Pfingsten im Großen und im Kleinen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Haben Sie diese grandiose Pfingstgeschichte noch im Ohr?
Da erfüllt sich eine Weissagung, die Jahrhunderte vorher gemacht worden ist.
Da gibt einen wilden Sturm, so dass die Leute Angst haben.
Da sieht man Feuerzungen über Menschenköpfen und die Menschen sind völlig verwirrt.
Zuletzt beginnen die mit den Feuerzungen in Sprachen zu reden, die sie vorher nicht gekannt haben. Und die Menschen bekommen es mit der Angst.
Eine gewaltige Geschichte ist diese Pfingstgeschichte. Sie hat Künstler zu wunderbaren Kunstwerken angeregt. Wir finden sie zum Beispiel in Burgoberbach oder in Herrieden in der Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte ist sogar eine richtige Pfingstbewegung daraus entstanden. Menschen, die feststellen: diese Geschichte ist so groß und so aktuell, aus ihr heraus sind wir Gemeinde. Wir sind wie die Menschen damals vom Geist beschenkt. Oder kurz: wir sind begeistert. Bis heute nutzen Menschen diesen Schub göttlicher Energie um großes zu vollbringen. Große Gottesdienste, große Gesten, großes Engagement, christliche Bewegungen, die die Welt förmlich verändern und die Gläubigen sammeln.
Warum mag ich dann nicht auf so großartige Art und Weise predigen heute? Warum rufe ich nicht dazu auf, dass wir diese Kirche in den nächsten 12 Monaten voll machen und mit Gottes Geist die Leute in Scharen hierher bringen? Bin ich kleingläubig? Verzagt? Glaube ich nicht, dass das Christentum eine Erfolgsreligion ist? Bin ich nicht begeistert von meinem Glauben?
Doch, liebe Gemeinde, das bin ich. Aber ich glaube, dass es stimmt, was die Bibel sagt:
Erstens -Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Zweitens- Gottes Reich beginnt im Senfkorn. Und drittens- Alles hat seine Zeit, das Große und das Kleine.
Was ich damit sagen will, wird bei uns in der Gegend deutlich: in Burgoberbach wächst der Lichtblickgottesdienst. Menschen kommen, immer mehr, und freuen sich an diesem Angebot. Ich glaube, dass der Heilige Geist dort wirkt. Aber eben nicht nur dort.
Er war auch neulich dabei, als wir zu fünft beim Trauergespräch beieinander saßen, als geweint wurde und als beim Gebet am Schluss spürbar, fast greifbar war: ja Gottes Geist ist da. Er wird uns tragen auch durch diesen Kummer hindurch. Da ist Pfingsten für mich.
Oder als wir vorgestern mit den Jugendmitarbeiterinnen und Jugendmitarbeitern beieinander waren. Wir gingen davon aus, dass die Kinderstunde nicht weitergehen wird, weil keine Mitarbeitenden mehr da sind. Aber jemand hat sich durch den Heiligen Geist bewegen lassen wieder einzusteigen. Da ist Pfingsten für mich.
Ich schaue in den Kirchenvorstand. Zugegeben, da geht es nicht begeistert und mit Jubelgesängen zu. Aber wir wissen um unsere Verantwortung, und wie wichtig so eine Klammer um alle Gemeindeaktivitäten ist. Männer und Frauen haben sich von Gottes Geist in dieses Amt, diese Verantwortung führen lassen und bringen sich ein. Bianca Hetzner hat dies seit 2006 getan, obwohl sie wusste, dass es im Studium schwierig werden würde. Vieles hat sie in dieser Zeit bewegen können, vor allem für Kinder und Jugendliche. Klaus Hufnagel hat sich anrühren lassen, seine Bedenken aufgegeben und seine Frau unterstützt ihn als neu berufener Kirchenvorsteher. Das alles mag unspektakulär sein. Aber es ist wichtig. Es wirkt Gottes Geist. Da ist Pfingsten für mich.
Ich blicke auf unsere Taufpraxis. Ja manchmal ist es schon anstrengend, wenn viele Taufen im Hauptgottesdienst sind. Aber dann spüre ich, dass wir die Täuflinge alle wahrnehmen und sehen. Dass wir durch das Taufnetz in jedem Godi spüren, wie viele Kinder und Erwachsene in unserer Gemeinde Gottes Geist in sich tragen. Da ist Pfingsten für mich.
Ich sehe unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden , wie sie treu ihren Kirchendienst machen. Wie sie sich auf dem Weg zur Konfirmation morgens aus dem Bett schälen, wie sie Lieder anstecken, den Klingelbeutel tragen. Manchmal gelangweilt und manchmal wissen sie doch, dass sie Teil dieser großen Kirche sind und wichtig. Da ist Pfingsten für mich.
Ich sehe, wie sich Menschen für den Gottesdienst begeistern. Rudolf Kießling und unsere beiden Lektoren Rudolf Bergmann und Rainer Weiß halten gerne Gottesdienste und unsere Leselektoren tragen Worte der Bibel vor. Nicht weil sie müssten, oder was verdienen würden, sondern einfach weil der Heilige Geist sie dazu gebracht hat. Da ist Pfingsten für mich.
Ich denke an viele ungenannte Menschen in Hauskreisen oder zu Hause, vor allem viele ältere Menschen, die nicht mehr in den Gottesdienst kommen können. So viele von ihnen sind treue Beterinnen und Beter. Sie denken im Gebet gerade jetzt an uns als Gemeinde. Sie beten für mich als Pfarrer, für unsere Jugend. Sie halten den Heiligen Geist in unserer Kirchengemeinde. Das ist Pfingsten für mich.
Jeden Tag in unserem Kindergarten wird Gott ins Spiel gebracht im Leben von über 60 Kindern. In biblischen Geschichten, in Gebeten und Liedern wird für sie deutlich, dass selbst Erwachsene nicht alles alleine machen, sondern auf Gott vertrauen. Dass sein Heiliger Geist sie alle trägt. Das ist Pfingsten für mich.
Seit 10 Jahren tragen Gemeindemitglieder 10-mal im Jahr das Bartholomäus Blättla in alle Haushalte. Viele davon seit Jahren beständig. Sie sorgen dafür dass wir, selbst wenn wir uns nicht am Sonntagvormittag sehen, zusammengehören im Geist Gottes. Pfingsten ist auch das für mich.
Von vielen treuen Gottesdienstbesuchern haben wir in letzter Zeit Abschied genommen. Sie fehlen uns und sie fehlen hier. Der Geist Gottes weht nicht auf der Zahlenwelle. Es ist nicht so, dass je mehr Geist da ist, desto mehr Leute kommen. Aufstieg und Niedergang. Erfolg und Freude auf der einen Seite, aber auch Durststrecken und Niedergänge gehören zum Christenleben. Aber der Geist Gottes weht wo zwei oder drei versammelt sind genauso wie wenn es 300 sind. Das ist Pfingsten jeden Sonntag.
Und manchmal gilt es den Teppich förmlich anzuheben und den Geist zu suchen. Da ist ein kleines Kind gestorben, oder ein junger Mensch mitten im Leben. Da bin ich krank geworden und weiß nicht wie es ausgeht. Seit ich letztes Jahr bei einem Sturz meinen Geruchssinn verloren habe kenne ich das Gefühl, wenn etwas im Leben für immer verloren ist. Die Behinderung ist für die eine da, die Arbeitsfähigkeit ist für den anderen weg. Ich bin angewiesen, bin hilflos, bin einsam und traurig. In meinen Tränen sehe ich den Geist Gottes nicht, oder nur verschwommen. Aber ist er nicht da? Kann ich ihn dort nicht wahrnehmen, schemenhaft? Ja, doch er ist dageblieben. Ja, der Heilige Geist begleitet mich in meinem persönlichen Elend auch. Ja, es ist Pfingsten in meinem Leben, auch in den finsteren Tälern.
Und im Streit mit Menschen? Leute, die mich fordern, die anstrengend oder sogar böse sind oder Böses tun, vielleicht absichtlich, vielleicht auch nicht. Aber es gibt sie. Und so sehr sie mich verärgern, mir den Schlaf rauben, spüre ich doch den Heiligen Geist in ihnen wirken. Ich nehme das Gute in ihnen war, ihre gute Absicht vielleicht. Oder der Geist löst Mitleid in mir aus, ich bin nicht so schroff wie geplant. Oder der Geist macht mich demütig: auch du bist für andere anstrengend. Sei gnädig mit ihnen und mit dir. Da ist Pfingsten auch. Ganz anders als erwartet.
Wir dürfen vom Heiligen Deist an Pfingsten alles erwarten. In einem Jahr mögen die Menschen in Deutschland an Gottes Liebe glauben und nicht mehr an die Macht des Geldes. Oder ich glaube, dass mein Euro, den ich in den Klingelbeutel oder die Kollektenbüchse heute werfe, die ganze Welt zum Guten verändert. Das ist nicht albern oder unrealistisch, sondern es ist uns sowieso versprochen. Mit der Wiederkunft Christi wird alles zurechtgerückt und im Kleinen können wir das schon bewirken.
Warum? Weil der Heilige Geist nicht an die Wiederkunft gebunden und also damals vertagt worden ist. Nein. Der Heilige Geist kam über die Jüngerinnen und Jünger an Pfingsten. Und seither ist er bei uns und in uns wirksam. In der großen Pfingstgeschichte so wie in unseren kleinen Pfingstgeschichten auch. Nutzen wir diese wunderbare göttliche Kraft in uns in unserem Leben. Zu Liebe, Versöhnung, guten Leistungen, Engagement und Ruhe, guten Taten, Dankbarkeit und Liedern, Trost, für frohe Erinnerungen, Nachbarschaft, Gebet und Gottesdienste und manches mehr. Denn es ist Pfingsten. Heute und alle Tage unseres Lebens.
Amen

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