Unser Leben trägt wieder Frucht

Liebe Gemeinde,
der heutige Sonntag trägt den Namen „Lätare“.
Was steckt drin im Wort „Lätare“? Dieser Sonntag markiert die Mitte der Passionszeit und dieser Tag im März sagt uns:
Der Frühling ist nicht mehr weit und es gibt ein Ende der Traurigkeit. „Die Freude kehrt zurück“ – „Lätare“

In ihrer Hand haben sie ein kleines Weizenkorn. Was steckt da drin? Wie viel Energie, wie viel Kraft stecken da drin? Kaum zu glauben! Es braucht Licht, es braucht Wasser und es braucht Erde um sich zu entfalten.

Und dann wächst ein Geheimnis heran – Frucht.
Jedes Weizenkorn trägt diese Möglichkeit in sich.

Im Zeitalter der Massenproduktion und des Weizenüberschusses machen wir uns meist keine Gedanken über ein einzelnes Weizenkorn.

Die Bibel erzählt nicht, was mit dem Weizen auf dem Markt los ist, sondern sie erzählt vom Leben und Sterben eines einzelnen Weizenkorns:

Es war einmal ein kleines Weizenkorn, das wollte nicht sterben.
Das wollte immer nur leben. Und weil es ganz gierig nach Leben war, blieb es allein.

Es war einmal ein kleines Weizenkorn, das war ganz allein und weil es so allein war, war es sehr traurig. Es wurde ein depressives Weizenkorn. Ja, das gibt es. Schauen sie sich das Weizenkorn an, das sie in der Hand haben. Es hat soviel Energie, es hat soviel Power. Aber es kann nur die Geschichte vom depressiven Weizenkorn erzählen, weil es allein ist.

Es war einmal ein kleines Weizenkorn, das träumte vom Licht. Das träumte von Wärme und Geborgenheit. Es träumte den wunderschönen Traum von der Sonne die lachen kann. Und vielleicht würde es auch wieder lachen können, wenn es nur die Sonne wahrnehmen könnte.

Es war einmal ein kleines Weizenkorn, das war sehr vielwillig, das wollte nicht nur Wärme und Licht, die Sonne mit ihrer Energie und Kraft, sondern es hatte Durst, ganz viel Durst nach Leben. Wasser, ja, es braucht Wasser zum Leben. Davon hatte es schon immer gewusst! „Das Wasser will ich haben“, sagte sich das Weizenkorn.

Das kleine Weizenkorn, das leben wollte, hatte vergessen: zum Leben brauchst du Erde. Und wenn du die Erde haben willst, dann musst du die Erde spüren. Dann musst du in die Erde hinein.

Es hatte einen starken Willen, das depressive Weizenkorn. Viele Depressive haben einen starken Willen und einen dicken Kopf. Mit seinem dicken Kopf wollte es einfach nur Sonne und Licht haben. Es wollte den Durst löschen, das Leben trinken. Und jetzt sollte es auch noch in die Erde hineinkriechen. Nööh, da war es einfach blockiert und so blieb es allein. Nur Alleinsein ist schwer.

Und dann geschah es. Unser kleines Weizenkorn, das nicht in die Erde wollte, wurde in die Erde geworfen. Es wurde hinein geworfen in einen Prozess: Wasser, Wärme und Mutter Erde wirkten zusammen.Dem kleinen depressive Weizenkorn war es zum Sterben elend. Alles wurde anders. Es verwandelte und veränderte sich alles. Es kannte sich selbst nicht mehr. Das kleine Leben wurde groß und schön. Es stand da mit vielen Anderen auf einem großen Feld.

Es erlebte wie die Sonne aufging, wie der Regen kam und wie es wuchs. Alles war ganz neu. Auf diesem wogenden Kornfeld reiften viele Weizenkörner heran, viel Frucht. Einer sagte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt bringt es viel Frucht.“

Das kleine Weizenkorn in ihrer Hand will uns mitten in der Passionszeit erzählen, wie froh wir werden können. Es will uns das fremde Wort „Lätare, Freuet Euch“ näher bringen. Es will sagen: „Jetzt ist es Zeit über das Leben nachzudenken!

Leben ist nicht nur Sonnenschein. Leben heißt nicht nur, den Durst nach Leben zu Stillen. Leben das ist ein schmerzlicher Prozess, da wirkt alles zusammen. Du musst ganz tief in die Erde hinein, brauchst Wurzeln, musst dich verwandeln lassen. Alles muss zusammenwirken: die Energie der Sonne, die Kraft des Wassers und die Erde mit ihren Tiefen und dunklen Geheimnissen.

Vielleicht nehmen sie das Weizenkorn, das so allein ist, mit nach Hause.Probieren sie es aus: ein wenig Erde, ein wenig Wärme auf den Fensterbrett und Wasser, jeden Tag ein paar Tropfen. Dann kann es werden, wenn das Weizenkorn erstirbt, bringt es Frucht.

Suchen sie die einzelnen, einsamen und irregeführten Weizenkörner in ihrem Umfeld. Wir haben die Chance Leben positiv zu verändern. Sprechen sie diese verschlossenen Menschen an, vielleicht haben sie ja den richtigen Schlüssel.

Zeigen sie eine Möglichkeit auf und bieten Hilfestellung an. Vielleicht hilft auch ein kleiner Schubs auf den Acker mit dem guten Mutterboden, sprich unseren Glauben und die Bibel. Dies ist unser Acker, von einem plätschernden Bach mit erfrischendem Wasser durchzogen, auf den häufig die Sonne scheint.

Erzählen sie von den schönen Erlebnissen und Erfahrungen die sie mit unserer Gemeinschaft und der Anlehnung an das Göttliche gemacht haben.
Und viele Menschen die einmal ganz unten waren und denen wir helfen konnten, werden sagen: „Es ist wahr. Ich saß da ganz lange, ganz tief fest. Und jetzt ist neues geworden, mein Leben trägt wieder Frucht“.

Und Andere die einmal abhängig waren, abhängig von Dingen, die sie einsam gemacht haben. Sie haben viel durchgemacht um davon loszukommen. Nun, jetzt ist ein neues Lebensgefühl da. Sie müssen nicht mehr allein leben, da ist eine Gruppe, da sind Menschen, das Leben ist verwandelt – Frucht.

Es kann geschehen: „Lätare“.
Es kann geschehen, wenn ein Prozess in Gang kommt, den wir nicht selbst steuern können: die Energie des Lichtes, die Kraft vom Wasser des Lebens und das Geheimnis der Erde die uns trägt, Gotteswort und der Glaube. Wenn alles zusammenspielt kann viel Positives und Gutes geschehen.

Lätare: „Die Freude kehrt zurück“.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Friedhelm Borggrefe.)

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