Es lohnt sich

Unsere Nachrichten und Zeitungen sind voll von Gewinn- und Verlustrechnungen. Wer schon einmal mit Erfahrungswissenschaften zu tun hatte, hört auch: wo siehst du in deinem Leben Verlust, wo Erfolg? So einfach vor sich hin leben und arbeiten, das ist in unserem Leben wohl nicht vorgesehen. Und manchmal müssen wir dann feststellen: So einfach ist das nicht mit Gewinn und Verlust. Das, was ich wollte hat sich als schal und leer erwiesen und das, was ich eigentlich nicht wollte, war ein großer Gewinn.

Paulus sitzt im Gefängnis und denkt über sich und seine Glaubensleben nach und kommt zu ähnlichen Schlüssen, die er seiner Gemeinde in Philippi schreibt.

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Das ist eine bittere Erfahrung, dass ich Vieles falsch gemacht habe, falschen Idealen und falschen Zielen hinterhergejagt bin.

Es ist wie an der Börse, wenn die Kurse einstürzen. Alles worauf ich gesetzt habe, war falsch. Mein Besitz liegt in Trümmern – auch mein Leben?

Paulus hatte sein Leben ganz in den Dienst seines Glaubens gesetzt und darum die Christliche Gemeinde verfolgt.

Paulus nahm sich und sein Leben ernst, todernst, sein Stil war der einzig richtige und nur wer lebte, wie er lebte, lebte richtig. So ernst nahm er sich selber, dass es todbringend für manche derer war, die in seinen Augen von dem richtigen Weg abwichen. Und dann erschien ihm Jesus Christus und machte ihm deutlich, dass er es war, der auf dem falschen Wege war. Und er lernte die Größe Gottes kennen, der ihn nicht verwirft, sondern ihm hilft, den richtigen Weg zu finden.

Dieses Vorurteil zu überwinden, dass das, was ich tu, in jedem Fall richtig sei, könnte auch ein Ziel sein, das sich lohnt. Zu lernen, dass ich es auch sein könnte der auf dem falschen Weg ist.

Paulus erzählt seine Erfahrungen, nicht um sich wichtig zu machen, sondern um deutlich zu machen, was wichtig ist. Sein ‚Damaskus-Erlebnis‘ macht klar, was passiert, wenn Jesus Christus in ein Leben eindringt.

Die Werte verändern sich, wenn ich sie im Lichte Christi betrachte. Was Paulus früher zur Ehrenurkunde gereicht hat, ist nun ein Nichts. Sein ganzer Eifer für die Gemeinde Gottes war ein einziger Fehlschlag. Dafür sind neue Werte gewachsen. Dem Werte-Verlust steht ein überreicher Wertegewinn gegenüber. Nur hat er sich diese Werte nun nicht mehr selber erarbeitet. Sie sind ihm geschenkt worden.

Es gibt nun nichts Wichtigeres als zu Christus zu gehören. Dazu gehört die Unmöglichkeit, vor Gott etwas zu bedeuten, gerecht zu sein. Zu diesem zu Christus zu gehören, gehört die Bereitschaft sich Gnade schenken zu lassen.

Das ist die Botschaft des Paulus, dass er mit seinem Leben seiner Geschichte anderen Menschen erzählt, was sich in ihrem Leben verändern kann, wenn sie Jesus Christus an sich ran lassen.

Ein bisschen vergleichbar ist das mit eingefleischten Singles, die ihnen andauern erklären können, um wie vieles praktischer und besser ihr Lebens ist. Es gibt kein wirkliches Argument dagegen. Sie haben ja recht. Es ist praktischer. Man muss nichts teilen, auf niemanden Rücksicht nehmen. Aber manchmal hört man die eingefleischten Singles, wenn sie eine Partnerschaft haben. Plötzlich schwärmen sie einem vor, welche Dimensionen ihr Leben gewonnen hat, was in ihrem Leben passiert ist. Das, was sie für einen Verlust an freiheit hielten, ist plötzlich ein gewinn an Leben.

So ist es Paulus gegangen: Er hat den Herrn gesehen und versucht nun täglich eine Antwort in seiner Lebenssituation zu geben. Aus diesem Grunde geht beides: Duldsam gegen Konkurrenten, unduldsam gegen Irrlehren.

Weil er das an sich selber erfahren hat, zieht er los, den Menschen muss die Größe der Zuwendung Gottes in Jesus Christus deutlich zu machen. Nicht das Scheitern des Menschen steht im Mittelpunkt, sondern die Befreiung des Menschen aus seiner Gefangenschaft.

Wichtig ist, dass der Glaube einen Grund, ein Fundament bietet, auf dem Menschen aufbauen können, auch wenn ihnen der Bauplan ihres Lebens unbekannt ist. Sie bauen an ihrem Bau, wie der Handlanger, der darauf vertraut, dass der Polier schon alles im Blick hat und weiß, dass aus den Steinen ein Haus werden wird.

Paulus wusste genau: Ich bin auf einem Weg: ‘Ich laufe aber auf das Ziel zu, um es zu ergreifen,’ Er kannte seine Mängel, seine Versagen, seine Schwächen. Aber er wusste: Jesus ist zu ihm gekommen, um ihm die zu vergeben, um ihn anzunehmen so wie er ist und so neues Leben zu schenken.

Er verschweigt nicht, welche Kräfte und welche Konzentration dieser Wettkampf mitunter erfordert. Aber er erzählt, wie sehr es sich lohnt.

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