Durchbruch

Advent: Zeit des Wartens – Zeit der Frage eg 11: Wie soll ich dich empfangen? Ursprünglich war es eine Bußzeit, weil die Menschen warteten auf die Wiederkunft ihres Herrn Jesus Christus.

Worauf warten Sie noch?? – Das könnte die eigentliche Frage des Advent sein. Und letztendlich muss sie wohl jeder für sich selbst beantworten. Eine eigene Antwort finden. Das kann wohl auch eine Lebensaufgabe sein.

Einen Hinweis darauf bietet eine Szene aus der Verkündigung von Johannes dem Täufer.

Dieser Asket und Prediger wird gerne als Vorläufer von Jesus gesehen, als Vorspiel für den, auf dessen Wiederkunft wir warten.

Es war schon ein eigenartiger Vogel, diese Johannes, der in der Wüste hungerte und am Jordan predigte und taufte, der Rufer in der Wüste, im Grenzgebiet zwischen Wüste und Fruchtbarem Flussland, der die Leute anlockte und gleichzeitig beleidigte. Von ihm erzählt Lukas Einiges über sein Auftreten, das er bewusst historisch einbettet mit den Namen der seinerzeit Herrschenden:

[TEXT]

‚Was sollen wir denn tun?‘ ist die Reaktion auf die Predigt. Diese Frage ist das Ziel des Auftretens Johannes des Täufers. Sie trifft auch mich: Was soll ich denn tun?

Und ehrlich gesagt, ich tue mich schwer damit auf seine Frage überhaupt einzugehen. Seine Sprache ist weder einfühlsam noch kompromissbereit. Das tut weh, wenn er die Menschen als Schlangenbrut anspricht und sagt: Die Axt ist bereits an die Wurzel gelegt. Da möchte ich am liebsten weghören. Und trotzdem fühlen sich die Massen angezogen, lauschen nicht nur dieser Publikumsbeschimpfung, sondern treten den entscheidenden Schritt näher, tun Buße und lassen sich taufen.

Johannes der Täufer ist mehr als nur ein Vorläufer. Er ist Persönlichkeit, der Menschen weg von der Spaßgesellschaft hin zu einem verantworteten Leben ruft. Und seltsamerweise hören die Menschen auf ihn. Ist es ein Wunder. Waren die Menschen damals sensibler für Vorwürfe oder hatte dieser Johannes eine Ausstrahlung, die alles andere in den Schatten stellte.

Ich weiß es nicht, aber ich lese: Die Menschen ließen sich packen, hörten sich auch konkrete Hinweise an, die wir alle kennen: Teilen mit Bedürftigen, friedlich leben, Gerechtigkeit walten lassen.

Jesus teilte seine Inhalte, aber lebte ganz anders. Jesus war weniger Asket und überhaupt nicht weltflüchtig. Aber er predigte genauso über die Frage, die auch für Johannes entscheidend war: ‚Was ist recht leben in dieser vergänglichen Welt?‘

Nur sein Stil war anders. Er kam den Menschen entgegen und unterstellte grundsätzlich jedem Menschen Gutes. Und wie wir Menschen so sind: Johannes gilt darum bis heute als streng und hart. Und Jesus ist für viele der holde Knabe im lockigen Haar bis zum Kreuz. Beide Bilder sind Verkürzungen. So als gäbe es nur ein Bild aus meinem Leben, ein Kinderbild oder ein Bild aus einer Jugendfreizeit oder ein Bild aus einer Sitzung oder von einer Beerdigung – und jeder würde sagen: das ist er – so sieht er aus. Nein: Bilder sind immer Momentaufnahmen.

Wichtiger ist, dass wir die Verkündigung verstehen, die dahinter steckt: Johannes erzählt den Menschen deutlich, wer sie sind. Aus eigener Kraft am Ende. Aber mit der Zuwendung Gottes, wie in diesem Kind in der Krippe und dem Herrn am Kreuz deutlich wird. Johannes macht deutlich, dass Menschen sich ändern können und ändern müssen. Jesus macht deutlich, dass Gott sie dazu einlädt und ihnen Schuld vergeben will.

Jesus und Johannes der Täufer. Beide bedingen einander. Jesu Ruf ins Reich Gottes ist nur verständlich, wenn man den Ruf des Täufers zur Umkehr kennt.

Umkehr ist das eigentliche Thema des Advent. Es geht um das Durchbrechen jener adventlich-vorweihnachtlichen Süßigkeit hin zu einem Advent, der wirklich mit dem Kommen rechnet: Nicht des holden Knaben im lockigen Haar, sondern des Sohnes Gottes.

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