Buße braucht Muße – Aufbruch und Neubeginn

Liebe Gemeinde!

Nach all dem Weihnachtszauber und den Botschaften zum Jahreswechsel – fast ein eher banal wirkender Abschnitt im Neuen Testament: Jesus zieht um – weg von seinem vertrauten Umfeld, von seinen Eltern, von seinen alten Gewohnheiten: – ein Aufbruch und ein Neubeginn.

Und damit beginnt das öffentliche Wirken Jesu, diese wichtige Etappe seines irdischen Lebens – sie wird nur gut eineinhalb Jahre dauern bis ans Kreuz – und doch geschieht dabei so Entscheidendes, dass sich bis heute Milliarden von Menschen im Namen dieses Jesus versammeln – und daraus Kraft für Ihr Leben schöpfen!

Aufbruch und Neubeginn, das passt gut zum Beginn des Neuen Jahres. Ab morgen beginnt nach den Ferien für viele wieder der Alltag. Die Weihnachtsbäume sind z.T. schon aus den Wohnzimmern geräumt und dann wird sich zeigen, was bleibt von so manchem guten Vorsatz. fast die Hälfte der Raucherinnen und Raucher wollten zum Jahreswechsel aufhören. Ob sie es durchhalten?

Aufbrechen, neu beginnen -ich sehne mich danach, dass es gelingt – wie macht Jesus das? Wie bricht Jesus auf?

Zwei Aspekte werden mir in diesem Abschnitt des Mt-Evangeliums deutlich:

1. Jesus sagt: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!“ (Vgl. Johannes d. Täufer)
Den Begriff Buße kennen wir vom Bußgeldbescheid und der Drohung: „Das wirst du mir büßen!“ – das klingt nicht sehr einladend.
Übersetzt heißt der Begriff „Umkehr“, aber bei uns in Oberfranken würde ich besser das Wort „Einkehr“ nehmen.
„Tut Buße“ heißt also: Mach erst einmal Rast, eine Einkehr!Setzt dich in aller Ruhe hin. Lass deine Gedanken ein wenig schweifen. Verfall nicht gleich in Aktionismus, was du alles anpacken solltest, – sondern denken nach in Muße.
Buße braucht Muße!

Schau dir dein Leben an, denn das Himmelreich ist nahe!
Wenn wir sehen, wie Jesus mit den Menschen umging, dann wissen wir, dieser Satz ist keine Drohung!
„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen!“ (Jesaja 42,2) Diese Worte aus der Alttestamentlichen Lesung passen so wunderbar zu Jesus. Er reihte sich nicht ein in die Riege der Besserwisser und Verurteiler, sondern setzte sich mit den Gescheiterten und Belasteten an den Tisch, aß mit ihnen und machte ihnen Mut zum Aufbruch zum Neubeginn. Er sage ihnen:

„Lass dein Leben bescheinen vom aufziehenden Licht der nahenden Gottesherrschaft! Erschrecke nicht vor diesem Licht, du brauchst dich nicht zu verstecken oder zu schämen vor Gott. Sein Licht ist nicht demütigend wie die Scheinwerfer einer Castingshow, wo sie dich dann von der Bühne jagen. Gottes Licht ist sanft und wirklich erhellend. Er will, dass dir ein Licht aufgeht! Entdeck doch deine Gaben, deine Möglichkeiten. Warum lässt du dich da so in Beschlag und gefangen nehmen von alten Gewohnheiten oder Ängsten?

Und noch etwas: Du musst nicht selbst leuchten, denn Gott kommt und macht es hell, auch in deinem Leben. Lass dich anstrahlen und anstecken, damit die Welt – und dein Leben – ein bisschen mehr so wird, wie Gott es für gut hält.

Liebe Gemeinde!
Vielen sagen, die Welt sei ja so kompliziert: du denkst du machst das Richtige und tankst z.B. Biodiesel – und plötzlich taucht dann in deinem Frühstücksei Dioxin auf, das dich und deine Familie vergiftet!

Oder du weißt, dass dein Wohlstand nur deshalb so üppig ist, weil das Spielzeug deiner Kinder oder dein Computer in anderen Teilen der Welt zu Hungerlöhnen und menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden.

Ein schlechtes Gewissen ist kein guter Ratgeber! Aber der Wochenspruch weist auf solche umtriebigen Gedanken hin: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Römer 8, 14) – also, wenn es dich umtreibt, wenn dich die Ungerechtigkeit beißt, wenn dich manche Gedanken über dein Leben aus dem Schlaf rütteln, dann könnte es auch der Geist Gottes sein, der dir sagt: „Komm, übernimm die Verantwortung, brich auf und fang neu an!“

Sie kenne sicherlich dieses Gebet: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, gib mir den Mut, Dinge zu änderen, die ich ändern kann und gibt mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Hier komme ich noch kurz zum zweiten Aspekt von Jesu Aufbruch und Neubeginn:

2. Jesus fängt klein an: Er zieht in die Nachbarschaft – nicht gleich in die Hauptstadt nach Jerusalem. Er beginnt sein Wirken mit seinesgleichen, mit einfachen Handwerkern und Fischern vom See Genezareth.
Nicht mit gelehrten und studierten Theologen vom Tempel.
Die kleinen Schritte sind es, die nachhaltig zum Ziel führen können. Die Psychologen warnen davor, beim Verändern der Lebensumstände die Messlatte zu hoch legen. Denn so sind das Scheitern und der Frust garantiert und es folgt die bequeme Ausrede: ich hab´s halt doch nicht geschafft.
Kleinen Schritte sind es!

Dazu habe ich ein kleines Gedicht gefunden. Es heißt: „Der Laden“ (vom Liedermacher Gerhard Schöne)

War es Traum oder Wirklichkeit, als ich in dieser Stadt
irgendwo im Gedanken jenen Laden betrat.

Hinterm Tisch dieser Händler, wirkte irgendwie fremd.
Verbarg mühsam zwei Flügel unterm lichtweißen Hemd.

Das Regal war bis unter die Decke voll mit Tüten und Schachteln gestellt.
Doch im Dämmerlicht konnte ich nicht sehen, was die eine oder andre enthält.

Nun, ich fragte den Händler, was verkaufen sie hier?
„Alles, was sie sich wünschen, alles gibt es bei mir.

Das, wonach sie sich sehnen, was sie frohmachen kann,
was sie schon nicht mehr hofften, alles biete ich an.“

Oh, wie hab ich mich da vor dem Händler mit dem Wünscheaufsagen beeilt:
„Sie, ich möchte das Schweigen der Waffen, die Brötchen besser verteilt.

Mehr Verstand in die Köpfe, aus den Augen die Gier,
Eltern Zeit für die Kinder, Achtung vor jedem Tier,

helle Zimmer für alle, Arbeit je nach Talent.
Als ich Luft holen wollte, sprach er: „Kleinen Moment!“

Sicher haben sie mich falsch verstanden. Wie ich hör, woll´n sie Früchte bei mir.
Ach nein, nein, ich verkauf keine Früchte, nur die Samen dafür.

(Falls noch Zeit ist kann sich hier folgende Samenkornaktion anschließen:)

Jeder von Ihnen bekommt gleich ein Samenkorn aus Papier. Nehmen sie sich bitte einen Moment Zeit und überlegen sie, was aus diesem Samenkorn einmal werden soll. Welche Frucht hätten sie am liebsten? Was soll in Ihrem Leben aufgehen und gedeihen?
Schreiben sie das mit den Stiften, die wir herumgeben, auf die eine Seite des Samenkorns.
Vielleicht kommen ihnen auch Ideen, wie sie dem Samen Zeit und Raum zum Wachsen geben können. Was sie tun können, damit dieser zur Frucht gedeihen kann.
Das können sie dann auf die Rückseite schreiben.
Ihr Samenkorn können sie dann später mit nachhause nehmen. Möge es mit Gottes Hilfe viel Frucht tragen.
Während wir nachdenken, hören wir jetzt Musik von der Orgel.

SAMENKORNBESCHRIFTEN

Falls Ihnen die Zeit nicht gereicht hat, möchte ich sie ermuntern, zu Hause noch einmal darüber nachzudenken. Die Stifte können Sie einfach an Ihrem Platz liegen lassen.

Das Reich Gottes wird geschenkt – Gottes Licht scheint und erhellt diese Welt und unser Leben unter seinem Segen. Darauf vertraute auch Jesus, als er schließlich am Ende nach Jerusalem zog und seinen Weg ging bis ans Kreuz und darüber hinaus ins Leben … – Dieses Vertrauen schenke Gott uns allen.

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