Eine Wende zum Guten

Liebe Gemeinde!

Saulus schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn. So beginnt unser Predigttext. Ich kann mich ja an Sprache erfreuen, und so bleibe ich gleich an der Sprache der Lutherbibel hängen, nämlich am Schnauben. Paulus schnaubte. Das Wort kenne ich eher auf Pferde bezogen. Die schnauben manchmal, aber ein Mensch? Paulus schnaubte wütend. Im griechischen Ursprung ist es auch so gemeint: Paulus atmete sehr laut. Und zwar deswegen, weil er sehr zornig war. Wutschnaubend sozusagen. Er ärgerte sich über die Christen, diese neue religiöse Gemeinschaft, die zu seiner Zeit entstanden war. Er gehörte doch zu den Juden. Die Christen waren ihm sehr suspekt, nicht geheuer. Er war sogar überzeugt, sie würden Gott lästern und Gott schaden. Es kochte richtig in ihm. Er fand das unmöglich. Er war ein richtiger Eiferer für seinen Glauben, ein Kämpfer. Und deswegen schnaubte er wütend.

Wutschnaubende Menschen. Kennt Ihr die auch? Kennen Sie die auch? Wer fällt Euch Konfirmanden ein? Eure Eltern? Euer Vater? Eure Mutter? Können die manchmal aus Wut richtig laut werden? Schnauben die dann förmlich vor Wut? Ein Wutanfall. Da ziehen sich die anderen besser zurück. Und Sie, die Eltern! Kennen Sie wutschnaubende Kinder? Pubertär sagt man dann. Da knallt eine Tür. Und noch mehr. Sie, die Eltern haben dann vielleicht das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben. Oder auch nicht.

Die Geschichte von Paulus ist eine Wutgeschichte. Schnaubend vor Wut richtet er Unheil an, nicht nur durch Drohen, wie es im Text steht, sondern auch durch Morden. Das ist richtig schlimm und gefährlich. Das ist kriminell. Das ist schon extrem. In diesem Punkt lässt sich die Geschichte wohl weniger auf uns übertragen, weil Christen in unserem Land nicht gefährdet sind, in anderen Teilen der Welt allerdings immer noch. Aber der wichtigste Übertragungspunkt ist wohl der, dass aus einem wutschnaubenden Menschen und vor allem aus einem gegen die Christen schnaubenden Menschen ein demütiger, Gott vertrauender, gläubiger Mensch werden kann. Das macht Gott möglich.

Ich finde es insofern tröstlich, als ich es als Pastorin ja manchmal erlebe, dass Leute mir ganz böse Dinge sagen über den christlichen Glauben und über die Kirche. Womit sie ja, was die Kirche betrifft, in manchen Punkten recht haben. Ich kann selber auch nicht nur Gutes über die Kirche sagen. Aber ich werde empfindlich, wenn die Grundlagen unseres Glaubens angegriffen werden. Manchmal können Leute ja den ganzen christlichen Glauben in Grund und Boden reden. Nun steht hinter dem Predigttext aber der Gedanke, dass gerade Menschen, die besonders wutschnaubend über den christlichen Glauben reden, vielleicht gerade diejenigen sind, die am meisten nach einem Lebenssinn suchen. Gerade die, die am lautesten über den Unsinn der Kirche reden, sind vielleicht diejenigen, die besonders über den Glauben nachdenken und die sich wünschen, glauben zu können. Diese Botschaft der Paulus-Geschichte finde ich hilfreich. Aus einem lautstarken Kämpfer gegen den Glauben kann ein Christ werden.
Gottes Wege mit den Menschen sind eben verschieden.

Das finde ich auch wichtig in Hinblick auf den Konfirmandenunterricht. Gottes Wege mit Euch Konfirmandinnen und Konfirmanden sind sicherlich auch verschieden, so wir Ihr alle unterschiedlich seid. In der ersten Konfirmandenstunde letzte Woche habe ich Euch gefragt, warum Ihr in den Konfirmandenunterricht geht und was Ihr da wollt. Da gab es zum Beispiel die Antwort: ich will den Glauben stärken. Ich will meinen Glauben erweitern. Ich will konfirmiert werden. Aber es gab auch die Antwort: ich möchte Geld bekommen. Ich sehe das gelassen und denke, dass Gott auch in anderthalb Jahren, in denen Ihr das Ziel des Geldes verfolgt, in Euch wirken kann und Euch Glauben schenken kann. Nicht immer geht das auf geraden Wegen, wie wir uns das vorstellen. Im Gegenteil: Manchmal entdecken wir von Gott vielleicht gerade da etwas, wo nicht alles so glatt läuft. So war es ja bei Paulus. Erst war er so arrogant und meinte, er wüsste, wie das Leben zu laufen hätte und was richtig und was falsch ist. Dann fiel er regelrecht auf die Erde. Er erlebte Tiefe und Leidvolles, und so zeigte sich ihm Gott.

Manchmal bin ich erschrocken, wie viel Tiefe und Leidvolles Konfirmanden schon erleben. Ihr Konfirmanden schleppt zum Teil schon einiges mit Euch herum: Probleme zuhause, Streit, Trennungen der Eltern, Krankheiten von Euch selber oder von anderen Familienmitgliedern, wirtschaftliche Sorgen, Schulsorgen und mehr. In so einer Situation kann die Geschichte von Paulus eine Ermutigungsgeschichte sein. Sie zeigt nämlich, dass es selbst in scheinbar aussichtslosen Lagen sehr hoffnungsvolle Wenden geben kann. Menschen können sich verändern zum Guten. Situationen können sich verändern zum Guten. Und zwar deswegen, weil Gott alles zum Guten wenden kann. Wer hätte denn jemals gedacht, dass aus diesem wutschnaubenden Christenverfolger Paulus so ein überzeugter christlicher Prediger werden würde mit Folgen bis heute.
Es gibt solche Wenden zum Guten. Darauf dürfen wir hoffen. Darauf vertraue auch ich in meinem Konfirmandenunterricht.

Die Geschichte von Paulus nimmt auch deswegen eine Wende, weil es einen Menschen gibt, der ihm weiter hilft. Gott schickt Ananias, einen Christen, zu Paulus. Der soll Paulus , als er durch Gott blind geworden ist, die Hände auflegen, damit er wieder sehend wird. Ananias weiß von der Bosheit des Paulus und will gar nicht so gerne zu ihm hingehen. Aber er tut es doch und erzählt Paulus von Jesus. In der Bibel steht: Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Hierher kommt diese Redewendung. Er konnte wieder sehen und er fing an zu glauben an Jesus Christus.
Ohne diesen Helfer Ananias wäre es nicht so gekommen.

In dieser Rolle des Ananias, der zum Glauben hilft, sehe ich uns Pastorinnen und Pastoren. Vielleicht schrecken wir auch manchmal- wenn nicht vor wutschnaubenden- aber doch vor lautstarken Äußerungen der Konfirmanden zurück, aber ich vertraue darauf, dass Gott uns als Werkzeuge braucht, um den Glauben an Euch Konfirmanden weiter zu geben. Ebenso glaube ich, dass er auch Sie, die Eltern und Paten braucht, um die Kinder im christlichen Glauben zu unterstützen. Meine Hoffnung für Jugendliche wie für uns Erwachsene ist, dass wir die Kraft des christlichen Glaubens für uns erkennen. Vielleicht fällt es uns ja wie bei Paulus wie Schuppen von den Augen.

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