Ruhekissen

Die Liebe feiern. – Das könnte ein Thema für unser Leben sein. Die Liebe feiern in unserem Leben und mit unserem Leben. Das Wunder, das täglich geschieht, dass Menschen sich einander zuwenden und füreinander Zeit und Kraft nehmen. Die Liebe – sie gilt nicht umsonst als Geschenk Gottes und als Gabe, die Menschen stark macht, Grenzen zu überspringen. Und die Liebe ist vielseitig. Sie meint Geliebte genauso wie Schwestern und Brüder und auch Menschen, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe.

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‚Gott ist Liebe‘: Das ist Bekenntnis des Alten Testaments und des Neuen Testaments. Das ist auch ein gern genommener Trauspruch, weil er unserer Zweisamkeit so etwas Göttliches verleiht. Zu Recht.

Aber Liebe ist nicht einfach nur lieb, sondern die Liebe kann auch hart und grausam sein, wenn sie dem Anderen den Spiegel vorhält, wenn sie deutlich sagt, was zu sagen ist, wenn sie um der Anderen willen Sünde Sünde nennt.

Liebe muss manchmal deutlich werden, aber deutlich im Aufbau, nicht in der Zerstörung. Diese Liebe ist wie die Liebe Gottes. Die hat Vorrang vor den Forderungen Gottes: Gott schenkt, bevor er fordert.

Und diese Liebe kann uns Mut machen, selber zu lieben – mit der gleichen Liebe, wie Gott sie uns entgegenbringt. Liebe ist nicht kritiklos, aber sie ist auch nicht respektlos – voller Respekt für den Menschen, mit dem ich es zu tun habe, versucht immer noch hinzuschauen, hinzuhören, zu verstehen. Liebe ermöglich Leben, so wie Gott es gemeint hat: Leben auf Augenhöhe, Leben in dem ich Menschen in die Augen schauen kann – und Schwestern und Brüder in ihnen sehe und Leben, in dem ich, meine eigenen Fehler bekennen kann.

Viele Menschen kennen den ersten Satz unseres Textes auch wenn sie von Bibel, Kirche und christlichem Glauben nichts wissen wollen. Dass Gott Liebe ist und darum auch sie liebt, das ist doch klar! Dazu bekennen wir uns ganz gern oder wie es der Sänger Wolfgang Niedecken (BAP) ausdrückt: Wenn es diesen Gott gibt, dann es ess ein Joter.

Manche Menschen machen auch aus der Liebe einen Götzen: All you need is love. Liebe löst bei ihnen alle Probleme, auch ohne dass Gott dahintersteht. Der Satz Gott ist Liebe ist aber nicht umkehrbar. Liebe ist nicht per se göttlich und schon gar nicht gleichzusetzen mit Gott. Sie ist eine abhängige Größe. Sie ist Gabe Gottes an die Menschen. Wir haben diese Gabe und wir dürfen sie leben und uns dabei auf Gottes Hilfe verlassen.

Andere Menschen haben schlechte Erfahrungen mit der Liebe gemacht – die Liebe widerspricht allen ihren Lebenserfahrungen. Darum lehnen sie mit diesem Satz (Gott ist Liebe) die Bibel ab. Das müssen wir hören als christliche Gemeinde. Wie deutlich leben wir denn eigentlich die Liebe, die das Markenkennzeichen christlichen Lebens sein soll. Haben Fremdenfeindlichkeit und Verrat in unseren Kirchen wirklich keine Basis? Der Brief des Johannes warnt uns, wenn jemand sagt er liebt Gott und sein Leben legt davon kein Zeugnis ab, sein Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen ist nicht von liebe geprägt, dann ist er ein Lügner, weil Liebe zu Gott nicht geht ohne Liebe zu den Menschen.

Der Mensch, der nicht Mitmensch ist, wird zum Unmenschen. Wir nennen unsere MitchristInnen deswegen gerne Schwestern und Brüder, weil sie uns anvertraute Menschen sind, die wir auch dann lieben wollen, wenn sie es uns schwer machen. Liebe ist nicht einfach schön. Liebe kann schwer sein, sauschwer. Martin Luther spricht von Gott als einem glühenden Backofen voller Liebe. Er spricht nicht von einem sanften Schaumbad der Liebe. Das tun manche softe Lebenslehrer, die alles ganz weich haben wollen, für die Liebe etwas zu tun hat mit einem Softball, der nicht anecken kann.

Liebe muss anecken. Alte Ehepaare wissen davon. Sie wissen, wie man sich lieben kann, auch wenn es weh tut. Sie wissen auch um den Wert dieser Liebe, gerade dort, wo sie nicht einfach, nicht soft ist.

Liebe haben, bedeutet Zuversicht haben. Die Gewissheit, geliebt zu werden ist wie ein Ruhekissen, das mir eine Grundlage gibt, auf der ich Vertrauen, Gewissheit, Zuversicht tanken kann. Furcht dagegen ist genau so wie das Gefühl nicht geliebt zu werden das Gegenteil von einer hoffnungsvollen Zuversicht. Die Liebe aber vertreibt die Furcht. Liebe ist nicht irgendein romantisches oder sexuelles Gefühl. Liebe ist Zuneigung zu dem Menschen, der mich braucht. Gottes Liebe ist Zuneigung zu mir, weil ich diese Zuneigung brauche, um leben zu können. Seine Liebe macht mir Mut, die Liebe zu leben – in allen Formen.

Gottes Liebe wirkt bei uns und sie will weiterwirken in uns, auch da, wo wir falsch leben und wenig lieben.

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