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Jeder Mensch macht Fehler. Das ist eine nur zu vertraute Weisheit. Keiner würde sagen: ich nicht! Aber trotzdem tun wir uns schwer damit, einem Menschen, der Schwäche gezeigt hat, noch einmal zu vertrauen, der uns einmal enttäuscht hat. Wie oft habe ich in meinem Leben Menschen eine zweite Chance gegeben, Menschen erlaubt sich zu verfehlen und trotzdem angesehenes Mitglied der Gruppe von Menschen, die sich meine Freunde nennen dürfen zu bleiben? …

Um ehrlich zu sein: ich weiß es nicht, aber wahrscheinlich nicht all zu oft. Kein Mensch brüstet sich damit nachtragend zu sein, aber wie oft höre ich Sprüche wie: der ist für mich erledigt, mit der bin ich fertig, die muss mir gar nicht erst kommen … Wie oft höre ich sie auch von mir.

Und da träumen Menschen von einem Gesetz, das ihnen immer eine neue Chance gibt und einem Gott, der ihnen alles verzeiht. Woher kommen solche Erwartungen. Bei der Hoffnung auf Gott ahne ich es. Da gibt es komische Geschichten.

Ein großer Christenfresser steht bei einer im Mittelpunkt.

[TEXT Verse 1-9]

Aber erst einmal sehen wir da nur einen selbstbewussten Menschen, der sich mit allen Vollmachten ausstatten lässt, um Ordnung zu schaffen. Er meint es ernst, er will die Gegner Gottes aus dem Weg schaffen, notfalls mit Gewalt. Da soll Ordnung herrschen in der Gemeinde Gottes. Darum will er diese seltsame Gemeinschaft, die sich um den Namen eines Gekreuzigten gesammelt hat, zerschlagen. Unterwegs trifft es ihn wie ein Blitz. Er fällt um wie ein Baum. Und dann hat er eine Vision: Der, dessen Jünger er verfolgt, erscheint ihm und spricht ihn an: was verfolgst du mich? Du müsstest dich schon mit mir auseinandersetzen.

Und es folgt keine Szene, wie wir sie aus zahlreichen Filmen kennen. Der Starke zerstört den Angreifer. Der Starke wendet sich dem am Boden zu und gibt ihm Ratschläge, wie er etwas Neues aus seinem Leben machen kann. Die Begleiter dieses Saulus sind sprachlos, er kann nichts mehr sehen. Und so tappen sie behindert nach Damaskus an ihr Ziel.

Das Ende der Geschichte habe ich noch nicht verlesen: In Damaskus passiert ihm Folgendes:

[TEXT Verse 10-18]
Da sind Zwei vom rechten Wege abgekommen. Paulus von seinem gradlinigen Weg des rechten Glaubens und Hananias von seinem Weg der Vorsicht, der Bedenken. Vom rechten Weg abkommen, kann auch eine Gabe Gottes sein. Weil der von mir als ‚rechter Weg‘ erkannte Weg, nicht unbedingt der Weg Gottes mit mir sein muss.

Hananias war so fromm wie Paulus auch. Nur die Richtung war eine andere. Darum machte ihm die Begegnung mit diesem Saulus Angst. Das war nicht nur die Angst vor dem schnaubenden Christen-Verfolger, nicht nur die Angst um die eigene Sicherheit. Das war auch Angst vor der anderen Überzeugung. Aus so einem kann ja nichts werden, und der soll bei mir zu Gast sein, da stellen sich einem ja die Nackenhaare auf. Da muss Jesus schon wieder eingreifen, muss deutlich machen, dass es hier um Bewegung geht, den Geist, der weht wo er will und aus jedem Menschen einen Anderen machen kann, wenn nur die Menschen das mitmachen. Paulus und Hananias machen mit und das Wunder geschieht.

Die Geschichte ist eine Legende, eine Heiligengeschichte mit einem wahren Kern. Was wirklich geschehen ist, werden wir nie erfahren. Aber was sich die Menschen damit erzählen wollen liegt auf der Hand.

Jeder Mensch kann sich ändern. Keiner ist verloren. Niemand ist hoffnungslos verdorben.

Die christliche Gemeinde hat Zukunft – auch in der äußersten Bedrohung, auch dort wo ihr der Wind massiv ins Gesicht bläst. Sie muss nur den Geist erkennen, der auch in diesem Wind zu finden ist.

Gott selber kann alles wirken: Bekehrung – Reformation – Öffnung der Gemeinde. Gemeinde muss sich auch ändern nach Damaskus. Sie muss den Reumütigen aufnehmen und integrieren. Sie muss Paulus integrieren und alle, die seinen Weg gehen.

Paulus muss selber Stellung beziehen auf die Frage Jesu: Warum verfolgst du mich? Er hat die Freiheit dem Erscheinenden zu folgen oder nicht. Er nutzt seine Freiheit. Wenn mir jemand die Frage stellt: Wofür lebst du? Was tue ich?

Dann muss ich wohl meine Antwort finden. Und für diese Antwort reichen keine Sätze, es müssen auch taten sein, die Gott eine Chance geben zu wirken in dem Leben von Menschen, in meinem Leben und im Leben der Mitmenschen, selbst der Menschen, die ich ablehne.

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