Gegen Inseln! Für mehr Flüge! Gott!

Liebe Gemeinde,

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„Ihr Inseln!“, so spricht Jesaja die Welt an. Der englische Schriftsteller Nick Hornby hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „about a boy“, das auch verfilmt wurde. Auf Deutsch hieß der Film „about a boy. Oder der Tag der toten Ente“. Nun, in eben diesem Film sagt der Hauptdarsteller, in diesem Fall Hugh Grant, er sei eine Insel. Und wenn er eine Insel sei, dann sei er Ibiza.
Gut, ich finde, Ibiza ist eine schöne Insel mit viel Spaß und Tanzen und viel ausgelassener Stimmung.
Aber – und wenn es je eine gute Stelle für ein „Aber“ gab, dann diese – es ist nicht immer Sonnenschein und manchmal denke ich, ich bin eher Helgoland oder Spiekeroog. Dann tost die See und der Wind pfeift und alle Partymeilen dieser Welt erscheinen meilenweit entfernt. Unerreichbar.

Ein gutes Beispiel, warum man, wenn man schon eine Insel sein soll, Helgoland sein kann, kann man an dem Beispiel einer normalen Woche prima darstellen.

Wie sieht ihre, wie sieht eure Woche aus? Voll und gekennzeichnet durch Arbeit? Durch Termine? Durch Druck und Stress? Aber auch durch Freude und Entlastungen?
Fließen manchmal auch Tränen? Egal ob Tränen der Rührung oder Tränen der Verzweiflung?
Nun, dann bin ich froh, dass es mehreren so geht. So eine Woche, so eine normale Woche, hält vieles bereit. Viele Gefühle, viele Stimmungen, viele Höhen und manche Tiefen.
Am Montag dieser Woche war alles noch ganz in Ordnung. Die neue Woche fängt gut an! Gottesdienst mit dem Kindergarten. Ein dankbares Publikum – keinen Stress, keinen Ärger; einfach ein schöner Morgen. Die gute Laune zieht sich durch bis Dienstag.
Der Mittwoch und der Donnerstag lassen schon Verluste an der guten Anfangsstimmung erkennen. Die Kraft schwindet schon ein bisschen und das Aufstehen fällt schon schwerer. Na klar, draußen regnets ja auch.
Freitag ist der Akku schon ziemlich verbraucht. Wie lange muss ich noch arbeiten? Hausaufgaben? Aah, morgen ist Samstag und endlich frei.
Oder doch nicht?

Eine Insel liegt bekanntlich im Wasser und das bedeutet, dass man auf Hilfsmittel unterschiedlichster Art angewiesen ist, um diese Insel zu verlassen. Fähre, Flugzeug, Boot, Eisenbahn.

In einer dargestellten Woche, ist es manchmal ein bisschen wie auf einer Insel. Ab und an verrennt man sich in was,
Warum grüßen die anderen denn nicht?
Mathe ist bestimmt fünf!
Hat er eine andere?
Warum sagt der denn jetzt nicht mal „Danke!“?
Für wen mach ich das hier eigentlich?

Ist man erst in diese Gedanken verstrickt, dann kommt man da alleine auch fast nicht mehr raus. Man wird immer mehr zur Insel und nach und nach werden die Abfahrtszeiten der einzelnen Transportmittel verschoben, bis sie schließlich ganz ausfallen. „Flug gecancelled“, heißt es dann!
Plötzlich ist man Helgoland.

Wenn eine Woche so verläuft und man irgendwie den Ausgang nicht mehr findet, tja, was macht man dann?

Man steckt soviel Energie in manche Dinge und es scheint von der Umwelt nicht bemerkt zu werden. Nein, es wird doch nicht etwa als Selbstverständlichkeit genommen? Das Projekt scheitert.
Man arbeitet und arbeitet und es kommt kein Ertrag.
„Ich aber dachte, ich arbeite vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz!“
Das sagt der auserwählte Prophet Jesaja. Wohl eher auch Helgoland in diesem Moment und weit davon entfernt, Ibiza zu werden.
Ich kann mir vorstellen, dass diese Gedanken einer jeden und einem jeden von uns nicht ganz fremd sind.

Wenn diese Gedanken durchbrechen, was erwaten Sie, was erwartet ihr dann? Trost? Zuspruch? Aufmunterndes?

Aber woher soll das kommen? Es ist schon Freitag in der Woche, die Sonne hat sich zurückgezogen und scheint lieber auf Ibiza.

Es ist Sonntag und nun hören Sie, hört ihr, die Worte der Schrift und, als sei das nicht schon alles ganz schön viel gewesen in dieser Woche, stellt Gott auch noch einen Auftrag an uns.
Wann denkt denn mal jemand an mich? Wer das denkt, tut nichts Schlimmes.
Ist ja so. Und nun spricht der Herr, „der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gemacht hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde.“

Sie haben Zuspruch erwartet und nicht Anspruch? Sie haben Entlastung gesucht und nicht Anforderung?
Sie lesen wahrscheinlich zu viele Geschichten über Menschen, die Inseln sind.
Niemand ist immer Ibiza und niemand ist immer Helgoland! Überhaupt leben wir nicht als Inseln, sondern als Festland. Niemand ist eine Insel!
Das bedeutet, dass ich nicht alleine verantwortlich bin.

Gut, die Woche von Max Mustermann lief zum Ende hin schlecht, sicher, aber auch er ist angesprochen, auf dem Acker des Herrn zu arbeiten. Aber genauso wenig wie Lieschen Müller kann Max Mustermann immer volle Leistung bringen.
Gut zu wissen, in diesem Zusammenhang, dass wir keine Inseln sind, sondern alle gemeinsam hier sitzen.
Es sind alle angesprochen, und wenn einer von uns einen schlechten Tag hat, gibt es ein paar andere Menschen, die Gott ruft und ihnen gesagt hat, was jetzt dran ist: Wenn ich nur den Anspruch hören kann, dann bitte, muss doch jemand den Zuspruch verstanden haben! Darum wiederhole ich gerne noch mal, was der Herr uns zugesagt hat!
„Mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn ist bei meinem Gott!“. Er sagt uns, er sagt jeder einzelnen, er sagt jedem einzelnen zu: „Ich habe dich zu meinem Licht gemacht!“

Sagen wir einander, dass wir leuchten können, dass wir leuchten dürfen! Gott gibt die Energie, wir sind die Leuchtmittel. Gott ist die Energie, die man nicht immer aufbringen kann. Die man in der Woche, in seinen Beziehungen, in den vermeintlichen Insel-Zeiten lässt. Man weiß eigentlich, dass Gott da ist aber mitunter ist ja auch die schönste Zusage vergessen.
Gegen Inseln! Für mehr Flüge! Gott!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN!

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