Kraft, Liebe, Besonnenheit und Leben gelingt!

Liebe Gemeinde,
hören wir noch einmal was der zweite Brief von Paulus an Timotheus uns sagt:

„Denn GOTT hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme Dich nicht des Zeugnisses von unserem HERRN noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft GOTTES. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

„Fürchtet euch nicht!“ lässt GOTT in der Bibel ganz oft zu den Menschen sagen. Fürchtet euch nicht, wenn euch etwas Ungewöhnliches begegnet, wenn z.B. plötzlich Engelsheere auf einer Schafweide stehen oder ein Grab nach drei Tagen plötzlich leer ist.

Es hat mal jemand behauptet dies stünde 366 Mal in der Bibel. Für jeden Tag einmal, sogar mit Schaltjahr. Ob das stimmt, da bin ich mir unsicher? Ich hatte keine Chance es nachgezählt, aber auch wenn es erfunden ist. Es steht so oft in der Bibel, dass wir es ernst nehmen können. GOTT will nicht, dass wir uns fürchten, er hat uns nicht mit einem Geist der Furcht ausgestattet.

Nun hilft es natürlich wenig, einfach zu sagen: „Fürchtet euch nicht!“, denn Angst und Furcht existieren. Ich denke und hoffe, dass in unserer Kirche heute keiner mehr vor GOTT Angst haben muss. Aber es gibt jede Menge anderer Dinge, vor denen man Angst haben kann: vor Krankheit oder Arbeitslosigkeit, vor dem Tod oder auch vor dem Leben.

Ich habe vor einiger Zeit einen jungen Menschen in Berlin kennengelernt, der hatte eigentlich Angst vor allem: vor dem Leben, das dieser Person eigentlich überhaupt nicht lebenswert erschien und nur Schrecken in sich birgt, auch vor dem Tod, weil man ja nicht weiß, was einen da erwartet. Wenn ich hier sage „Fürchte Dich nicht.“, hilft das dieser Person überhaupt nicht.

Glücklicherweise haben wir etwas bekommen, das ganz praktisch gegen Angst und Frucht wirkt. „GOTT gab uns nicht den Geist der Furcht, sondern den der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!“ Diese drei Stärken können die Furcht ausbalancieren.

Kraft haben wir bekommen. Mancher hat viel körperliche Kraft, andere eher seelische Kraft. Wir haben Fähigkeiten und Gaben die wir einsetzten können, in ganz unterschiedlichen Bereichen. Der eine ist ein guter Handwerker, die Andere hat es eher mit dem Organisieren und der Dritte hat Ideen und Visionen. Wir brauchen starke Menschen, die in Krisen bereit sind, sich einzusetzen, die vorangehen und die anderen mit ihrer Stärke Mut machen. Aber Kraft allein wird leicht zur Prahlerei und Angeberei. Deshalb gehören die anderen beiden Aspekte unbedingt dazu, die Liebe und die Besonnenheit.

Liebe haben wir bekommen. In Gesprächen während der Ausbildung und mit anderen Lektoren habe ich gelernt, dass es verschiedene griechische Begriffe für das deutsche Wort „Liebe“ gibt. Bei Wikipedia fand ich dies bestätigt:

• Éros – bezeichnet die sinnlich-erotische Liebe, das Begehren des geliebten Objektes, den Wunsch nach Geliebt-Werden, die Leidenschaft;

• Philía – viele kennen Philius = Freund, dieses Wort bezeichnet die Freundesliebe, Liebe auf Gegenseitigkeit, die gegenseitige Anerkennung und das gegenseitige Verstehen;

• Agápe – bezeichnet die selbstlose und fördernde Liebe, auch die Nächsten- und „Feindesliebe“, die das Wohl des Anderen im Blick hat.

Zum Schutz des Anderen heißt Liebe auch, jemanden zurückhalten, wenn er im Begriff ist, eine Dummheit zu machen. Aber so, dass er nicht bloßgestellt wird. Liebe will nicht über andere triumphieren, sonder will, dass es dem Anderen gut geht.

Und Besonnenheit haben wir bekommen. Ursprünglich hieß dieses Wort in Luthers Übersetzung „Zucht“, in einer anderen Übersetzung hieß es „Selbstdisziplin“. Es geht also auch darum, sich selbst zurückhalten zu können. Zunächst mal zu schauen, was ist denn eigentlich nötig. Was brauchen die anderen, was brauche ich in dieser Situation.

Diese Drei zusammen: Kraft, Liebe und Besonnenheit, bilden das Gegengewicht zur Furcht. Und diese Drei haben wir bekommen, dass wir ohne falsche Schüchternheit Zeugen des Evangeliums sein können. Vielleicht fragen Sie sich, wie den das „Zeuge sein“ aussehen soll. Es gibt viele Wege, wie wir darstellen können, dass wir glauben, dass GOTT für alle Menschen ein gutes Leben will.

Die Eine macht es vielleicht durch Reden. Der Andere durch Zuhören. Wieder Andere sind mehr für die praktische Arbeit geschaffen, helfen z. B. beim fahrbaren Mittagstisch oder bei der Hausaufgabenbetreuung für Kinder.

Mir z.B. nahm der HERR die Unsicherheit, vor Menschen zu sprechen. Ich darf dadurch Zeuge sein, dass ER mich auserwählt hat als ein Lektor dieser Gemeinde, zu seinem Lobe und der Verkündigung seines Wortes tätig zu werden, was mir sehr viel Freude bereitet. Mich begeistert, wie aus Interesse an dieser Aufgabe sich Zuneigung, Faszination und sogar eine Liebe entwickelte.

Unser heutiges Gemeindefest, das wir gleich im Anschluss feiern, trägt die Überschrift: „Eine Tüte Rückenwind“. Eine sehr treffende Überschrift. Lassen wie uns diese drei Schlagwörter dieser Predigt zum Rückenwind und zur Rückenstütze werden.

Erfahren wir auch hier die Kraft und Stärkung durch das Wort des Evangeliums in Gesprächen miteinander. Liebe in dem herzlichen Umgang, der Fürsorge und dem Engagement füreinander. Und Besonnenheit wenn wir darüber nach denken, wie jeder von uns dazu beitragen kann diese Gemeinschaft zu stärken, zu festigen und wachsen lassen zu können.

Wenn wir Freude und Leid miteinander teilen, wenn wir aufeinander zugehen, statt jeder für sich allein zu kämpfen, dann sind wir auf dem Weg, um GOTTES Botschaft bezeugen zu können. Jeder soll seine gute Gabe mit Kraft, Liebe und Besonnenheit einsetzten, um dem Leben zu dienen. Wünschenswert ist, dass die Frucht keinen Platz mehr bei uns hat.

Dieser gute Geist, der uns umfängt, wurde uns geschenkt durch Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen und uns das Leben gebracht hat.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrerin Johanna Graeff in Gauting.)

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