Es ist dir gesagt, was gut ist

Micha 6,8: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. So einfach ist das: Ihr wisst ja längst alles. Die Erkenntnis über Gut und Böse ist doch selbstverständlich bei euch.

Und wenn ich ehrlich bin: Ich weiß zwar nicht alles aber doch viel darüber, wie Menschen sich verhalten sollten. Trotzdem versage ich manchmal, handle gegen besseres Wissen, beleidige oder kränke Menschen, nehme sie nicht ernst oder übervorteile sie.

Und wenn dann jemand versucht mich zu erinnern, was eigentlich gut sein könnte reagiere ich oft ausgesprochen pampig. Trotzdem brauche ich diese Ermahnung wohl öfter, wie sie schon Paulus formuliert:

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Haustafel heißt die literarische Gattung: Menschen werden an Einzelbeispielen ermahnt sich ethisch korrekt zu verhalten. Nun war es wahrscheinlich damals wie heute: Es war nicht die Mehrheit der Gemeindeglieder in der Gefahr immerzu herumzusauen. Die Mehrheit lebte wahrscheinlich so wie wir: friedlich und in Anstand – bemüht das Richtige zu tun. Paulus bestätigt das und lässt trotzdem seine Mahnungen folgen. Pädagogisch fragwürdig – vielleicht. Aber Paulus war kein Pädagoge: Er wollte Gemeindeleben anregen und weiterbauen. Darum die klare Mahnung: Achtet auf euer Leben. Glaubt nicht, dass es Bereiche in unserem Leben gibt, in denen Gott außen vor bleibt, in denen Respekt fehlen darf.

Als Beispiel wählt er Sexualität und Handel. Ich glaube, er hat gut gewählt. Bei Sex darf mir keiner rein quatschen, da gilt das alte Wort ‚Ich will Spaß‘ geradezu als Lebensmaxime. Vielleicht haben wir ja bis heute nicht wirklich verstanden, was die Aufklärer wie Oswald Kolle eigentlich wollten. Er hat heftig alle gegeißelt, denen Sexualität als Mittel der Machtausübung galt und gilt. Das war nicht nur eine verklemmte Sexualmoral, sondern genauso die Parole ‚wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment und alle anderen Formen, in denen die eigenen Freiheit schonungslos mit den Bedürfnissen anderer Mitmenschen umgeht. Bei der Beschreibung von Unzucht geht es nicht um Sexualität insgesamt, sondern um jene ungezügelte Sexualität, die nur die eigene Befriedigung sucht ohne Rücksicht.

Beim Handel ist es genauso: Gewinnmaximierung um jeden Preis geißelt Paulus, weil er weiß, wie viel Leid gerade bei den Schwachen seine Ursachen darin hat, dass Menschen mit Geld und Macht sie ausnutzen und ausbeuten, ihnen das wenige, das sie haben auch noch abluchsen wollen. Was wir heute über Telefon und Internet erleben ist nur die Weiterentwicklung von Mechanismen, die schon Paulus gekannt hat.

Ich glaube, beide Bereiche illustrieren besonders schön, worum es Paulus wirklich geht: Zentral der Begriff ist die ‚Heiligung’. Was hier Heiligung genannt wird, kann Paulus an anderer Stelle auch mit Erneuerung oder Wiedergeburt oder Bekehrung bezeichnen. Insgesamt geht es um eine Leben in der Nachfolge Jesu, für dessen Gestaltung er Hinweise gibt.

Für viele Menschen seiner Zeit waren Begriff wie Heiligung und Reinheit Begriffe, die in den religiösen Sektor gehörten, der mit dem Alltag nichts zu tun hatte. Das aber hat eigentlich noch nie funktioniert. Die Wahrheit meines Glaubens ereignet sich in meinem Alltag. Wenn es da nicht stimmt, nutzen die schönsten Gebete wenig.

Der 1. Brief an die Thessalonicher ist der älteste Paulusbrief. Wir haben also eine Frühform paulinischer Gedanken vor uns. In diesem Brief redet Paulus ganz bewusst als Mann zu Männern. Ein entsprechender Brief an Frauen würde vielleicht dieselben Gedanken anders ausdrücken. Ziel ist es, für ihren Alltag Normen zu entwickeln, Normen wie Leben aus christlichem Bekenntnis heraus gelingen kann. Und klar ist, dass die genaue Beschreibung für jede Einzelperson in ihrer jeweiligen Zeit ein bisschen anders aussehen muss.

Er dankt für das, was er in der Gemeinde vorfindet, für die Liebe und den durchgehaltenen Glauben. Aber nun darf die Gemeinschaft nicht still stehen. Der Glaube will gelebt werden. Die Fürbitte zielt auf ein Wachsen der Gemeinde – und so wie Gemeinde lebt – davon ist er überzeugt – wird sie auch Attraktivität ausstrahlen. Ein missionarischer Lebensstil ist die beste Mission und sagt mehr als tausend Worte.

Wenn Paulus heute durch unsere Stadt ginge, mit unserer Gemeinde korrespondierte, was würde er bei uns finden? Was würde er uns schreiben? Diese Frage zu stellen, heißt genau hinzuhören und nicht aus Versehen auf die Frage zu antworten: was hätte ich gerne, dass Paulus uns schreibt.

Wohl denen, die da wandeln: Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist! (Micha – Wochenspruch). Menschen haben ein Recht darauf, zu hören, wer sie sind: Geliebte Gottes. Erst wenn ich das in allem Ernst getan habe, dann kann ich sie auf den Willen des Vaters hinweisen.

Das ganze Leben ist vom Heiligen Geist erfüllt, darum ist in jeder Phase meines Lebens auch der Willen Gotte präsent.

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