Gottes Heilslogik

Die Predigt ist Abschluss der Predigtreihe „Wer ist ein Gott wie du?“. Darin geht es um die Eigenschaften Gottes. Teil 1: Gottes Liebe und Treue, Teil 2, Gott der Vater, Teil 3, der heilige Gott, Teil 4 Gottes Allmacht.

Wer von uns kann sich noch an die Jahreslosung von vorigem Jahr erinnern? Sie hat zu tun mit dem, worüber wir jetzt nachdenken wollen. Gottes Allmacht. Die Losung war: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!“ Um Gottes Allmacht geht es da. Man könnte es auch in drei Worten zusammen fassen: Gott kann alles! Es gibt so ein Kinderlied, Er kann alles. „Er kann alles, er kann alles, ja ich weiß, er kann alles. Ich weiß, dass Jesus mich bewahren kann.“
Das Lied hat Aussage. Es bringt die Sache auf den Punkt. Bei Gottes Allmacht geht es um mehr als eine Machtdemonstration. Er will nicht protzen. Er will uns nahe kommen durch Jesus. Alles, was wir gehört haben über das Wesen Gottes, über die Eigenart Gottes, muss im Zusammenhang gesehen werden. Da muss die Richtung gesehen werden. Es geht nicht darum, Gott ist so und auch so, Gott kann dies und auch das. Es geht in eine Richtung. Die Richtung heißt Erlösung, Befreiung. Das ist sein Ziel. Befreiung durch Jesus.

Viel wurde erzählt darüber wie Gott ist und wirkt an den letzten Sonntagen. Aber stimmt das auch? Im Buch Hiob treten kluge Leute auf. Gelehrte Theologen. Die besuchen den Hiob. Der liegt krank danieder, unverschuldet. Hiob ist mutlos. Er klagt Gott an. Da sehen sich diese Männer herausgefordert. Sie verteidigen den Glauben. Alles, was sie von Gott wissen oder erforscht haben, werfen sie in die Waagschale. Gott ist gerecht, der Schöpfer, allmächtig, und vieles mehr zählen sie auf. Hiob ist wenig beeindruckt. Er sagt: „Ich meinte, Gott zu kennen. Aber nun bin ich verzweifelt, sitze im Elend. Gott ist mir so fern. Ich erlebe ihn nicht mehr wie früher. Und was ihr da aufzählt, hilft mir auch nicht weiter. Ich möchte doch nicht noch mehr über ihn wissen. Ich möchte ihm nahe kommen.“

Und, zum Glück, dazu kommt es am Ende. Hiob sagt: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen. Aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ Was Hiob vorher erzählt wurde, waren scheinbar logische, einsichtige Sätze über Gott. Aber sie stimmten offenbar nicht. Denn der Glaube ist nicht logisch. Er ist vielmehr, wie Paulus später sagen wird, unlogisch. Damit meint er nicht, das ist Unsinn und Wirrwarr. Nur: Der wahre Gott ist geheimnisvoll. Er lässt sich nicht erforschen und ergründen. Er muss sich offenbaren und zeigen. Die Geheimnisse der Gottheit können wir nicht ergründen, sondern nur anbeten.

Während meiner Schulzeit, Oberstufe Hermann Böse Gymnasium in Bremen, da fand ich das Christentum nicht logisch, sondern lächerlich. Wissenschaftlich überholt. Ein Ladenhüter. Etwas für Traditionalisten und Unverbesserliche. Für jeden, der seinen Verstand gebraucht, erledigt durch die offenbaren Widersprüche zum wirklichen Leben. Warum dachte ich so? Ich kannte den wahren Gott nicht. Ich dachte, man kommt zu sachgemäßen Urteilen zu allen Gebieten, auch der Religion, über den Verstand.

Dann begann ich über die Person Jesus Christus nachzudenken durch die Einladung eines Klassenkameraden zu einer christlichen Jugendgruppe. Ich fing an, die Bibel zu lesen. Vorher dachte ich, Religion und unser wirklicher Alltag sind unvereinbar. Aber nun stellte sich heraus: Das ist es nicht! Religion auf Gefühlsebene, das läßt sich irgendwie einbauen in diese Gesellschaft. Mit religiösen Parolen läßt sich gut Politik machen etwa wenn die Hamas oder Taliban zum Heiligen Krieg aufrufen. Aber das Kreuz, an dem Jesus stirbt, das läßt sich nicht vereinnahmen, einbauen. Höchstens umfunktionieren in ein Schmuckstück, als Logo in eine Todesanzeige. Daneben steht dann: Der Tod kam als Erlöser. Das ist umfunktioniert, zurechtgebogen. Denn das Symbol Kreuz bedeutet eigentlich: Der Erlöser ist tot! Aber das würde einen normalen Zeitungsleser nur irritieren.
Sieh, und das gefällt mir an dem alten Paulus: Der riskiert das! Der ist durch die Lande gezogen mit einer Botschaft, die alle irritierte: Das Wort vom Kreuz.

Was ist das Wort vom Kreuz? Das ist Gott, der in Jesus Mensch wurde wie wir, der gelitten hat wie wir und um unseretwillen. Der gestorben ist wie wir. Das Wort vom Kreuz ist Gott am Galgen. Das klang reichlich verrückt. Und es ging noch verrückter weiter: Dieser Gott ist begraben worden. Aber er blieb nicht auf dem Friedhof. Er wurde auferweckt und in den Himmel entrückt.

An dieser Stelle wurde Paulus gewöhnlich unterbrochen. Etwa in Athen: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten, die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal hören.“ Abgeschaltet. Weggezappt. Das war ihnen zu hoch. Oder zu primitiv. Je nachdem.

Als das den Christen in Korinth zu Ohren kam, haben sie sich geschämt. Sie haben sich gesagt: Der Paulus ist ja gewiß engagiert. Aber leider viel zu plump. Kein Wunder, daß der in Athen angeeckt ist. Der hat sich wohl zu dämlich angestellt. Das muß man doch klüger aufziehen. Geschickter. Die Botschaft von Jesus muß man philosophisch verpacken. Wissenschaftlich untermauern. Also Paulus: Üb noch ein bisschen. Und wenn du uns besuchen kommst, machst du es besser. Daraufhin schrieb Paulus den Korinthern einen Brief. Und gleich im 1. Kapitel redet er Klartext: (Vers 17 +18)

Für einige von uns ist das schon ein Fremdwort: „Torheit“ Die denken bei Tor an Fußball, an das Gehäuse aus Holz oder Aluminium. Die wissen was eine Tour ist, Tour de France, Tour de Suisse. Aber Torheit. Tor ist ein altes Wort für töricht, einfältig, dumm. Töricht ist, was unlogisch ist, was nicht aufgeht, was nicht paßt. Und das trifft auf das Wort vom Kreuz allemal zu.

Paulus sagt: „Die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, hat Gott durch ihre Weisheit nicht erkannt.“ Die Weisheit der Welt sagt: 1 und 1 bleibt 2, denn die Logik hat immer Vorfahrt. Nur Künstler, Narren und Unwissende, Kinder viel-leicht, dürfen von der Logik dieser Norm abweichen.

Paulus sagt: „Wir aber predigen den gekreuzigten Christus: Den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“ (Ärgernis =scandalon) Für die damalige jüdische Denkweise war das Wort vom Kreuz ein Skandal erster Ordnung. Zum einen heißt es bei den Propheten: Verflucht ist, wer am Holze hängt. Zum anderen paßt das ohnmächtige Sterben Jesu nicht zur Allmacht Gottes.
Für die Griechen war das Wort vom Kreuz auch unattraktiv.

Weisheit, Wahrheit, Vollkommenheit konnten nach der herkömmlichen Auffassung nie im sterblichen Fleisch zur Geltung kommen. Das Materielle ist doch vergänglich. Das Ideelle, der Geist, ist ewig. Daß ein Gottessohn am Kreuz kaputt gemacht werden kann, war für die Griechen ausgemachter Unsinn.
Und für uns heute? Vielen, denen Toleranz und Harmonie wichtig ist, ist das Wort vom Kreuz ärgerlich, weil es provoziert. Das Kreuz solo schließt vieles andere aus. Wir möchten nämlich gerne das Kreuz UND unsere Art von Freizeit-gestaltung. Das Kreuz UND unsere Art von Freiheit. Erst dann darf sich das Wort vom Kreuz in die Gesellschaft anderer großer Worte einreihen.

Aber das Wort vom Kreuz steht quer zu unserer Logik. In Korinth dachten sie: Wahrer Gott und wahrer Mensch, das geht nicht. Entweder ganz Mensch, dann hat der gute Mann Pech gehabt, daß sie ihn erwischt und gelyncht haben. Immer-hin hat er uns ein paar gute Ideen überliefert.

Die Griechen dachten: Nur die göttliche Weisheit und die menschliche Seele sind unsterblich. Der göttliche Funke, die Seele, die Idee, das ist Leben. Der Körper, das ist vergänglich und bedeutungslos.

Paulus aber behauptet hartnäckig: Die Wahrheit ist Fleisch geworden. Hat irdische Gestalt angenommen. Jesus von Nazareth ist in Fleisch und Blut auf die Welt gekommen. Die Wahrheit ist in ihm zum Greifen nah. Sie konnten ihn, die Wahrheit Gottes, begreifen. Anfassen, anspucken, ja sogar annageln. Die Wahr-heit ließ sich festnageln.
Gottes Mathematik sieht eben anders aus. Das Kreuz ist Gottes Pluszeichen. Durch das Kreuz auf dem Hügel Golgatha bringt Gott Unvereinbares zusammen. Ewiges und Zeitliches, Himmlisches und Irdisches sind durch das Kreuz nicht nur zusammen denkbar. Sondern vereint. „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude, a und o Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide. Das ist Gottes Addition, Gottes Weisheit, Gottes Heilslogik.

Nur, weil Jesus wirklich gestorben ist am Kreuz, ist dort Erlösung geschehen. Für dich, für mich ist sie dort geschehen. Gott arbeitet ohne Netz und doppelten Boden. Ohne Stuntman, weil er meinen und deinen Tod stirbt. Gott stirbt aus Liebe zu uns Menschen. In der Ohnmacht des Kreuzes erkenne ich die Macht seiner Liebe.

Denn das Kreuz hat Kraft:…“uns aber, die wir selig werden, ist´s eine Gottes-kraft.“ Eine unwiderstehliche Kraft. Es ist die Kraft, die bricht die Macht der Sünde. Es ist die Kraft, die Menschen nicht verzagen läßt, obwohl sie immer wieder in die alten Fehler zurück fallen. Es ist die Kraft, die einen dazu treibt, mit Jesus anzufangen. Immer wieder neu mit ihm weiterzugehen. Es ist die Kraft, die der gekreuzigte und auferstandene den Seinen Tag für Tag neu gibt. Eine herrli-che, unwiderstehliche Kraft, die Menschen verändert.

Wenn wir das alles vor Augen haben. Dann müssen wir anders von Gottes Allmacht reden als es irgendwelche anderen Religionen tun. Wir müssen auch anders reden mit diesen Religionen. Wir dürfen nicht mehr sagen: Also ihr glaubt zwar an den und den Gott. Was der kann, das kann unser Gott längst und noch viel mehr. Aber so ist unser Gott gar nicht, so ein Alleskönner. Unser Gott hat sich nämlich entschieden, eine ganze Reihe von Dingen, die ein allmächtiger Gott eigentlich können muss, nicht zu tun. Unser Gott kann nicht lügen. Er kann nicht untreu sein. Er kann nicht das Böse geringschätzig behandeln. Er hat sich ent-schlossen, einen geraden Weg zu gehen. Er ist also nicht allmächtig im Sinne von irgendwie unberechenbar, wie es etwa beim Islam die Tendenz ist. Unser Gott ist verlässlich. Er bleibt sich treu. Und alles, was von ihm zu erwarten ist, hat er in Jesu gezeigt. Mehr und anderes wird nicht kommen.

Seine Allmacht und zugleich seine bewusst beschränkte Macht, seine Stärke und zugleich seine Schwachheit zeigt sich am Kreuz.
Die Welt hat eine Ahnung von dieser Kraft. Erinnern wir uns noch an den Kampf einiger angeblich Supertoleranter. Vor Jahren wollten sie die unbescholtenen Schülerseelen in bayrischen Schulen bewahren vor dem Anblick eines Kreuzes im Klassenzimmer. Hinter diesem Kampf steht auch die Ahnung von der Kraft des Kreuzes.

In manchen Filmen des Grusel-Genres kommt es vor, daß Menschen sich die Kraft des Kreuzes zu eigen machen wollen. Sie nehmen dann ein Holzkreuz, wenn sie irgendwelchen Gespenstern oder Finsternismächten entgegentreten, um damit das Böse zu bannen. Das ist natürlich Kokolores, ein Stück Holz bannt nichts Böses. Aber die Ahnung ,die dahinter steht, ist richtig: Gegen alle Gespens-ter unseres Lebens, gegen alle Not unseres Lebens, gegen alles, was uns Angst macht, steht das Kreuz. Das Kreuz Jesu ist das Entscheidende. Und wenn dich die Angst anspringt, und die Gespenster und Versuchungen dieser Welt anspringen, dann schreie zum Herrn und sage: Herr Jesus hilf! Und er hilft, und er steht dir bei.

In Bremen wurde eingebrochen in ein Gemeindehaus. Das stand nicht in der Zeitung. Meines Wissens wurde nicht mal die Polizei gerufen. Das hat sich bestimmt wieder wunderbar ausgewirkt auf die sinkende Kriminalstatistik. Der Einbrecher wurde höflich begrüßt. Man hielt ihn für einen Musikfreund, weil die Musikschule Hefata da viele Räume belegt mit Unterricht. So konnte der Mann in aller Ruhe in eine Mitarbeiterwohnung eindringen. Er ist auf dem Weg zur nächsten, da entdeckt ihn eine Frau. Laut ruft sie: „Achtung, ein Einbrecher!“.

Ein Vorsteher und der Pastor springen herbei. Sie erwischen den Dieb und nehmen ihn in den Schwitzkasten. Der Einbrecher hat aber noch seinen Schrau-benzieher und sticht auf den Pastor ein. Der war dann kampfunfähig (lebt aber noch) Der Gauner ergreift die Flucht, der Vorsteher hinterher. Raus ins Grüne, den Bahndamm hoch. Der Verfolger ist schneller. Da dreht sich der Gejagte um und will wieder mit dem Schraubenzieher auf seinen Bedränger los. Das einzige, was dem Vorsteher jetzt einfällt, ist laut zu rufen: Herr Jesus, hilf!. Da läßt der Einbrecher den Schraubenzieher fallen, den Rucksack mit der Beute auch und läuft wie von Sinnen davon.

Das Wort vom Kreuz hat eine Kraft, die stärker ist als alles Böse. Hol dir diese Kraft. Laß dir an dieser Kraft genügen. Das Kreuz muß wichtig sein für dich. Dann wird die unerschöpfliche Kraft Gottes bei dir sein. Das ist es, was wir brauchen, und nichts besseres und nichts anderes. Amen.

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