Gönn dir den Segen

Deutsche wollen im neuen Jahr vor allem weniger Stress:

Hamburg – In 2011 möchten die Deutschen vor allem weniger Stress haben. Besonders auf Familien lastet offenbar ein solcher Druck, dass sich zwei Drittel von ihnen gezielt mehr Entspannung für das kommende Jahr vorgenommen haben. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkassen DAK. „Die Anforderungen in Job, Familie und Haushalt parallel zu meistern, ist oft mit dauerhaftem Stress verbunden“, sagte der Psychologe Frank Meiners von der DAK. Allgemein falle auf, dass sich vor allem Jüngere zwischen 18- und 29-Jahren einiges vorgenommen haben: So möchten sie überdurchschnittlich häufig mehr Zeit für Familie und Freunde haben, Sport treiben, sich gesünder ernähren, weniger fernsehen und vor allem sparsamer sein. 53 Prozent von ihnen wollen 2011 weniger Geld ausgeben. Immerhin hält die Hälfte der Deutschen ihre guten Vorsätze länger als drei Monate durch. Besonders ältere Menschen ab 60 Jahren setzen sie langfristig um (56 Prozent). Auch Frauen scheinen etwas willensstärker zu sein als Männer (52 zu 47 Prozent). Psychologe Meiners rät: „Weniger ist mehr. Setzen Sie sich wenige, aber realistische Ziele fürs neue Jahr. Auch Rückfälle sollten Sie einkalkulieren und sportlich nehmen. Kleinere Etappenziele sind auch oft hilfreich. Denn ist das Ziel zu hoch gesteckt, ist der Frust meist groß, wenn es nicht erreicht wird.“ © hil/aerzteblatt.de 101231 – Quelle und ©: Deutsches Ärzteblatt vom 31.12.2010

Jahresswende: Gute Wünsche haben Hochkonjunktur. Erst: „Frohe Weihnachten!“ „Fröhliche Weihnachten!“ „Gesegnete Weihnachten!“ Und jetzt: „Ein gutes Neues!“ „Prost Neujahr!“ „Alles Gute für das neue Jahr.“ „Hauptsache gesund!“ – Wenn schon, dann alles: Ich wünsche Ihnen, sozusagen in Größe XXXL, ein gesegnetes neues Jahr. Gesegnet: Gottes Segen, das ist Wohlergehen, Gesundheit, Glück und Gelingen, dass Sie heil und unversehrt bleiben und noch mehr. Gottes Segen soll sich Ihnen über den Tagen des kommenden Jahres öffnen und Ihnen, manchmal unverhofft, in Ihrem Leben entgegenpurzeln, fröhlich, lachend wie ein ausgelassenes Kind. Wünsche – gute Wünsche. Wenn nur ein Bruchteil der Wünsche in Erfüllung geht, sind wir reich beschenkt. – Ob es dazu kommt? Wer weiß? Mit Wünschen und ihrer Erfüllung ist das so eine Sache. Wir wünschen uns, was wir nicht haben, gern hätten, was wir nicht selbst machen können.

Wünschen Irgendwas fehlt immer. Irgendwas bleibt immer unsicher. Ob wir uns zum nächsten Altjahrsabend alle wieder treffen? Alle? Wir haben die Zukunft nicht in der Hand. Weder unsere noch die der Welt. Das macht unsicher. Wir wären gern die Macher – aber da sind Grenzen. Und dann eben: Gute Wünsche. Weil so viel offen ist und wir können’s mit unserm Reden und Tun und Machen nicht füllen. Ob wir deshalb mitten in der Woche Gottesdienst feiern? Altjahrsabend?

Darum geht’s auch Menschen in Israel. Sie sprechen Jesaja an: Was soll werden? Weshalb geht es uns nicht so gut, wie es eigentlich sein könnte? Was stimmt da nicht? Warum fühlen wir uns oft hin- und her gerissen? Warum geht es nicht so richtig voran bei uns? Woher die Sorge, manchmal Angst? Kennen Sie die Fragen? Fast wie heute …
Jesaja antwortet:

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Starke Worte in Gottes Namen. Viele haben die Köpfe geschüttelt: „Nee, Jesaja – das nun nicht!“ Auch wenn nur wenige Jesaja glauben, wenige sich ändern, stille werden, Gott vertrauen lernen: Einige Jahre später erfüllt sich die Prophezeiung bitter. Israel wird überrannt und nach Babylon verschleppt. Wer bleibt: Wie ein vergessenes Fähnchen im Wind.

Wegen der Lage im alten Israel werden die Worte heute Abend nicht gelesen. Gelesen werden sie wegen der Stille, wegen des „Umkehren, stillhalten, vertrauen, Gelassenheit erlangen, stark sein, gerettet werden“ und des „aber ihr wollt ja in Wirklichkeit gar nicht“. Umkehren. Anders leben. Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Stille und Hoffen gehören zusammen. Wer keine Ruhe kennt, verliert den Horizont im Leben, verliert die Hoffnung, wird innen drin zappelig, merkt: Irgendwas fehlt. Aber was? Die Stille. Sie ist unter dem ganzen Lärm und Umtrieb verschüttet, wie verloren. Wir leben in die verkehrte Richtung. Umkehren also: Woanders ist sie da, lässt sich neu finden. Und Gott, ja, Gott.

Schauen Sie: Im Laufe der Jahre ist es bei uns ganz schön hektisch und laut geworden; heute Abend sowieso: feiern, viele Gespräche, Stimmen durcheinander, das Feuerwerk. Als wenn das alles wäre: Wir sind umgeben von Betriebsamkeit, von werden Geräuschen berieselt: Reden, Musik, Bilder, Nachrichten … Ständige etwas Neues, ständig aufs Tempo drücken. Das ist für viele Normalzustand: Grenzenlose Beschleunigung. „Das noch und dann das und das – und das darf ich heute nicht vergessen und … o Gott: wie soll ich das bloß schaffen!“ – Zeitnot, Hast, Kurzatmigkeit.

Das alles nicht zufällig. Dahinter eine Absicht, wenn auch selten bewusst, die nämlich: „Perfekt!“ – Ich will gut da stehen, um beinahe jeden Preis. Keine Schwäche zeigen. Dabei bin ich nicht nur gut; und manchmal ganz schön schwach.

Und deswegen gibt es eine Flucht vor der Stille. Viele fürchten sich insgeheim vor der Stille: Denn wer nichts mehr hat, was ihn oder sie ablenkt und beschäftigt, ist auf einmal mit sich selber allein. Dabei: In der Stille begegnen wir uns selber. Nur noch uns. Wollen Sie das? Halten Sie das aus? Wann haben Sie sich selbst zuletzt getroffen? Und in der Stille Gott.

… Stille …

Stille. Es gibt zugleich eine Sehnsucht nach Stille, nach ruhigen Orten, nach stillen Augenblicken, nach ungefüllten Zeiten und weitem Raum, Gelassenheit. Klöster wie die Kapuziner in Stühlingen, die Mönche in Beuron, die Schwestern von Grandchamps, Retraiten wie in Schloß Craheim oder bei den Michaelsbrüdern am Neckar haben Hochkonjunktur. Und die Discountversionen an der Volkshochschule: Reiki und was weiß ich hier, Yoga dort. Viele – Sie auch? – wissen, dass ihnen Ruhe und Stille sehr gut tun würden. Viele ahnen, dass sie manches verfehlen, sich selbst, sogar Gott, wenn sie jeder Abwechslung nachgeben, jedes Fest besuchen, jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf jagen – oder sich mindestens an der Jagd beteiligen.

Gutes Leben hat nicht so sehr Breite als vielmehr Tiefe. Jesaja: Hört auf hirnlos in die Zukunft zu stürmen, als würde Euch die Gegenwart wie ein Feind verfolgen. Innehalten ist jetzt dran, Stille, Ruhe, Gelassenheit gewinnen und Stärke: Die Wahrheit finden, den Sinn, das Sein – und Gott – und die Kraft liegt in der Tiefe, in der Stille. Kehrt um!

„Durch Stille sein und Hoffen würdet ihr stark sein.“ Unter der rauen Schale Gottes freundliches Angebot. Der Satz steht im Konjunktiv: "… würdet ihr stark sein …" Das bedeutet: Wir können das. Es geht. Es gibt einen Weg aus der Unruhe, der Hektik, hin zum Leben. Und immer wieder neu Gottes Angebot: „Tuts doch. Redet nicht nur davon. Sehnt Euch nicht nur nach Leben: lebt!“ Seine Einladung zum Leben. Wir können stärker werden durch Stille – wenn wir es wirklich wollen. Gott jedenfalls traut Ihnen und mir die Stärke zu. Weshalb? Weil er sie in uns gelegt hat, lange schon. Und es ist ja auch stark, einen Menschen zu treffen, der in sich ruht, in Gott ruht. So eine, einer könnten, nein: können Sie sein!

Gut möglich, sogar sehr wahrscheinlich, dass uns stille Zeiten zunächst verstören. Das ist, als würden Sie die ganzen Kisten, Kästchen und Kartons aus dem Keller und dem Speicher Ihres Lebenshauses mitten ins Wohnzimmer stellen. So still ist die Stille im Anfang gar nicht – was da alles zu sprechen beginnt, das vorher nicht zu Wort kam: Erinnerungen, Verletzungen, alter Ärger, schöne Erinnerungen, was noch … ? Ihr, mein Innenleben – nicht immer angenehm und wohlerzogen. Doch hinter dieser Verstörung dann die Quellen, die verschüttet waren, die Ihr, mein Leben stark machen. Und sie öffnen sich, die Quellen. Und Gott. Denn: „Das Reich Gottes ist inwendig in Euch.“ So nah!

Und Schritt für Schritt ist alles wieder da, was hinter dem Gerenne und Getue und der Unruhe und der Unsicherheit wie verloren schien: Er. Gott. Ein Grund, an dem ich mich festhalten kann: Gott wie ein Geländer auf der wackligen Treppe meines Lebens. Und Gelassenheit und Sicherheit, Rettung: „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein …“ – „ …aber Ihr wollt ja nicht …“ Wirklich nicht?

Mein Wunsch: Ergreif Gottes Segen, Stille, Kraft, Sicherheit und Besonnenheit, damit Du selbst ein Segen bist. Gönnt Dir den Segen, Gott, Dich selbst, Leben.

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