Uns ist viel anvertraut

‚Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein‘ Mit diesen Worten hat die EKD schon vor Jahrzehnten eine Diskussion entfacht, die heute noch wichtig ist und sich durch alle Ebenen zieht, auch wenn es schwierig ist, wenn wir heute nach Afghanistan schauen, wenn wir uns das Unrecht ansehen, dass in Nord-Korea oder im Iran alltäglich ist, wenn wir die Probleme um Liu Xiaobo ich China sehen und dann reagieren: Da müsste man doch mal Ordnung schaffen.

Nicht zu Unrecht macht sich schon der verdächtig, der eine allzu kriegerische Sprache wählt, der vom Dreinschlagen oder gar vom Erstschlag redet, vom Angriff der die beste Verteidigung sei, etc.

In der Bibel ist der Gebrauch von Worten und Bildern aus dem Kriegsbereich weiter verbreitet, vielleicht auch, weil die Menschen gar nicht zu denken wagten, dass Krieg etwas sein könnte, das nach Gottes Willen nicht sein darf. Für sie war Krieg Alltag. Die Gewalt, mit der der Kaiser in Rom Ordnung schuf, war normal, dass da Prediger gekreuzigt wurde, Völker ausradiert, grenzen neu gezogen und Sklaven hin und her verkauft wurden, das war Alltag, galt als normal.

Darum gibt es auch für den unbekannten Verfasser des Epheserbriefes keine Hemmungen ein Bild aus dem Kriegshandwerk zu benutzen, um Hinweise auf christliches Leben zu geben.

[TEXT]

Von Waffen rede ich ungern in der Kirche. Aus gutem Grunde. Hier wird in aller Ausführlichkeit die Ausrüstung eines Legionärs der Zeit der römischen Weltherrschaft beschrieben und umgedeutet auf die ‚Ausrüstung‘ eines Christenmenschen. Dessen Ausrüstung sieht aus wie die des Legionärs, allerdings sind es ganz andere Materialien, nicht Schwert, Schild und Panzer, sondern Wahrheit, Frieden und Glauben. Kein neuer Kreuzzug wird angesagt. Den Glaubenden werden Qualitäten zugesprochen:

Ihr seid weder Schutz- noch wehrlos
Ihr gehört zu Gott und könnt darum manchen Versuchungen widerstehen
Ihr seid gut zu Fuß und könnt darum gut Wege des Friedens gehen
Ihr könnt füreinander einstehen und miteinander stark im Glauben bleiben.

Es geht also nicht um Propaganda für Kriegszüge, sondern um eine klare Zeitansage. Sie richtet sich gegen das, was wir heute vielleicht ‚Couch-potatoe-Christentum‘ nennen würden.

Christlicher Glaube lebt eben nicht dadurch, dass wir auf der Couch liegen oder uns in gemütlichen Sesseln gegenseitig auf die Schulter klopfen oder uns immer wieder neu sagen, wie toll wir sind, sondern christlicher Glaube lebt vor Allem im Widerstand gegen Zeitgeist und gegen allerlei Versuchung. Er ist nicht schön, nicht gemütlich. Das alles ist christlicher Glaube auch, aber nur dann, wenn ich ihn auch dort lebe, wo mir der Wind ins Gesicht bläst.

In der Lesung haben wir die berühmten Antithesen von Jesus nach der Bergpredigt gehört: Ihr habt gehört – es gibt klare Regeln und Gebote, aber sie wollen auch gehört und verstanden werden. Ihr müsst euch rüsten mit einem wachen Geist, einem geschärften Verstand, damit ihr widerstehen könnt.

Der Teufel, von dem viele Schriften gerne erzählen ist ein Mythos, eine Geburt von Phantasien, die Menschen brauchen, um sich was vorzustellen. Das was gemeint ist, ist die Wirklichkeit, dass es starke Kräfte gibt, die dem Evangelium entgegenstehen. Diese Kräfte kommen von außen, aber sie wohnen auch oft genug in mir. Ich kenne diese Versuchungen, mich zu bereichern, andere zu verletzen, mich selber in den Mittelpunkt zu stellen, zu leben auf Kosten Anderer.

Es geht nicht darum, dass wir uns den Panzer der Unverletzlichkeit anziehen, sondern, dass wir uns wappnen für alle Eventualitäten. Wir dürfen verletzlich sein, auch in unserem Glauben, aber nicht unvorbereitet.

Wir dürfen leben wie die Figur von Cervantes: Don Quixote. Wir dürfen den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Windmühlenflügel aufnehmen im Vertrauen darauf, dass wir nicht alleine sind, sondern begleitet und gehalten werden. Von Menschen, die mit uns glauben, lieben und hoffen und von Gott, der wie Vater und Mutter zu uns ist. Wir dürfen aufrüsten: JA – aber nicht wie Rambo, bereit alles niederzumetzeln, sondern wie Franz von Assisi, mit dessen Worten wir gebetet haben. Wir dürfen uns rüsten mit Sanftmut und Geduld, mit der Fähigkeit, hinzusehen, hinzuhören und wahrzunehmen.

Beispiele hinken – immer. So auch natürlich das mit der Waffenrüstung. Die Ziele die dahinter stehen, müssen real bleiben: Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Heil. Es geht nicht darum wie John Wayne aus den Hüften zu schießen, sondern mit Wahrheit Gerechtigkeit und Frieden gegürtet zu sein, immer bereit für das zu stehen, was ich glaube.

Das stärkste aber ist das Gebet, eine Gabe Gottes, mit ihm reden zu dürfen wie mit einem freund. Im Gebet dürfen wir immer wieder neu um Schutz bitten für uns und unseren Glauben und für die bedrängten Gemeinden in China Ägypten oder der Türkei.

Uns ist viel anvertraut. Deswegen müssen wir keine Kriege führen und gewinnen. Aber wir müssen uns wappnen mit Glaube, Liebe Hoffnung.

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