Wie Pinocchio sprechen lernte…

11. Sonntag nach Trinitatis 15. 08.2010, Epheser 2,4-10

Orgelvorspiel
Begrüßung / Abkündigungen
Lied: Ich lobe meinen Gott EG 272
Votum

Vorbereitungsgebet

Gütiger Gott,
heute Morgen kommen wir zu dir.
Wir dürfen bei dir sein, wir sind.
Vor dir brauchen wir uns nicht zu verstellen.
Dafür danken wir dir
Bitte lass uns spüren, dass wir alle zusammen deine Gemeinde sind.
Sei du mitten unter uns, wenn wir singen, beten, reden und hören.
Amen

Psalm 113 EG 745

Gloria patri

Kyrie

Gloria

Tagesgebet

Gütiger Gott,
manchmal machen wir uns größer als wir sind.
Wir spüren, dass wir mehr brauchen
als wir uns selbst geben können.
Und so bitten wir dich,
erhebe du uns und mache uns zu dem, wie du uns gedacht hast.
lass uns deine Gnade spüren
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen

Alttestamentliche Lesung 2 Sam 12,1-10.13-15a

Halleluja-Vers

Wochenlied: Aus tiefer Not EG 299,1-3

Evangelium

Glaubensbekenntnis

Lied: Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun EG 497,1.5

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde,
stellen Sie sich vor, ein Künstler käme auf die Idee, Sie einmal darzustellen. Sagen wir mal, ein Bildhauer käme und sagte: Lassen Sie uns mal eine Skulptur von Ihnen machen. Ein Bildhauer würde Sie modellieren und Sie müssten einmal Modell stehen. So wie einst die Schwester Meta Colberg, die Modell stand für unseren Taufengel in der Oberlinkirche.
Wie würden Sie wohl aussehen, wenn Sie eine Skulptur wären?
Wie hätte ein Bildhauer, Fotograf oder Maler Sie dargestellt? Mit welchem Gesichtsausdruck, in welcher Pose? Still, nachdenkend, dynamisch, in Bewegung, stark oder schwach, lächelnd oder ernst, alt oder jung? Würden Sie sich wieder erkennen? Würden andere Sie wieder erkennen? Wann würden Sie sagen, da hat er mich aber gut getroffen?

Der Apostel Paulus ist genau auf diese Idee gekommen. Dass wir Kunstwerke wären, geschaffen von einem Künstler.

Nur, wer ist denn der Künstler, an den Paulus denkt? Wer könnte mich denn so darstellen, dass ich mich selbst in seinem Werk wieder erkennen würde?

Die Antwort verrät uns der Apostel in seinem Brief an die Epheser. Da heißt es:
Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus…

Paulus spricht davon, dass also Gott derjenige ist, der uns geschaffen hat. Er hat uns entworfen. Wir sind sein Werk.
Dann kommt die typisch paulinische Formulierung „geschaffen in Christus Jesus“.

Was mag das heißen? Geschaffen dadurch dass Jesus gelebt hat und mit seinem Leben etwas für uns Entscheidendes vollbracht hat?
Oder heißt der Satz des Paulus: Dass Gott in jeden von uns etwas hineingelegt hat, was auch in seinem Sohn Jesus Christus lebendig war?
Geschaffen in Christus Jesus kann bedeuten: Wir haben Anteil an dem, wofür Jesus steht, an dem Leben, das von Ihm ausging und ausgeht. Mit Christus ist ein Schöpfungswerk geschehen, das entscheidende Auswirkung hat auf alle weitere Schöpfung, auch auf uns.
Geschaffen in Christus Jesus

Nun bleibt aber noch eine Frage offen. So wie wir heute sind, mit allem was zu uns gehört, wie wir über die Jahre geworden sind. Sehen wir noch dem ähnlich, den Gott einst geschaffen hat? Sind wir so, wie Gott uns gedacht hat?

Wenn uns ein Maler, Fotograf oder Bildhauer dargestellt hätte, müsste der Künstler uns nicht erst einmal ausführlich kennen lernen, damit er uns richtig darstellen kann? Paulus ist sich sicher: Gott ist derjenige, der uns so gut kennt, dass er uns schaffen kann, uns treffen kann. In Paulus Überzeugung kennt Gott uns so gut wie kein anderer. Vielleicht besser, als wir uns selbst kennen.

Wenn wir das Werk Gottes sind? Wie hat Gott mich eigentlich gedacht? Entspreche ich dem Entwurf, den Gott von mir hat? Das kann jeder nur für sich selber beantworten.
Darüber kann man sicher lange nachdenken. Vielleicht auch mal einen Abend lang mit jemanden, der einen gut kennt, darüber sprechen. Oder darüber meditieren. Mit Gott darüber ins Gespräch kommen.

Gott hat seinem Werk, das er geschaffen hat, aber auch noch eine Bestimmung mit auf den Weg gegeben. Bei Paulus heißt es weiter:
Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken…
Wir sollen also nicht nur etwas darstellen, sondern selbst etwas tun. Geschaffen, um selbst zu schaffen, konkret um Gutes zu tun.
Vielleicht könnte man auch sagen: Die Welt um einen herum so zu verändern, dass sie etwas mehr dem entspricht, wie sie einst als Gottes gute Schöpfung gedacht war. Und so an Gottes Schöpfungswerk Anteil zu gewinnen.

In Gottes Werk wohnt also selbst eine kreative Kraft inne, die wiederum etwas Neues schaffen und schöpferisch sein kann.

Aber Paulus setzt noch einen drauf. Für ihn war es der Kern seines theologischen Denkens, dass der Mensch das, was er tut, in die richtige Relation zu setzen lernt. Menschen haben leider die Angewohnheit, den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf zu verwechseln. Da der Mensch ausgestattet ist mit der Fähigkeit, zu denken, zu fühlen und zu handeln. Denkt der Mensch leicht, er wäre selbst der Schöpfer, alle schöpferische Kraft ginge von ihm aus.
Paulus rückt diese Verschiebung wieder zurecht, indem er darauf hinweist, wem wir all unser Tun verdanken.

Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Welcher Mensch hätte je von sich aus so eine Aussage getroffen? Viel zu sehr sind wir doch verliebt in uns und in das, was wir tun. Welcher Künstler ist nicht selbst stolz auf sein Werk. Wer bildet sich nichts ein, auf das was er tut, was er ist?
Sicher können wir stolz darauf sein, wenn uns einmal etwas gelingt, wenn es uns gelingt, etwas Gutes zu tun.

Doch Paulus weist uns darauf hin, wem wir dafür zu danken haben. Wem wir unser etwaiges Talent, unser Leben verdanken. Auch wenn uns Gott, jeden auf seine Weise, mit schöpferischen Kräften ausgestattet hat, so sind und bleiben wir doch seine Geschöpfe.

Es ist ein bisschen so wie mit Pinocchio. Eines Tages findet Tischlermeister Kirsche ein Holzscheit, das plötzlich zu sprechen anfängt, als er es bearbeiten will. Da ihm die Sache nicht geheuer ist, schenkt er es seinem Freund, dem Holzschnitzer Geppetto. Geppetto ist von dem Holzklotz begeistert und beginnt sogleich mit dem Schnitzen einer Holzpuppe, die er nach getaner Arbeit Pinocchio tauft. Zu Geppettos Erstaunen beginnt die Puppe zu leben und reißt seinem Schöpfer aus…
So könnte auch die Geschichte des Menschen beginnen, den Rest kennen wir, wie es ausgeht wissen wir noch nicht.
Denkt Pinocchio nicht auch irgendwann, ach ich kann doch alles, sprechen und alles machen, was ich will. Und er vergisst, dass er eigentlich das Werk eines anderen ist.
Und bleibt Pinocchio eigentlich der, als der er gedacht war?

Und so komme ich auf den Gedanken zurück, den ich eingangs angesprochen habe. Wie entsprechen wir dem Bild, dem Werk, das Gott einst mit uns geschaffen hat. Sind wir dem ähnlich oder sind wir ganz anders geworden, vielleicht sogar aus dem Rahmen gefallen?
Vielleicht ist es so, dass wir andere brauchen, um zu uns selbst zu finden.
Es gibt ein Lied der Band Silly, die nach Jahren der Pause nun wieder auf der Bühne steht. In dem Lied heißt es:

Ich danke dir. Du hast mich an mich erinnert
Ich und ich war’n einander schon so fremd
Ich komm zu mir. Du hast mich an mich erinnert
Ohne dich hätte ich mich nicht erkannt.

Wer hilft uns, dass wir uns selbst erkennen, uns selbst wieder finden. Das können vielfältige Begegnungen mit Menschen sein.
Ich glaube, auch mit Gottes Hilfe können wir eine Antwort darauf finden, wer wir sind. Gott hat uns ja mit der Bibel eine Spur gewiesen. In jedem Geschöpf steckt etwas von ihm, vom Schöpfer mit drin. Der Künstler hat sich in seinem Werk verewigt. In der Bibel finden sich Geschichten von zahlreichen Menschen, die eine Geschichte mit Gott hatten und ihm sehr nahe waren. Sie sind alle so verschieden, wie auch wir verschieden sind. Sind zusammengefügt zu einem Leib. Vielleicht erkennen wir uns in dem einen oder der anderen wieder und lassen uns erinnern, wer wir sind und zu wem wir gehören.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun EG 497,9-11

Fürbitten

Gütiger Gott,
Bitte sei mit denen,
die zufrieden sind mit sich – und dabei doch einen blinden Fleck haben.
Schenke ihnen deine Gnade, aus der sie und wir alle leben.
Bitte sei mit denen,
die sich klein fühlen und hilflos inmitten von unerfüllten Ansprüchen.
Schenk ihnen deine Gnade, die sie und uns alle groß macht.

Bitte sei mit denen,
die es schwer haben;
die krank sind und mit Schmerzen leben,
die in einem fremdem Land leben und ihren Weg suchen,
die zu leiden haben in dieser brutalen Welt.
Schenk ihnen deine Gnade, Rückendeckung, Unterstützung.

In der Stille beten wir und lassen in uns deine Kraft…

Aus der Stille kommen wir zusammen und beten mit den Worten deines Sohnes:
Vaterunser….

Lied: Alles ist an Gottes Segen EG 352,1-4

Sendung und Segen

L: Gehet hin im Frieden des Herrn.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch
und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über euch
und gebe euch + Frieden.
Amen.

G: Amen.

Orgelnachspiel

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