstand und Konzentration beten kannst. Wo du besser Jesus deine Sorgen, deine Schuld bringen kannst. Den Dienst seiner Vergebung in Anspruch nehmen kannst. Vielleicht ist das die Bettkante oder der Dachboden oder meinetwegen das Badezimmer, irgendein Ort wo du eine Zeitlang allein sein kannst mit deinem Herrn. Und wenn der viele Streß dir auch nicht mehr Zeit läßt als die Losung zu lesen und zu bedenken. Nimm dir Zeit für den Herrn, damit er dir dienen kann.

Das wichtige, was zuvor noch erledigt werden muß, ist womöglich gar nicht so wichtig. Wenn die Martha gewußt hätte, es ist das letzte Mal, das Jesus hier vorbeikommt in seinen Erdentagen, ich werd ihn nicht mehr wiedersehen, dann hätte sie vielleicht dasselbe gute Essen gekocht, aber die Spinnweben hätte sie bestimmt hängen lassen., Und vieles andere liegen gelassen um nur ja jede Stunde auszukosten in der Gegenwart des Heilands.
Was sagt Jesus zu Martha? „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe.“

Das ist zunächst ein Wort der Anerkennung. Dann fügt er hinzu: Etwas anderes ist nötiger. Du sorgst dich und bist aufgeregt. Du sorgst dich und läßt dich in Unruhe bringen.
Dem Tun der Martha fehlt die Gewißheit des Glaubens, die Freude im Heiligen Geist. Das kann nur Jesus geben. Und dafür muß man erst Jesus zuhören. Das ist das eine, was nötig ist.

Wie ist die Geschichte ausgegangen? Ist Martha enttäuscht weggegangen? Oder hat sie Arbeit Arbeit sein lassen und sich zu ihrer Schwester gesetzt? Das Evangelium verrät es nicht.
Es ist dies eine der vielen Geschichten, die mit einem wichtigen Jesuswort ausklingen. So soll dies Wort auch uns begleiten. Wir sollen unsern Namen einsetzen. Klaus, Klaus, du hast viel Sorge und Mühe, eins aber ist Not. Nach diesem Einen sollen wir fragen. Jesus fragen.

So will diese biblische Geschichte keine Charakterstudie sein: Maria die Stille, Martha, die Rastlose. Es geht nicht um die Alternative, beten oder dienen. Das Motto der diesjährigen Gebetswoche war: Gemeinsam beten und dienen.

Das ist das Amt der Christen. Egal, , ob wir geschäftige oder besinnliche Typen sind.

Am Schluss heißt es, sie hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden. Das gute Teil ist in der Bibel das Erbteil. Das ewige Leben, das wir ergreifen sollen und das wir nur bei Jesus finden. Den einen hält die Trägheit davon ab, den anderen die Betriebsamkeit.

Möchte es bei uns nicht so sein. Lernen wir von den Stärken dieser beiden Frauen. Möchte es doch auch so sein bei uns, daß wir den Heiland aufnehmen und uns seinen Dienst gefallen lassen. Amen.

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