Gott wird Mensch, dem Mensch zu Gute.

Ich hoffe, Sie haben schon alles besorgt, was Sie Ende der Woche verschenken wollen. Wenn nicht, wird es eng. Sie könnten im Gedränge was Wesentliches verpassen. Es gibt nämlich Wichtigeres als Geschenke, als Plätzchen oder geschmückte Stuben.

Es gibt das Hinhören: was will Gott ins einem Advent mit uns anfangen. Er kommt, aber wozu?

Und wer die Geschichte von Weihnachten liest findet erstaunliches verborgen in einer Geschichte, die uns sehr seltsam anmuten kann.

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Die Heilsgeschichte Jesu beginnt mit zwei wunderbaren Schwangerschaften. Und mit einem Problem: Wenn ich mit Jugendlichen über das Glaubensbekenntnis spreche: geboren von der Jungfrau Maria, dann gibt es alles Mögliche: breites Grinsen, kichern, Unverständnis oder: Blödsinn.

Tatsächlich hat diese Erzählung viel Leid angerichtet, weil sie das Ideal einer reinen Jungfrau anderen Frauen gegenüberstellten und damit alle Formen einer normalen Schwangerschaft diskreditierten. Die Gegenüberstellung von reiner Jungfrau und sündhafter Sexualität bzw. Empfängnis ist allerdings weder biblisch noch christlich. Dabei war der Hintergrund eigentlich ganz banal: Die griechische Mythologie unterstellte Jungfrauengeburten allen Göttern und Halbgöttern und im Alten Testament gab es die Weissagung von der jungen Frau, die schwanger wird. Aus beidem zusammen wurde die Jungfrau Maria.

Was da nun wirklich wie biologisch geschehen ist, sollten wir darum in die zweite Reihe stellen.

Die Diskussion, ob Maria nun Jungfrau war oder nicht, könnte sonst schnell das eigentliche Wunder verdrängen, von dem die Geschichte erzählt: Gott kommt den Menschen nahe, er identifiziert sich mit diesem Kind, das Maria erwartet. Das ist die wesentliche Botschaft, dass Gott in die Welt kommt.

Und dass Gott sich, wenn er zu den Menschen kommt, an Menschen bindet.

Da landet ja kein Ufo im Jahre 0 in Bethlehem. Da müssen Menschen zu Menschen kommen. Der Engel, ein Bote Gottes, ein Mensch, den Gott sendet kommt zu einer jungen Frau, die unverheiratet in Nazareth lebt. Er belastet sie mit einer Zumutung. Er spricht ihr Mut zu, dass Unmenschliche zu wagen: Gott wird Mensch und erscheint bei den Menschen in Gestalt eines Menschen. Die Welt verändert sich, weil Maria diese Zumutung annimmt, ihre Lebensplanung umschmeißt.

Neben Maria ist auch Elisabeth schwanger mit Johannes. Die alte Unfruchtbare Frau genauso wie die unverheiratete junge Frau. Beide stellen sich Gott zur Verfügung, damit die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk weiter gehen kann.

Eine Hoffnungsgeschichte: Gottes Geschichte mit den Menschen setzt im Unbedeutenden ein. Er tritt zu einem Menschen und lädt ihn ein, sich auf eine Geschichte einzulassen: Ich bin deine Magd. Ich stelle mich Gott zur Verfügung, ich lasse Weihnachten werden, ich lasse es wachsen in mir. Gott geht zu einer jungen (unbedeutenden) Frau in Galiläa (‚Was kann aus Galiläa Gutes kommen?). Gegen alle menschliche Vernunft. Solche Geschichten hätten mit Herodes im Tempel abgehandelt werden können, aber nicht im Dorf in der tiefsten Provinz und schon gar nicht mit einer Frau. Da hätte man mit dem Vater oder dem verlobten reden müssen. Doch die Männer werden nicht gefragt.

Maria ist hier mehr als ein Gefäß. Sie wird gefragt und kann ja sagen. Damit beginnt eine schmerzhafte Geschichte bis ans Kreuz. Sie wird zur Wohnung Gottes und muss dafür viel aushalten. Es begann wohl schon in dem Moment, als sie unverheiratet und schwanger war, Objekt der Gespräche, des Klatsches, der verächtlichen Blicke.

Sie leidet unter Menschen, aber sie jubelt, weil sie weiß, was die Menschen erst später begreifen werden: Gott wird Mensch, dem Mensch zu Gute.

Der Advent geht zu Ende, die Weihnacht kommt. Lassen wir sie kommen und lassen den Sohn ankommen wie Maria, mit Verzagen und mit Freude, mit Angst und mit Hoffnung.

Dass Gott Mensch wird und in der Krippe liegt ist nicht nur schön, aber es ist voller Verheißung.

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