Leben ohne Angst

Liebe Gemeinde,

manchmal sollte man sich schon Fragen warum die Kirche seit etlicher Zeit in einer Krise steckt. Weniger Mitglieder, weniger Geld, alles wird weniger außer unsere Zukunftssorgen.

Ich bin überzeugt, dass wir uns manchmal zu viel Sorgen machen und dass gerade diese Haltung uns davon abhält hier und jetzt so zu leben wie wir es eigentlich tun sollten.

Aber wenn wir das als Christen schaffen könnten, dann wären wir vielleicht anziehender für andere. Und dann würden die Kirchen wieder voller und dadurch auch die Geldsorgen weniger werden!

Diese Feststellung ist natürlich keine große Weisheit und ist auch leicht gesagt, aber wie ist das gemeint: hier und jetzt so leben wie wir es eigentlich tun sollten?

Damit ist schlicht und einfach ein angstfreies Leben gemeint. Denn Angst ist der größte Stress-Faktor den es gibt. Und Angst kann man vor so ziemlich allem haben.

Natürlich gibt es auch kleine, vorübergehende Ängste die sich leicht beheben lassen. Das sind keine Dauerängste. Die, die ich meine, sind die Grundängste, die fast alle Menschen plagen, und im schlimmsten Fall die ganze Zeit begleiten:

Die Angst, nicht mit den anderen zu recht zu kommen,
Angst alleine zu sein,
Angst, dass der andere mehr hat oder kann als ich und ich deswegen wie ein Versager da stehe.
Und letztendlich die Angst, nicht mehr schnell, schön oder schlau genug zu sein-
die Angst vor dem Altwerden und schließlich vor dem Tod.

Und sicherlich gibt es auch die Ängste die man um Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen anderer Menschen oder auch Tiere haben kann, die einen sehr nahe stehen und am Herzen liegen …

Ein angstfreies Leben, hier und jetzt, bedeutet, diese Ängste zu bekämpfen und loszuwerden.

Die Frage ist: wie? Denn auch wenn ich meine Ängste erkenne, und wir haben es gerade gehört wie viele es sein können, kann ich nicht einfach sagen: Schluss damit, Unsinn … und weg sind sie! Ich brauche einen Weg, um meine Ängste bekämpfen.

Und diesen Weg gibt es tatsächlich: Um etwas richtig los zu werden, muss man es durch etwas anderes ersetzten.

Dieses „andere“ muss notwendigerweise bei der Bekämpfung eines so starken Gefühls wie die Angst mindestens genau so stark sein, oder vielleicht sogar noch stärker.

Es sollte keine erarbeite Erkenntnis auf intellektueller Ebene sein, sondern etwas, das von Herzen kommt. Und noch besser als das. Etwas, was von Gott kommt.

Im 4. Kapitel des 1, Johannesbriefes steht folgendes darüber geschrieben:

[TEXT]

Liebe Gemeinde, es ist Gottes Liebe zu uns und unsere Liebe zueinander, die uns frei machen kann, hier und jetzt frei zu leben. Denn nur diese Liebe, die nichts mit körperlicher Anziehungskraft, mit Erotik, zu tun hat, kann tief, zeitlos und unzerstörbar sein.

Ich sage ganz bewusst „sein kann“, denn es ist nicht selbstverständlich, dass ein Mensch diese Art von Liebe versteht und auch annimmt.

Denn wir Menschen definieren Liebe sehr eng und gehen sehr wählerisch damit um.

Wir lieben den eigenen Partner. Solange es gut geht. Aber in manchen Beziehungen erscheint plötzlich ein Dritter und dann ist alles zu Ende. Aus Liebe wird Hass, aus Nähe Distanz. Davor haben wir Angst.

Wir lieben unseren Besitz. „Oh, ich liebe diese Schuhe, dieses Kleid, dieses schnelle Auto.“ Bis wir schönere Schuhe, ein modischeres Kleid oder schnelleres Auto gefunden haben. Oder bis wir kein Geld mehr haben, uns neue Dinge zu kaufen. Davor haben wir Angst.

Wir lieben unsere Kinder. Und doch so mancher verzichtet für Jahrzehnte auf eine Beziehung zu seinem Fleisch und Blut. Vernachlässigte Jugendliche rächen sich später durch bewusst verpasste Besuche im Altenheim. Davor haben wir Angst.

Wir lieben unsere Macht. Doch alle Macht ist vergänglich und definiert sich nur am anderen. Wenn es keine Bühne mehr gibt wo wir uns in Szene setzten können, da gibt es auch keine Macht mehr. Davor haben wir Angst.

In dem 1. Johannesbrief wird eine andere- eine vollkommen andere Art der Liebe beschrieben. Die Art, die uns retten und uns dazu bringen kann hier und jetzt angstfrei zu leben. Gott ist diese Liebe. Sie bezieht sich auf keinen Besitz, auf keine Kontrolle und auf keine Absicherung.

Sie ist einfach nur bedingungslose Begleitung. Weil sie uns in Christus zeigt, dass Gott die Verantwortung für uns übernimmt. Weil er ohne Gegenleistung zu uns steht.

Das alles schenkt uns Freiheit. Die Freiheit es ihm gleich zu tun. Die Freiheit, den Einsatz für unseren Nächsten anstelle unserer Ängste zu setzen und sie dadurch loswerden.

Ein Feuerwehrmann denkt kaum an die Gefahr, wenn er jemanden aus dem Feuer retten muss. Eine Mutter vergisst sofort ihre Müdigkeit, wenn das Kind in der Nacht anfängt zu weinen. Jesus hat seine Liebe für uns dadurch gezeigt, dass er bereit war, sein Leben dafür zu opfern.

Sie alle haben die Verantwortung für andere zu ihrer zweiten Natur gemacht. Sie haben sich der Erhaltung des Lebens hier und jetzt verschrieben, ohne an sich zu denken. Diese Haltung, diese Art zu leben befreit uns von ängstlichen Gedanken. Nicht, dass wir sie nicht mehr haben, aber sie haben nicht mehr die Macht, uns zu quälen und jedes unserer Schritte zu beherrschen.

Liebe Gemeinde, wenn wir so bereit sind andere zu lieben, dann lebt Gott in uns und seine Liebe wird uns von Grund auf erneuern.

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